Marktredwitz
23.11.2018 - 15:56 Uhr

Winkel bald attraktiver Stadtplatz

Die Bürger entscheiden über die Zukunft des Winkel-Areals in Marktredwitz mit. Der Betreiber einer Demenzeinrichtung will sich auf dem Gelände ansiedeln.

Auch das Wohn- und Geschäftsgebäude links im Bild wird abgerissen. Die Winkelmühle (rechts hinten) soll besser in Szene gesetzt werden. Bild: fph
Auch das Wohn- und Geschäftsgebäude links im Bild wird abgerissen. Die Winkelmühle (rechts hinten) soll besser in Szene gesetzt werden.

Langsam wird es für das Parkhaus ernst. Noch ein Jahr, dann machen Abrissbagger das Gebäude platt, für das die Planer einst einen Architektenwettbewerb gewonnen haben. Die Stadt will das Quartier im und rund um den Winkel komplett umkrempeln. Außer dem Parkhaus muss auch der Anbau weichen, in dem früher der Discounter Norma beheimatet war. Hier sind unter anderem eine Malschule, das Amateurtheater Dörflas, ein Zahntechniker, die Lebenshilfe und ein Bildungsinstitut Mieter.

Wie Oberbürgermeister Oliver Weigel in einem Pressegespräch sagte, ist das Parkhaus bis auf das unterste Deck seit August 2016 geschlossen. „Eine Untersuchung hatte damals ergeben, dass die notwendige Sanierung acht Millionen Euro kosten würde – zu viel für unsere Stadt.“ Daher ergriffen die Verantwortlichen die Gelegenheit beim Schopf und beschlossen den Abriss. Weigel und der Leiter des Stadtbauamts, Stefan Büttner, sehen nun die Chance, in zentraler Lage ein attraktives Quartier zu gestalten. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir Fläche und Masse der zukünftigen Baukörper etwas reduzieren und so der historischen Winkelmühle mehr Raum geben. Dadurch wäre sogar ein größerer Biergarten möglich. Und dem Winkelmarkt würde etwas mehr Platz auch nicht schaden“, so Büttner.

Wie gefragt das innerstädtische Areal ist, verdeutlichte Weigel: „Wir haben bereits einen Interessenten, der hier eine Demenzeinrichtung bauen will.“ Bis diese eröffnen kann, ist es noch ein langer Weg. Das kommende Jahr ist allein für Planungen und sonstige Vorarbeiten reserviert. 2020 folgt der Abriss, so dass ein Jahr später die neuen Gebäude stehen könnten. Die Stadt will möglichst viele Ideen für die künftige Nutzung sammeln. Daher veranstaltet sie als ersten Schritt am Mittwoch, 28. November, um 19 Uhr im ehemaligen Norma-Markt im Winkel eine Informationsveranstaltung. „Hier wollen wir die Ziele der Stadt erläutern und Wünsche und Anregungen der Bürger aufnehmen. Dazu wird es an dem Abend einen kleinen Workshop geben“, erklärte Büttner. Immerhin wüssten die Marktredwitzer am besten, was sie sich für das Quartier vorstellen.

Büttner ist es ein Anliegen, dass der Winkel einerseits ein attraktiver Stadtplatz wird und andererseits ein Zwischenglied für die Achse zwischen Stadtpark und Markt zum neuen Benker-Areal. Die Ideen der Bürger und der Stadtverwaltung fließen als Leitplanken in einen Wettbewerb von zwölf Architektenteams mit ein. Die Büros stammen aus der Stadt, der Region und aus dem übrigen Deutschland.

Wie Büttner sagte, haben sich einige renommierte Architekten für die Teilnahme beworben. „Uns ist es wichtig, dass wir einerseits Konzepte von Experten erhalten, denen die Situation in Marktredwitz bekannt ist, andererseits ist es interessant, welche Vorstellungen Wettbewerbs-Teilnehmer haben, die unsere Stadt nicht kennen.“ Die Architekten sollen auf keinen Fall in zu kleinen Dimensionen denken. Daher gibt es in dem Wettbewerb einen Realisierungsteil, der sich auf die rund ein Hektar große Fläche des Winkels und der umliegenden Areale, etwa der Braustraße bezieht. Insgesamt vier Hektar groß ist das Gebiet, für das die Stadt interessante Ideen in dem städtebaulichen Wettbewerb erhofft. Unter anderem sind hier auch die Flächen hinter dem Plischke-Markt, die Reiserbergstraße oder der La-Mure-Platz enthalten.

Oliver Weigel kann sich gut vorstellen, dass auch die alte Stadtmauer mit Stadttor wieder in Szene gesetzt wird. Ein kleiner Teil davon ist noch an der Westseite des ehemaligen Parkhauses erhalten. Der Rest der Steine ist unter mysteriösen Umständen während der Bauarbeiten zum Parkhaus verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Gut möglich ist es laut Büttner, dass auch das Thema Wasser auf dem Platz eine Rolle spielt. Schon heute ist ein Teil des verrohrten Baches an der Winkelmühle freigelegt. Als „enorm wichtig“ erachtet der Stadtplaner die „Baukante“ zur Leopoldstraße, die mit täglich 14.000 Autos eine der meist befahrenen Innenstadtstraßen ist. „Hier erhoffen wir uns eine Gestaltung, die die Besucher reizt, einen Abstecher in die Innenstadt zu unternehmen. Letztlich wird Wohnen im Winkel ebenso wichtig sein wie Handel und Dienstleistungen oder Gastronomie. Natürlich müssen wir auch an Parkplätze denken“, unterstrich Büttner. Die Experten der Stadt werden den Architekten vorgeben, wie viele für das Gewerbe, Besucher und Bewohner notwendig sind.

In der Zeit, in der die Abrissbagger und später die Maurer die Szenerie beherrschen, will sich die Stadt um Übergangsparkplätze kümmern. „Ich kann mir vorstellen, dass wir freigeräumte Flächen befestigen, so wie wir es an der Ecke Lindenstraße-Dammstraße derzeit tun“, informierte Weigel. Ebenfalls Hilfe bietet die Stadt den derzeitigen Mietern des alten „Wohnen-und-Kaufen-Traktes an“. Deren Verträge haben bis Ende 2019 eine Bestandsgarantie. „Wir helfen allen, die es wollen, bei der Suche nach einem Standort in Marktredwitz oder einer neuen Wohnung“, versprach Weigel. Der Zeitplan für den Umbau des Winkels steht: Nach dem Infoabend mit Workshop wird der Stadtrat im Januar das Pflichtenheft für die Architekturbüros erstellen und beschließen. Im Februar haben die Architekten bei einem Kolloquium die Möglichkeit, Fragen zu klären. Am 15. Mai tagt das Preisgericht und vom 24. Mai bis 7. Juni können die Bürger im alten Norma-Markt in Form einer Ausstellung die Pläne und Konzepte besichtigen.

Informationsabend:

Die Stadt Marktredwitz lädt am Mittwoch, 28. November, zu einem Infoabend in die Räume Im Winkel 1 ein. Hier stellen Oberbürgermeister Oliver Weigel und der Leiter des Stadtbauamtes, Stefan Büttner, die Ziele für den künftigen Winkel vor. Die Bürger sollen ebenfalls ihre Ideen vorbringen. Die in einem kleinen Workshop gefundenen Anregungen werden Bestandteil des Pflichtenheftes für den Wettbewerb der Architekten sein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. (fph)

 
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