06.12.2018 - 13:31 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Ein wirklich märchenhafter Theaterabend

Wenn das Amateurtheater zu den Textbüchern greift, darf man getrost Besonderes erwarten. In diesem Jahr hat man beschlossen, die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens zu zeigen. Das Premierenpublikum ist begeistert.

von Werner RoblProfil

Weihnachtlich gestimmt war man beim Probenstart freilich noch nicht. „Wir haben im Spätsommer mit den Arbeiten begonnen“, informierte Regisseur Jürgen Bauer im Vorfeld. Viel Zeit opferte auch Susanne Zimmert, die an ihrer Nähmaschine den Blickfang, die Kostüme schneiderte. Während in einem separaten Probenraum gearbeitete wurde, zimmerten Michael Eckstein, Richard Schirnding und Bernd Nachbar derweil die Dekoration. Unterstützt wurden die rührigen Handwerker von Michael Nachbar, Michael Scopak und Roland Walberer. Bühnentechniker Benjamin Seidel sorgte für die Beleuchtung und den guten Sound. Die wenigen Texthänger behob Sylvia Fleck, die den Abend im Souffleurkasten verbrachte.

Noch bevor sich der Premierenvorhang hebt, warten zwei Kinder auf ihre Mutter. Sie möchten eine Geschichte hören. Damit beginnt das geheimnisvolle Märchen, mit dem Charles Dickens in eine Welt entführt, die von früher und von Ebenezer Scrooge erzählt. Der Inhalt ist zweifellos bekannt. Der geizige Geschäftsmann hasst den regelmäßig wiederkehrenden Anlass, der von allen „Fest der Liebe“ genannt wird. Weihnachten hat keinen Platz in seinem Herzen. „Alles Humbug“. Sein Alltag wird vom Profit regiert. Das lässt er auch seine Mitmenschen spüren. Selbst an Feiertagen ist das ungeheizte Kontor geöffnet. Das lässt auch das Publikum frieren, obwohl man doch genau weiß, dass das „nur“ Theater ist. Eines aber trägt der von Geldgier Zerfressene immer bei sich: Die Erinnerung an seinen verstorbenen Geschäftspartner Jacob Marley, der eines Tages als Geist erscheint, um Ebenezer auf eine geheimnisvolle Art auf den rechten Weg zu bringen. „Nutze deine Zeit, sie ist knapp“, sagt Thomas Meyer als sichtbar gewordener Mahner aus der Vergangenheit.

Ebenezer Scrooge wurde von Harald Eichner glaubwürdig gespielt. „Wer innerlich ausgekühlt ist, spürt keine Kälte mehr.“ Der Marktredwitzer erhielt für seinen hartherzigen Briten viel Applaus. Das war aber auch nicht verwunderlich. Das Stück gönnte dem gut eingestimmten Darsteller kaum eine Szenenpause. Eichner konnte sein ganzes Talent ausspielen. Aber nicht nur der Protagonist selber, ausnahmslos jeder aus den Reihen des 16-köpfigen Ensembles bezauberte in seiner Rolle. Als talentierter Newcomer überraschte Philipp Kastner, der in seiner frisch-fröhlichen Kinderart gleich drei Bubenrollen übernommen hatte. Man hatte Mitleid mit Heinz Wölfel als unterbezahltem Büroangestellten und treusorgendem Familienvater. Aber auch mit dem Rest der Familie um Bühnengattin Elke Schöffel.

Anrührend neigte sich der rund zweieinhalbstündige Märchenabend seinem Ende zu. Und jeder war glücklich über den guten Ausgang. Gut versorgt wusste man sich in der Pause, die zu Gesprächen einlud. Aus der Turnhalle war eine zauberhafte Theaterwerkstatt geworden. Mit der Weihnachtsgeschichte hatte das Amateurtheater den Nerv getroffen. „Fröhliche Weihnachten, Mr. Scrooge“ machte nachdenklich. Weihnachten ist doch viel mehr als Geschenke und gutes Festessen. Weihnachten ist tatsächlich das Fest der Liebe.

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