03.09.2020 - 14:22 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Marktredwitz ohne Flohmarkt

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Seit 30 Jahren sorgt Gisela Swenne für Ordnung vor und hinter den Ständen beim Markttreiben auf dem Angerplatz. Wegen Corona war das Trödeln heuer aber nicht möglich.

Flohmarkt auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl. In Marktredwitz müssen Schnäppchenjäger auf den Flohmarkt von Gisela Swenne heuer verzichten.
von DTRProfil

Das Markttreiben ist Gisela Swennes Leben. Die 60-Jährige organisiert seit 30 Jahren die Flohmärkte in Marktredwitz und Waldsassen. Die Corona-Pandemie machte ihr in diesem Jahr aber einen Strich durch die Rechnung und nahm ihr den Lebensunterhalt. Seit 14. März hat die bayerische Staatsregierung Trödelmärkte untersagt. Seither sind für die Veranstalterin alle Einnahmen weggebrochen. Wegen der strengen Hygienebedingungen ist schon jetzt sicher: Vor März 2021 wird es in Marktredwitz keinen "Swennes Flohmarkt" geben. Ein nachträgliches Jubiläumsfest zum 30-jährigen Bestehen soll dafür im kommenden Jahr steigen.

"Schon als junger Bursche mit zehn Jahren habe ich meine Mutter beim Ausrichten der Flohmärkte unterstützt", erzählt der Sohn der Trödelkönigin, Pascal Regnet. Damals fanden die Märkte noch auf dem Parkplatz der einstigen Diskothek "G1", heute "Madhouse Event-Arena", am Günthersweiherweg statt. "Die Märkte waren total beliebt und von Monat zu Monat immer besser besucht. Irgendwann hatte meine Mutter so viele Händleranfragen, dass sie auf den Festplatz umziehen musste", erinnert sich Regnet.

Mindestens zweimal im Monat fanden sich die Schnäppchenjäger und Aussteller in Marktredwitz zusammen. "An guten Tagen bauten 100 bis 150 Händler ihre Stände auf. Wenn das Wetter passte, waren um die 500 Besucher gleichzeitig auf dem Platz. Die Auswahl an Waren war riesig und natürlich von Markttag zu Markttag unterschiedlich." Die Angebote reichten von Haushaltswaren über Antiquitäten bis hin zu Stoffen. Selbst Pflanzen und sogar Neuwaren seien mit dabei gewesen. "Für viele ist der Flohmarkt zum Hobby geworden. Andere wiederum machen den Frühjahrs- oder Herbstputz zu Geld. Manchmal sind auch einfach die Kinder aus dem Haus, und das Spielzeug oder die Kinderzimmer-Ausstattung sollen weg." Das Tolle am Flohmarkt sei, dass sich Kunden und Händler vermischen. In einer Woche suchten die Besucher nach Schnäppchen, in der Woche darauf stünden sie selbst hinter einem Stand. Und natürlich würden auch die Händler immer mal wieder eine kleine Schnäppchentour über den Platz starten.

Es gebe sogar einige Geschäftsleute, die von Markt zu Markt ziehen, um ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf der Waren zu erwirtschaften. "Gerade für diese Händler ist die Corona-Pandemie eine harte Zeit", bedauert Gisela Swenne. Manche Verkäufer nähmen über 200 Kilometer auf sich, um ihre Schnäppchen in Marktredwitz anzubieten. Die Abstände wären auf dem Angerplatz kein Problem. Falls doch mehr Andrang herrschen würde, müsste die Organisatorin Kunden oder Händler nach Hause schicken; allerdings ungern. Die Eckdaten des Hygiene-Konzepts machten dies aber womöglich notwendig.

Nur 20 bis 30 Aussteller kommen für Swennes Flohmarkt-Team nicht infrage. Die Hygienemaßnahmen wären zudem nur mit drei zusätzlichen Mitarbeitern umsetzbar. Der Eintritt müsste überwacht und das Einhalten der Richtlinien ständig kontrolliert werden. Waschgelegenheiten mit Seifenspendern, Einmalhandtüchern und Desinfektionsmittel müssten bereitgestellt werden. Weil Swenne die Standmiete aber nicht erhöhen will, sei dieser Aufwand nicht möglich.

Um das 30-jährige Bestehen von "Swennes Flohmarkt" gebührend zu feiern, war ein Fest mit besonderen Konditionen für die Händler geplant. Auch der Oberbürgermeister sei eingeladen gewesen. Wegen des Corona-Ausbruchs musste Swenne alles absagen. "Frühestens ab März will meine Mutter wieder mit Flohmärkten loslegen. Wenn es ein harter Winter ist und noch Schnee auf dem Festplatz liegt, kann es vielleicht April oder Mai werden. Wenn sich die Corona-Lage nicht stabilisiert, gehen bestimmt noch einige Aussteller vor die Hunde", befürchtet Regnet. Bis dahin müssen die Hütchen, Absperrbänder und Schilder weiter im Lager auf ihren Einsatz warten. Die Besucher und Händler haben großteils Verständnis dafür, dass die Märkte aktuell nicht stattfinden. Zwar sei das Marktleben für viele eine Lebenseinstellung, die Gesundheit gehe aber vor.

Ab dem 7. September ist die B303 zwischen Furthammer und Marktredwitz-West gesperrt

Marktredwitz
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Unerfüllbare Aufgaben

Als Verpächter des Angerplatzes versteht die Stadtverwaltung Marktredwitz, dass die Organisatoren die Flohmärkte aktuell nicht durchführen. „Die Auflagen sind in Corona-Zeiten nicht zu erfüllen“, sagt die Leiterin der Pressestelle, Claudia Hiergeist. Die Stadt verzichte während der Ausfallzeiten auf die vereinbarten Pachtzahlungen einschließlich des Nutzungsentgelts für die WC-Anlage. Der Nutzungsvertrag ruhe bis Ende des Jahres 2020. Auch der im März geplante Mädelsflohmarkt im Jugendzentrum sei wegen Corona abgesagt worden. „Falls Anfang 2021 wieder Veranstaltungen möglich sind, ist für den 20. März die Neuauflage des Mädelsflohmarkts geplant.“

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