13.06.2018 - 11:50 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Spuren von Heimat

Mit einer neuen Sonderausstellung widmet sich das Egerland-Museum dem Thema Heimat. Die Schau setzt sich mit Essen und Trinken auseinander und gewährt interessante, ja spannende Einblicke in das Leben Vertriebener.

Blick in das Kolonialwarengeschäft von Jakob Gessert im Durchgangslager Wiesau, 1950er Jahre.
von Externer BeitragProfil

(exb) Eröffnet wird die Sonderausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“ am 14. Juni. Sie wurde vom Haus des Deutschen Ostens in München konzipiert, zeigt sich in Marktredwitz im neuen „Outfit“ und mit erweiterten Inszenierungen bis 26. August. Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Titel der Ausstellung macht vielleicht zunächst stutzig, liest man doch ständig auf Speisekarten und in Produktinformationen derartige „Warnhinweise“. Als Warnhinweis ist der Titel nun wirklich nicht zu verstehen – eher als Qualitätsmerkmal, heißt es in einer Pressemitteilung zur Ausstellung. Denn in der liebevoll gestalteten Ausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“ dreht sich alles um Knödel und Nocken, Königsberger Klopse oder Karlsbader Oblaten.

Die Sonderschau setzt sich also mit Essen und Trinken sowie der Identität und Integration der Deutschen des östlichen Europas auseinander. Sie gibt Einblick in Hungerjahre und Überfluss, zeigt Familienrezepte oder mitgebrachte Küchengeräte, die das Leben der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler (darunter eben auch zahlreiche Egerländer) prägten.

Eine Ausstellungssequenz unter dem Motto „Eigener Herd ist Goldes wert“ zeigt eine Küche aus den 1950er Jahren. Begehbare Supermarktabschnitte mit Produktregalen führen mittels fotorealistischer Gestaltung und „echten“ Supermarktregalen sowie akustischer „Werbe-Berieselung“ die Besucher an die speziellen Lebensmittel in den Auslagen heran.

Wie viele Produkte und Firmen haben nach Flucht und Vertreibung den Weg ins Deutschland der Nachkriegszeit gefunden? Was wird noch heute bei uns gekauft, gegessen, genutzt – ohne dass über Herkunft oder ursprüngliche Produktionsstätten nachgedacht wird? Wie viel hat das jeweilige kulinarische Erbe zum Erhalt der Identität der Deutschen aus dem Baltikum, aus Ostpreußen, Pommern, Russland, Schlesien, Böhmen, Mähren, der Slowakei, Ungarn, Jugoslawien oder Rumänien beigetragen?

Die Sonderausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“ geht diesen Fragen nach. Die Ausstellung wirft außerdem einen Blick auf die Hungerjahre der Nachkriegszeit, auch auf die Überflussgesellschaft, auf die die Spätaussiedler anfangs trafen. Viele heute noch bekannte Firmengründungen der Nahrungs- und Genussmittelherstellung gehen darauf zurück. Damit hatten diese Unternehmen wesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung und Aufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und noch darüber hinaus.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung widmen sich zum einen den Nahrungsgewohnheiten vergangener Tage und zum anderen den Krisenzeiten, in denen der Mangel an Nahrungsmitteln die Menschen zu außergewöhnlichen Notrezepten bewegte. Dabei soll unter anderem die energiesparende Kochkiste zum Einsatz kommen. Außerdem werden zusätzlich Kochkurse angeboten, in denen nach Originalrezepten aus der alten Heimat gekocht und gebacken wird.

Kiosk von Jakob Gessert in der Bahnhofstraße in Wiesau, 1950er Jahre.

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