„Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Ort als eine bäuerliche Umgebung“, freute sich Vorstandsvorsitzender Stefan Schleicher über die Entscheidung, vom früheren Tagungsort Egerland-Kulturhaus ins ländliche Lorenzreuth zu wechseln. Die 56. Vertreterversammlung war zugleich auch die letzte, die der Geschäftsführer aus Regnitzlosau leitete. Er werde sein Amt zur Verfügung stellen, ließ der Oberfranke bereits bei der Begrüßung anklingen. Aktuell beschäftigt die rund 1800 Mitglieder zählende landwirtschaftliche Genossenschaft 24 Mitarbeiter. Zur Besamungsgenossenschaft gehören neben einem Büro- und Labortrakt auch zwei Stallungen, in denen rund 80 Bullen von den Futtererträgen auf den umliegenden rund 65 Hektar Fläche versorgt werden.
„Erneut wird die Landwirtschaft als Sündenbock deklariert“, erinnerte Schleicher an das Volksbegehren, dessen Folgen auch die Besamungsgenossenschaft spüren werde. Schleicher forderte ein Umdenken und fügte hinzu: „Beleuchtet man die öffentliche Meinung, bekomme ich Angst.“ Nicht nur der Rinderbestand sei rückläufig, klagte er. Mit Blick auf die geplanten Stromtrassen forderte er ausreichende Ausgleichszahlungen.
Den Geschäftsbericht legte Dr. Henning Wendt vor. Die Zahl der Erstbesamungen sei rückläufig, verglich Genossenschaftsleiter Wendt die Fallzahlen 2017 (56.811) mit denen des zurückliegenden Jahres (54.614). Zudem bilanzierte er auch die Gesamtfälle, die ein Minus von 4657 aufweisen (2017: 104.707; 2018: 100.050 Fälle). Beim betreuten Tierbestand dominieren die Flecktiere, deren Anteil – so der Sprecher – rund 97 Prozent beträgt. „2018 wurden 15 Bullen eingekauft, die derzeit in der Station Wölsau leben." Genossenschaftlich eingekauft habe man sieben weitere Tiere, die in externen Ställen versorgt werden. Deutlich vereinfacht habe man den Dialog mit den Betrieben, verwies er auf den neu gestalteten und in der Branche viel beachteten Internetauftritt. „Mit der Bullenparade werden wir uns am 29. Mai der Öffentlichkeit präsentieren.“ Neu gestaltet werde auch der Vorplatz, vorangetrieben der weitere Ausbau des Wölsauer Betriebes, versprach der Geschäftsführer.
Den Jahresabschluss mit einer Bilanzsumme von rund 3,42 Millionen Euro (Vorjahr: 3,21 Millionen) erläuterte der Marktredwitzer Steuerberater Axel Simon. Anklingen ließ der Finanzexperte dabei auch die Beitragserhöhung, der es zu verdanken war, dass der Gewinn von zuletzt 128.000 Euro auf 208.000 Euro (trotz rückläufiger Besamungszahlen) gesteigert werden konnte. Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, den Überschuss in die Rücklagen einzustellen. „Der Betrieb ist geordnet, die Finanzlage gut", fasste Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Schrems seinen Lagebericht zusammen. Ein Anliegen aber hatten Henning Wendt und Bernhard Schrems noch: Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Stefan Schleicher, der sich von der Auszeichnung deutlich überrascht zeigte.
Über den Nutzen und die damit verbundenen Chancen bei der Kuh-Lernstichprobe referierte der Geschäftsführer der Besamungsgenossenschaft Memmingen, Konrad Bischof. „Wir prüfen den Zuchtwert der Tiere“, erklärte der Gast aus dem Allgäu die Ziele der dortigen Genossenschaft. Die derzeit bundesweit laufenden Typisierungsprogramme könnten aber nur sinnvoll verwertet werden, wenn die Landwirte aktiv daran mitarbeiten, mahnte Bischof.
Das Wahlergebnis
In den Mittelpunkt der Vertreterversammlung rückten Vorstandswahlen. Als Nachfolger von Stefan Schleicher wurde Ralph Browa aus Hirschberglein zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Wieder gewählt wurde Vorstand Bernd Riedelbauch aus Selb. In den Aufsichtsrat wurden Stefan Ziegler (Lauterbach bei Selb), Ulrich Köppel aus Zettwitz, Peter Mark (Wildenau) und Carsten Schmidt aus Tiefendorf (bei Töpen) berufen. (wro)
















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