10.04.2019 - 17:24 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Umjubelter Kleinkunstabend

Karl Valentin und Liesl Karlstadt in elf Spielszenen, dazu eine geistreiche Zugabe, in der es um Knödel geht: Mit einem Kleinkunstabend hat das Dörflaser Amateurtheater erneut ein dankbares Publikum begeistert.

von Werner RoblProfil

Karl Valentin, mit bürgerlichem Namen Valentin Ludwig Fey, zieht noch immer die Zuschauer in Bann. Ohne seine Partnerin Liesl Karlstadt aber, die eigentlich Elisabeth Wellano hieß, böte der Münchner Komiker nur das halbe Vergnügen. Seit einigen Jahren bereits widmen sich die Dörflaser Theaterfreunde um Spielleiter Jürgen Bauer den Rollenbüchern bekannter Komiker. Auf Loriot und Toni Lauerer folgten jetzt der Stückemacher Valentin und die ausgesuchten Spielszenen mit seiner schlagfertigen Partnerin.

Bereits bei den Probengesprächen hatte Regisseur Kurt Rodehau erkennen lassen: „Wir wollen das Duo nicht kopieren.“ Die Rollen verteilte er auf alle verfügbaren Darsteller. Durch den Premierenabend im Marktredwitzer Jugendzentrum „Löschwerk 10“ führte in charmanter Manier Bettina Seidel. "Wer anderen eine Grube gräbt, der hat ein Grubengrabgerät", plauderte sie los. Die meist kleinen Umbauphasen überbrückten erneut die „Viertakter“ Alexander Gleißner, Roland Kopp, Winfried Weiß und Harald Fleck. Souffleuse Sylvia Fleck – in der ersten Stuhlreihe sitzend – sprang bei Textlücken ein.

Gerne ließ man sich auf die Szenen auf karger Bühne ein. Viel brauchte es für die Kleinkunst der Dörflaser nicht. Meist reichten ein Stuhl, ein Tisch oder auch nur ein Zeitungs- oder ein dekorierter Hutständer. In den Mittelpunkt des Abends rückten das aneinander Vorbeireden und die bekannten Wortgefechte. „Was fehlt Ihnen denn?“, fragt der Apotheker. „Naja, das Rezept fehlt mir halt“, erklärt Kunde Karlstadt. Wenig später erfährt man beim Hamsterrad-Kampf, welche unterschiedlichen Schreibweisen es beim Familiennamen Meier gibt, und wie einfach es doch sei, sich dies zu merken. Man müsse sich nur (noch kompliziertere) Eselsbrücken ausdenken.

Kleinkunstabende – das merkten die Zuschauer bald – beinhalten eine besondere Eigenart, die kompliziert wird, wenn es um die kleine Welt von Valentin und Karlstadt geht. Immer wieder musste sich das Publikum auf neue, oft aberwitzige Situationen, aber auch auf ein wechselndes Darstellergespann einlassen. Auf den Arztbesuch folgten die „Fremden“, die nur in der Fremde zu Fremden werden. Leicht hatte es der neue Buchhalter, dem sich der stolze Chef nahezu kampflos geschlagen geben musste. Am Ende blieb die ernüchternde Erkenntnis, dass es – und das war auch schon die Zugabe, in der Kurt Rodehau auftrat – nicht nur Semmelknödel, bei näherer Betrachtung und in manchen Fällen auch Semmelnknödeln heißen könnte. Das Leben ist halt nicht immer einfach gestrickt.

Einen einzelnen Darsteller besonders herauszuheben, würde den anderen Mitstreitern nicht gerecht werden. Wer Valentin oder Karlstadt verkörpern durfte, durfte damit auch glänzen. Mit Jungdarstellerin Leonie Fischer aber hatte Regisseur Kurt Rodehau ein besonders glückliches Händchen bewiesen. Ihre frisch-freche Art begeisterte einfach. Alle Darsteller freuen sich nach der Premiere auf die weiteren Tourneestationen Mitterteich (12. April in der Kulturfabrik), Brand (13. April im TSV-Sportheim) und Lorenzreuth (14. April in der Sporthalle).

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.