Neuer Platz für alte Künste

Bei der Einweihung der "Tirschenreuther Handwerkerscheune" durften die 30 Mitglieder des AK "Historisches Handwerk" mehr als stolz sein. Denn die Vorarbeiten kommen einem enormen Kraftakt gleich.

Die AK-Vorsitzenden Alexander Zintl und Herbert Konrad sowie Bürgermeister Franz Stahl lauschten aufmerksam den Worten von Pater Helmut Stadermann (von links), der den Segen für die Scheune und deren Bewohner spendete.
von Ulla Britta BaumerProfil

Das beschauliche Dörfchen Matzersreuth wurde am Samstag zum Mittelpunkt aller heimatkundlich Interessierten. Ein regelrechter Konvoi von Pkws steuerte das Anwesen der Familie Härtl an, um die Einweihung der "Tirschenreuther Handwerkerscheune" mitzuerleben. Dort sind die Exponate des Arbeitskreises untergebracht. "Wenn es auch danach ausschaut, wir haben kein Museum eingerichtet. Das können nur Fachleute", betonten die Vorsitzenden Herbert Konrad und Alexander Zintl.

Die Mitglieder des Arbeitskreises hoffen, dass damit nun eine Odyssee zu Ende gegangen ist. Seit 1997 gab es vier unterschiedliche "Herbergen" für das gesammelte Inventar. Nun wurde Herbert Konrad bei seinem Neffen fündig, der in Matzersreuth einen alten Stall dafür hergab.

Beim Rundgang durch die Scheune wurde den Gästen bewusst, welche Vielzahl an Schätzen der Arbeitskreis mittlerweile gesammelt hat. Staunend schauten sich die Anwesenden in der 200 Quadratmeter großen Scheune um, wo einige 100 historische Handwerksgeräte attraktiv gezeigt werden. Viele Besucher fachsimpelten mit den Vertretern des Arbeitskreises über die Funktionen dieser Geräte, die zum Teil noch voll funktionstüchtig sind. Ziel des Vereins ist es, nicht nur Ausstellungsstücke zu sammeln, sondern auch das Wissen der alten Handwerkskünste zu bewahren. Deshalb gibt es in der Scheune eine Werkstatt, wo Fässer, Reisigbesen und andere Dinge nach alter Methode hergestellt werden. Bis zu derartigen Live-Demonstrationen mussten sich die neugierigen Männer aber gedulden. Zuerst hob Herbert Konrad das Engagement der 30 Mitglieder hervor. "Wir haben hier 1060 Arbeitsstunden geleistet", verkündete er stolz. Dafür gab es viel Sonderapplaus der Gäste. "Jetzt ist das Fass leer", so Konrad lachend. Dies war auch als versteckter Hinweis gedacht, dass der Arbeitskreis Spenden gut gebrauchen könne.

Bürgermeister Franz Stahl war darauf vorbereitet. Mit dem Stadtwappen überreichte er auch einen kleinen Obolus. Stahl stellte heraus, dass die Stadt auch die Miete für die Scheune übernehme und den AK in jeder Hinsicht unterstütze. So sei Herbert Schertler vom Bauhof mehrmals ausgerückt, um den Transport der schweren Exponate nach Matzersreuth zu ermöglichen. "Fantastisch, wie viel Eigenleistung hier drin steckt", sagte Stahl zum ehrenamtlichen Einsatz und räumte der Scheune einen wichtigen Platz in der Stadtkultur ein. Rudolf Schmid, Vorsitzender der Kreisgruppe des Oberpfalzvereins gratulierte ebenfalls mit einem kleinen finanziellen Zuschuss. Schreinermeister Otto Weiß, der den AK fachlich unterstützt, zog seinen Hut vor den fleißigen Männern. Mit einem Gedicht über das Holz stellte Weiß "den goldenen Boden" des Handwerks heraus.

Nach der Segnung der Scheune durch Pater Helmut Stadermann von St. Peter demonstrierten einige Mitglieder, wie fit sie an den historischen Gerätschaften sind und dass es durchaus möglich ist, heute noch mit reiner Handarbeit einen Besen zu binden.

Live-Demonstrationen zum Mitmachen gibt es ab Dezember jeden Dienstag und Samstag von 9 bis 12 Uhr in der Scheune. Am Freitag, 26. Oktober, findet in der "Tirschenreuther Handwerkerscheune" von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür für die Bevölkerung statt. Um 11 Uhr berichtet Fachfrau Anita Zwicknagl über das historische Handwerk und seine Bedeutung.

Zahlreiche Gäste waren der Einladung zur Einweihung gefolgt.
Viel Beifall gab es für die Information, dass die AK-Mitglieder insgesamt 1060 ehrenamtliche Arbeitsstunden für ihr neues Domizil geleistet haben.
Herbert Konrad zeigte nach dem offiziellen Teil unter anderem, wie früher ein Rundholz bearbeitet wurde.
Vor allem die Männer interessierten sich sehr für die Handwerksgeräte und deren Funktion.
Auch eine alte mechanische Nähmaschine gehört zum Inventar der Handwerkerscheune und wurde vorgeführt.
Für die Mäzene des Arbeitskreises "Historisches Handwerk" (Mitte im Bild), die immer wieder ihr Fachwissen zur Nutzung der alten Geräte zur Verfügung stellen, gab es vom AK selbstgemachte Geschenke in Form von Teelichthaltern aus Holz.
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