Von Matthias Bäumler
An Selbstbewusstsein mangelt es Dieter Bohlen wahrlich nicht: Pop-Titan, Deutschlands gnadenlosester Juror. Das sind nur zwei Titel, mit denen sich der frühere Modern-Talking-Sänger schmückt. Und dann tritt der Marktredwitzer Peter Eckstein auf die Bühne der RTL-Show „Das Supertalent“. Ein unbeschriebenes Blatt mit Schirmmütze, Brille, gestreiftem Hemd und beiger Hose. Die Juroren blicken „Pizza-Peter“, wie er von seinen Freunden genannt wird, erwartungsvoll an. Kaum steht er am Mikrofon, bringt Peter Eckstein gleich mal Dieter Bohlen aus dem Konzept. Eckstein zu Bohlen: „Ich bin wegen dir da, du hast mich eingeladen.“ Bohlen verdutzt: „Wie? Ich habe dich eingeladen?“ Bruce Darnell, so etwas wie der zweite Chef unter den Juroren, fällt augenscheinlich vom Glauben ab. Und wieder Eckstein zu Bohlen: „Du bist ein Fan von mir. Ich habe dich gesehen. Auf dem Oktoberfest.“ Das sitzt.
Peter Ecksteins Auftritt dürfte wohl einer der unterhaltsamsten in der Geschichte des „Supertalents“ sein, dessen 16. Staffel RTL derzeit ausstrahlt. Dabei geht es weniger um die eigentliche Königsdisziplin des Marktredwitzers, das Singen. An dem Abend erweist er sich vor allem als guter Unterhalter, der am Ende mit einem Statement das Publikum zu Tränen rühren wird. Auch der zunächst perplexe Dieter Bohlen kann nicht mehr an sich halten und umarmt Eckstein. Mehr wird nicht verraten.
Leicht geschnitten
„Leider haben die Produktionsverantwortlichen die Szene für die Show leicht geschnitten. Dieter hat zu mir gesagt, ich solle so weitermachen, das hat mich wirklich gefreut.“ Eckstein nimmt sich vor gut 200 Zuschauern in dem Studio in Köln nicht so ernst, er genießt vielmehr das Bohei, das um die tatsächlichen oder vermeintlichen Supertalente aufgeführt wird. Einmal selbst Mittelpunkt der Glamour-Welt sein, einmal alle Augen auf sich ziehen.
Eckstein gilt in Marktredwitz und Umgebung als Unikum. Seit Jahren flutet er verschiedene soziale Plattformen mit seinen Liedern. Auf Star-Maker und Youtube gibt es mittlerweile eine Fangemeinde, die täglich klickt, um zu sehen, ob der „Pizza-Peter“ wieder geliefert hat. Der 61-Jährige liefert und liefert tatsächlich zuverlässig wie ein Pizza-Bote Song für Song. Mit seinem rauen Sprechgesang erinnert er entfernt an Liedermacher Wolf Biermann. Peter Eckstein ist aber auf kein Genre festzulegen: Schlager, Rock, Folk und eigene Kompositionen fernab jeder musikalischen Zuschreibung produziert er in seinem Ministudio auf dem Küchentisch in der Wohnung.
Schaffnerlos-Auftritt
Legendär sein Auftritt vor zwei Jahren auf der Open-Air-Bühne der Musikkneipe Schaffnerlos in Waldershof. „Die Fans sind so was von abgegangen, das war cool“, erinnert er sich im Gespräch mit der Frankenpost an jenen sonnigen Nachmittag.
Sein Gesangstalent entdeckte der Marktredwitzer erst spät. Eigentlich ist er gelernter Maschinenschlosser. Nach der Ausbildung verpflichtet er sich für vier Jahre bei der Bundeswehr und arbeitet anschließend in der Porzellanfabrik Kerafina und bei den früheren Didier-Werken. Ein schwerer Arbeitsunfall beendet schlagartig sein Berufsleben in der Fabrik. Danach verdingt er sich als Pizza-Bote, und über diese Schiene lernen ihn nach und nach die Marktredwitzer kennen und lieben. Nach Ende seiner Pizza-Fahrer-Karriere entdeckt er seine eigentliche Berufung. Weit mehr als tausend Lieder veröffentlicht der Barde über die Jahre im Internet. Als er erfährt, dass nach zweijähriger Pause die Sendung „Das Supertalent“ 2024 wieder an den Start gehen wird, bewirbt er sich zunächst für das Casting. Die Produktionsfirma Ufa lädt ihn für September 2023 nach Leipzig zum Vorsingen ein. Offenbar überzeugt er die Juroren. Sie winken ihn weiter – in die richtige Show.
Hop oder top
Und so steht er am 11. Dezember tatsächlich auf der großen Bühne. Vor ihm sitzen die Juroren: Dieter Bohlen, der Choreograph Bruce Darnell und die Lets-Dance-Teilnehmerinnen Ekaterina Leonova sowie Anna Ermakova. Hinter ihnen ein gut aufgelegtes Publikum, das, wenn es sein muss, mit Buh-Rufen nicht geizt. Hop oder top eben.
Vor dem legendär werdenden Auftritt in den Ufa-Studios in Köln muss Peter Eckstein warten. „Natürlich war ich nervös und hätte mein Potenzial am liebsten sofort nach der Ankunft abgerufen und Bohlen vorgeführt“, sagt er. Doch Stunde um Stunde vergehen und der Marktredwitzer wird zunehmend nervöser. „Zum Glück gab es an dem Tag noch einiges zu tun.“ Ein Fotoshooting, Interviews und schließlich ab in die Maske. Peter Eckstein führt einen Tag lang das Leben eines Stars. „Auch zu essen habe ich natürlich bekommen, es war wirklich alles vom Feinsten.“ Erst Tage später wird ihm so richtig bewusst, wie sehr ihn die Mitarbeiter der Produktionsfirma verhätschelt haben. „Dafür möchte ich mich auf diesem Weg bei der Ufa noch einmal bedanken.“ Auch Dieter Bohlen und Bruce Darnell nimmt er die Sprüche nicht übel. „Ist doch klar, dass die mich vorgeführt haben, das gehört zum Konzept der Show. Aber ich glaube, ich habe mich ganz gut geschlagen.“ Das hat er, zweifellos.
Sofort Sympathiepunkte
Irgendwann gegen 20 Uhr an jenem Dezembertag in Köln geht es auf einmal ganz schnell. Von einer Sekunde auf die andere heißt es, er müsse jetzt sofort auf die Bühne. Zeit, noch einmal seinen Auftritt vorab im Geiste durchzugehen, bleibt Peter Eckstein nicht. Dennoch sammelt er sofort Sympathiepunkte bei Dieter Bohlen, der sich – so der Eindruck – freut, auf einen Kandidaten zu treffen, der sich in puncto Schlagfertigkeit auf Augenhöhe bewegt. Die beiden haben in den folgenden Minuten die Lacher auf ihrer Seite. Tierisch ernst nehmen sie sich nicht.
Wieder am Küchentisch
Nun, eineinhalb Monate nach der Aufzeichnung, sitzt "Pizza-Peter", der seinen Künstlertitel mittlerweile in „Der Sänger aus Oberfranken“ geändert hat, wieder am Küchentisch. Vor ihm das Mikrofon, das Handy und eine Tasse Tee für die Stimme. „Ich mache weiter, immer weiter“, sagt er im Gespräch mit der Frankenpost. Nach dem Show-Auftritt, der nun am Samstagabend zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird, hat sich in seinem Leben nichts geändert. Nach wie vor lebt er in einer kleinen Wohnung, nach wie vor hat er Geldsorgen, nach wie vor drechselt er weiter an seinem Traum von der Gesangskarriere. Eine Freundin hat ihm zwar erst vor Kurzem in einer Sprachnachricht mitgeteilt, dass seine Sangeskunst ausbaufähig sei und er noch daran arbeiten müsse, auch wirklich jeden Ton zu treffen. Auf der anderen Seite ist eben jener raue Stil seine Art von Ausdruck – getreu dem Motto des großen Aktionskünstlers, Malers und Professors Joseph Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler.
Ein paar Projekte habe er im Hinterkopf, sagt er, will aber noch nichts verraten. Auch die Frage, ob er wieder im Fernsehen zu sehen sein werde, lässt er offen. „Möglich ist alles.“
Zunächst ist er auf die Reaktionen auf seinen Auftritt in Köln gespannt. Dabei hatte er zwar mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen, etwa einem viel zu leise eingestellten Mikrofon, am Ende ist er jedoch zufrieden. Noch heute muss er über eine Szene lachen, die wohl allen "Supertalent"-Fans in Erinnerung bleiben wird: Nach Ecksteins Performance und der sich anschließenden Diskussion der vier Juroren legt Dieter Bohlen einen Sprint aufs Parkett, dem ihm so wohl niemand zugetraut hätte. Der Chef-Kritiker nimmt Kurs auf den goldenen Buzzer. Wird dieser gedrückt, ist der Kandidat eine Runde weiter. „Ich weiß nicht, ob das ernst gemeint war oder vorher so abgesprochen, auf jeden Fall habe ich mich prächtig darüber amüsiert“, sagt Eckstein. Sein eigentlicher Auftritt kommt allerdings erst danach. Und der rührt alle im Saal.
Zu Peter Eckstein
- Peter Eckstein ist 61 Jahre alt
- Kommt der Marktredwitzer Hobby-Barde Peter Eckstein in die zweite Runde der RTL-Show „Das Supertalent“? Die Auflösung gibt es am Samstagabend ab 20.15 Uhr. Wann genau Ecksteins Auftritt ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.
- Im Gegensatz zu „Deutschland sucht den Superstar“ kann sich in der Show jeder bewerben, der ein außergewöhnliches Talent besitzt, egal in welcher Sparte.
- Dass Peter Eckstein ein gesundes Selbstbewusstsein hat, beweist er in der Sendung. Unter anderem attestiert er sich großes Potenzial, das er entfalten wolle.















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