01.12.2019 - 15:01 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Schaurige Krimis beim "Historischen Club"

In seinem Buch „Galgen, Rad und Peitschenhiebe“ widmet sich Bernd Thieser Kriminalfällen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die schaurigen Ereignisse rücken auch in den Fokus bei einem abendfüllenden Vortrag beim „Historischen Club“.

In den Katakomben des Meister-Bär-Hotels beleuchtete Bernd Thieser (stehend) Kriminalfälle, die sich bereits vor Jahrhunderten zugetragen hatten.
von Werner RoblProfil

An diesem Abend war beim „Historischen Club“ eine Sache anders als sonst. Die regelmäßigen Treffen mit geschichtlichem Hintergrund finden normalerweise im Saal des Meister-Bär-Hotels statt. „Diesmal ist er aber besetzt“, klagte Vorstandsmitglied Friedrich Haubner auf Nachfrage. „Kurzfristig sind wir daher – weil für uns dort Platz war - ein Stockwerk tiefer beziehungsweise in die engen Katakomben umgezogen.“ Vielleicht war es gut so, auch wenn dies Haubner bedauerte. Die angenehme Seite: Die Enge wirkte bedrückend. Und das passte zum Thema.

Bei schummrigem Licht widmete sich Bernd Thieser schaurigen Kriminalfällen, die sich vor langer Zeit in der Region zugetragen hatten. Anders als gewohnt stand der eingeladene Referent nicht an einem Rednerpult. Dafür wäre eh kaum Platz gewesen. Der Gast mischte sich stattdessen unter das zahlreiche Publikum. Der Kriminalabend beim „Historischen Club“ versprach spannend und interessant zu werden.

Als einer der Delinquenten kam ein gewisser Pechstein ins Spiel, der im 14. Jahrhundert auf der Burg Weißenstein im Steinwald hauste. Danach beleuchtete der Redner einen Peter Hirschberger, der sich seinen Lebensunterhalt zwei Jahrhunderte später als Straßenräuber verdiente. „In unzähligen Gerichtsakten findet man die Namen von kleinen Dieben, Ehebrechern, Brandstiftern oder Wegelagerern“, fasste Thieser die Schar „seiner“ wüsten Gesellen zusammen.

„Aber auch Mord, Totschlag und andere schwere Delikte brachten die Täter vor Gericht; häufig auch an den Galgen“, fuhr der Referent in seiner Aufzählung fort. Der frühere Vorsitzende der Otnant-Gesellschaft für Geschichte und Kultur in der Euregio Egrensis, Bernd Thieser, erzählte frisch von der Leber weg.

Der Wunsiedler Historiker reihte Fakten an Fakten. In seinem ungewöhnlich langen und ausführlichen Fachvortrag nannte der Referent aber auch Ross und Reiter. Namentlich stellte er die Täter den Zuhörern in Details vor. Freilich auch die, die später von den zweifellos gut bezahlten Henkern öffentlich hingerichtet wurden. „Die Henkersmahlzeiten genossen aber nicht die Verurteilten“, erklärte Thieser und verwies auf das deutlich kargere Brot derer, die auf ihre letzte Lebensstunde warteten.

In den Mittelpunkt rückte der Wunsiedler Historiker zudem Streitereien im Wirtshaus, weil – und das geschah häufig – „das persönliche Ehrgefühl verletzt war“. Fast am Ende angelangt fand der Fachmann, „dass die Gerichtsakten auf einzigartige Weise die Schattenseiten der damaligen Zeit aufzeigen“. Das Leben des Adels und des Volkes standen im krassen Gegensatz. Thieser versprach mit dem Schicksal des "Egerer Boten", der am Zinster Berg den Tod fand, eine kleine, aber nicht weniger spannende Zugabe. Wer der Mörder war, verriet der Referent aber erst ganz zum Schluss.

„Die nächste Veranstaltung wird wieder in den gewohnten Räumen stattfinden“, versprach Vorstandsmitglied Friedrich Haubner, der das Schlusswort aber seinem Vorstandskollegen Bernd Leutheußer überließ, der darüber informierte, dass im Pressather Bodner-Verlag über die Kriminalfälle ein 330-seitiges Buch unter dem Titel „Galgen, Rad und Peitschenhiebe“ erschien und im Buchhandel erhältlich ist.

Vorstandsmitglied Friedrich Haubner (links) bedankte sich beim Referenten Bernd Thieser für den spannenden Abend beim „Historischen Club“.
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