18.09.2018 - 14:52 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

„Mister Gartenschau“ erzählt

Sein Name ist mit vielen Großprojekten verbunden. Bei der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge gibt Max Wittmann Einblick in seine jahrzehntelange Arbeit für die Stewog.

ASF-Geschäftsführer Michael Grünwald (links) bedankt sich bei Max Wittmann für seinen interessanten Vortrag mit einem Geschenk.
von FPHSProfil

Vor drei Jahren hat er sich in den Ruhestand verabschiedet. Über Jahrzehnte aber hat Max Wittmann, einst Chef der stadteigenen Stadtentwicklungs- und Wohnungsbau GmbH (Stewog), das Bild der Stadt Marktredwitz geprägt. Als Verantwortlicher für die erste grenzüberschreitende Gartenschau mit einem Land des ehemaligen Ostblocks hat er sich den Ehrentitel „Mister Gartenschau“ erworben und ist in die Geschichte der Stadt Marktredwitz eingegangen.

Bei einer Veranstaltung der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge (ASF) berichtete Max Wittmann über seine Arbeit in Marktredwitz und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Das Baugebiet am Kaiserstein, der Umbau des Marktes zu einem verkehrsberuhigten Bereich – mit all seinen konträren Diskussionen über das Für und Wider – waren nur einige Meilensteine seiner Arbeit. Wittmann erinnerte an das Tauziehen um das in Insolvenz gegangene Bahnhofshotel, eine Traditionseinrichtung in der Stadt. Als damals die Regierung von Oberfranken bereits einen Mietvertrag vorbereitet hatte, um Aussiedler darin unterzubringen, griff die Stadt zu und sorgte dafür, dass das Haus als Hotel erhalten blieb.

Aus der denkmalgeschützten, aber renovierungsbedürftigen Winkelmühle wurden ein schmuckes Gasthaus und der Sitz der Stewog. Wittmann war auch dabei, als die Chemische Fabrik in der Innenstadt geschlossen werden musste, bundesweit Schlagzeilen machte und die Stadt in Verruf brachte. Der Boden wurde entsorgt und das Gelände neu beplant. Dass auf dem Grundstück später ein Einkaufszentrum entstand, sorgte für eine positive Entwicklung der Einkaufsstadt. Im kommenden Jahr feiere das KEC 20-jähriges Bestehen, verkündete Wittmann. „Das Konzept Kaufen, Büros, Kino und ein kostenloses Parkhaus mit über 800 Stellplätzen ging auf.“ Ein Altlastenfall sei zum Glücksfall für die Stadt geworden. Max Wittmann: „Es war ein langer Kampf, aber es hat sich gelohnt.“

Mit dem Gelände der früheren Maschinenfabrik Meyer, die einst Maschinen für die Steinbearbeitung in alle Welt lieferte, dann aber Insolvenz anmeldete, hatte die Stadt und damit die Stewog einen weiteren Altlastenfall. Anfänglich nur als geringe Belastung angesehen, waren die Verschmutzungen durch Öl und Teer weit größer als gedacht. Mehrkosten von rund einer Million Euro waren die Folge.

Auch die früheren Glasmacher-Wohnungen im Anschluss an das Meyer-Gelände hatten es dem Stadtplaner und dem Stadtrat angetan. Als es dafür hohe öffentliche Zuschüsse für die Erhaltung gab, wurden die 52 Wohnungen Zug um Zug renoviert.

Ein wichtiges Kapitel von Wittmanns Arbeit war die Gartenschau. „Ich war schon immer ein Fan von Gartenschauen“, bekannte der Referent. Nach zwei vergeblichen Anläufen und Bewerbungen sei es dann endlich gelungen: „Marktredwitz wurde Austragungsort der ersten grenzüberschreitenden Gartenschau zusammen mit dem tschechischen Eger/Cheb. Der Zuschlag für das Jahr 2006 kam im Jahr 2000.“ Und damit auch immens viel Arbeit für den Stadtplaner, der das Mammutprogramm zusammen mit dem zweiten Egerer Bürgermeister Michal Pospišil und der Gartenschau-Geschäftsführerin Dagmar Voss sowie vielen Helfern schulterte.

Die Gartenschau wurde zu einem Riesenerfolg. Trotz aller vorherigen Bedenken und Einwände kamen die Besucher in Scharen. Aus einer Industriebrache wurden ein attraktiver Park und ein wertvolles Gelände in der Nähe der Stadtmitte, auf dem jetzt ein neuer Stadtteil mit Behörden, Wohnbebauung, Gewerbe und Erholung entstehen soll. Zusätzlich wurde das marode Freibad zu einem Naturfreibad umgebaut.

Auf rund 70 städtebauliche Maßnahmen bezifferte Wittmann seine Mitarbeit bei größeren Projekten. Dass es da manchmal auch gehakt habe, sei heute nicht mehr zu leugnen. Im Zusammenhang mit den aktuellen Plänen für den Stadtpark erinnerte er daran, dass es schon um das Jahr 1990 einen Bauantrag des Bekleidungsriesen C&A gegeben habe, der am Eingang des Parks zur Innenstadt hin bauen wollte. Dann kam die Wiedervereinigung, und das Unternehmen habe Standorte in ostdeutschen Großstädten vorgezogen.

Dass er einmal schon das Kündigungsschreiben beim Bauamt der Stadt geschrieben hat, aber wieder zurückzog, weil seine Forderungen erfüllt wurden, verschweigt Wittmann nicht. Er erinnert an eine ganze Reihe von erfolgreichen städtebaulichen Wettbewerben, Auszeichnungen oder die Bebauung an der Franzensbader Straße. Mit Freude erfüllt es ihn, „dass jetzt auch die Erhaltung der Glasschleif eingeleitet ist, einer Halle, die großes Potenzial hat“.

ASF-Geschäftsführer Michael Grünwald bedankte sich bei Wittmann für seinen unterhaltsamen Vortrag. Und Helmut Bach, früherer Stadtrat der Freien Wähler, bestätigte: „Es war eine schöne und interessante Zeit mit Ihnen.“

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