Zu Gast im Meister-Bär-Hotel war Anna Knechtel. Die Fachreferentin hatte das Lebenswerk Bohumil Hrabals mitgebracht. Knechtel arbeitete bis 2001 in Prag, wo sie beim Radio als Redakteurin tätig war. Als wissenschaftliche Referentin unterstützt sie derzeit die Arbeit des Adalbert-Stifter-Vereins in München.
Bohumil Hrabal, 1914 in Brünn geboren, gilt als einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. "Ein besonders guter Schüler aber war er nie. Seine Ausdrucksweise war derb." Das habe man ihm oft angekreidet, ergänzte Knechtel, die (im zweiten Teil des Nachmittags) seinen 1993 erschienenen Roman "Hochzeiten im Hause" vorstellte.
Die Erzählung spielt im von den Nationalsozialisten besetzten Nachbarland. Die Deutschen, die Hrabal während der Zeit des "Protektorates" dabei vorstellt, rückt er - im Gegensatz zu anderen Schriftstellern seines Heimatlandes - in ein besseres Licht. "Das kommt nicht von ungefähr", erklärte Referentin Knechtel. "Hrabal war mit einer Deutschen verheiratet." Er näherte sich dem "Volk der Okkupanten" in besonderer Weise, sagte Knechtel.
Den 1993 erschienenen Mädchenroman "Hochzeiten im Hause" stellte sie in Auszügen vor. "Er ist aus der Sicht einer Frau verfasst", fuhr sie fort, um sich in die ausgewählten Seiten zu vertiefen. Zudem ließ sie auch das Leben Hrabals, der sich gerne in den Prager Gasthäusern aufhielt, um so den Menschen auf den Mund schauen zu können, in Schwarz-Weiß-Bildern vorbeiziehen.
Knechtel erläuterte, wie der Schriftsteller seine persönlich erlebten Spannungen mit den Deutschen verarbeitet hat. Geholfen habe ihm dabei die Zuneigung zu seiner Frau Eliska Plevová. "Wie ein roter Faden zieht sich auch das Thema Suizid durch einige seiner Werke", verwies die Referentin an anderer Stelle auf den geheimnisumwitterten Tod im Februar 1997. "Ob es sich dabei um einen Unfall handelte oder um Selbsttötung, bleibt ein ungelöstes Rätsel."
Hrabal starb in Prag nach einem Fenstersturz aus dem fünften Stock einer Klinik, in der der Erzähler in Behandlung war. "Mein Schreiben ist eine Art Schutz vor dem Selbstmord, als liefe ich durch dieses Schreiben vor mir und von mir davon", beschrieb Hrabal einmal sein Wirken. "Bereits in den 1930er Jahren begann der Autor, literarische Texte zu verfassen. Sie blieben zunächst aber in Schubladen liegen. 1963 machte er sein schriftstellerisches Talent dann zum Beruf", ergänzte die Referentin, während sie im Hintergrund weitere Bilder folgen ließ. Dem "Prager Frühling" und 1968 dem Einmarsch von Soldaten folgte schließlich ein Berufsverbot Hrabals. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Kulissenschieber und Arbeiter in einer Fabrik. Viele seiner Werke, wie "Ich habe den englischen König bedient", dienten als Grundlage für Spielfilme. Die Veranstaltungsreihe "Literarisches Café" pausiert nun. Der Veranstaltungsbogen wird aber im Herbst fortgesetzt. "Wir arbeiten bereits am Programm für 2019/2020", versprach die Leiterin der Kulturreihe, Roswitha Budow, die sich mit einem Geschenk bei der Referentin bedankte.














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