30.11.2021 - 11:42 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Marktredwitzer Krippen-Landschaften lassen staunen

Die Kripperer haben neue Wunderwelten erschaffen. Besucher können die detaillierten Landschaften im Egerland-Museum in Marktredwitz bestaunen.

Nach gut einer Woche Arbeit positioniert „Krippenpapst“ Albin Artmann seine letzte Figur in der 14 Quadratmeter großen Alpenwelt.
von DTRProfil

Selbst erfahrene Krippenbauer wie Albin Artmann benötigen mindestens eine Woche, um derart detailgetreue Krippenlandschaften zu erschaffen, wie man sie nun im Egerland-Museum in Marktredwitz bewundern kann. In seiner 14 Quadratmeter großen Alpenlandschaft herrscht wildes Treiben von den Bergen bis ins Tal hinein. Hunderte von kunstvoll gestalteten Figuren – manche sind schon über 100 Jahre alt – bekommen bei jedem Aufbau einen neuen Platz. Jede Krippe ist somit bei jeder Ausstellung ein Unikat.

Nicht nur deshalb stellt sich beim Betrachten nie Langeweile ein: Die Wanderer, Bauern und zahlreichen Tiere in den lebendig wirkenden Landschaften erzählen schon alleine durch ihre Gestik und Mimik eigene spannende Geschichten.

Wie im Märchen

Ein bisschen wie ein Märchen wirkt die neue Kreation von „Krippenpapst“ Albin Artmann, die er vor wenigen Wochen aufgebaut hat. Gähnende Leere herrschte zunächst auf dem 14 Quadratmeter großen Areal. Dann begann er Schritt für Schritt von hinten nach vorne mit dem Erschaffen seiner neuen Miniaturwelt.

„Landschaftskrippen sind niemals gleich. Sie werden immer wieder aufs Neue gestaltet“, erklärt Albin Artmann. Große aufeinandergestapelte Steine bilden eine Alpenkette, die zusätzlich mit alten Zeitungsseiten stabilisiert werden. „Das gibt den notwendigen Halt, damit nichts umfallen kann.“ Ein Bergsteiger, der von einem wackligen Vorsprung stürzt, wäre auch fatal. Schließlich sind einige Figuren des Krippenbauers schon sehr alt. Artmanns älteste Figur stammt aus dem Jahr 1840.

Alles in Handarbeit

Zuerst sucht Albin Artmann die passenden Plätze für die großen Gebäude aus. Auch diese Bauwerke sind alle in Handarbeit gefertigt und teils aufwendig bemalt. Der Untergrund der Alpenlandschaft besteht aus Styropor. „Dieses Material hat den Vorteil, dass man Bäume, Sträucher und andere Dekoration hineinstecken kann“, erläutert Artmann.

Mit getrocknetem Steinmoos lässt der Kripperer saftige Wiesen entstehen. Ältere blasse Pflanzen werden im Gebirge und frisches grünes Material im Tal platziert. Auch die Wege, auf denen die Figuren wandern, weisen einige Besonderheiten auf. Feiner Sand vermittelt den Eindruck von kies- oder schotterbedeckten Pfaden, getrockneter Kaffeesatz wirkt wie ein erdiger Waldweg. Entlang der Straßen entstehen kleine Hecken oder gar ganze Wälder. Damit die verwendeten Fichtentriebe nicht zu früh ihre Nadeln lassen, werden sie mit Haarspray behandelt.

Mit Liebe und Fantasie

Nach getaner Arbeit können die Besucher der Ausstellung „Marktredwitzer Krippenkultur – Immaterielles Kulturerbe“ die mit Liebe und Fantasie dekorierten Szenen bestaunen. Ihre Bandbreite ist gigantisch und reicht von Kaiser Franz mit seiner Sisi bis zum Touristen mit dem Fernglas. In den Tälern grasen die Kühe, und in den Bergen erklimmen die Gämsen die Felswände.

Voller Terminkalender

Wie bekannt und beliebt die Kreationen von „Krippenpapst“ Albin Artmann sind, zeigt sich an seinem Terminkalender. Eigentlich sollte er sogar eine seiner Landschaftskrippen in der Peterskirche in Wien aufbauen. Diese Ausstellung wurde wegen der Corona-Pandemie zwar verschoben, doch Artmann darf stattdessen eine seiner Wunderwelten im Schlossmuseum Voigtsberg im Vogtland erschaffen. Diese Krippe wird mit fünf Quadratmetern jedoch weit kleiner sein als die Miniaturlandschaft im Marktredwitzer Egerland-Museum – in der übrigens über 200 Figuren zu bestaunen sind.

„Sicher fühlt sich so mancher Gast in seine eigene Kindheit zurückversetzt“, ist sich Museumsleiter Volker Dittmar sicher. Es sei ein bisschen wie das Schlüsselloch-Gucken ins weihnachtliche Wohnzimmer. Weil der Marktredwitzer Krippenweg in diesem Jahr nicht in seiner gewohnten Form stattfinde, biete die Stadt Marktredwitz den Besuchern die Möglichkeit, die Besonderheiten der Marktredwitzer Landschaftskrippen im Rahmen dieser Ausstellung zu bewundern.

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Marktredwitz

„Landschaftskrippen sind niemals gleich. Sie werden immer wieder aufs Neue gestaltet.“

Albin Artmann

 

 

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