20.06.2018 - 16:36 Uhr
Maxhütte-HaidhofOberpfalz

Ausgerechnet Bananen

Wenn Michael Werner aktiv wird, dann wird es meistens ziemlich extrem. Auch am kommenden Wochenende lässt der Künstler, der in Maxhütte-Haidhof lebt, seiner Kreativität freien Lauf.

Michael Werner vor dem Reichstag
von Holger Stiegler (STG)Profil

Maxhütte-Haidhof. Der Kunstweltrekordler Michael Werner nimmt sich in Berlin die krumme Frucht vor. Beim Berliner Kunst-Festival „48 Stunden Neukölln“ (22. bis 24. Juni) auf der Schillerpromenade will er neue „Bananen-Maßstäbe“ setzen. Die Kulturredaktion hat sich im Vorfeld mit ihm unterhalten.

ONETZ: Herr Werner, „1000 Bananen für Berlin“ ist am kommenden Wochenende Ihr großes Ziel. Was muss man sich darunter vorstellen? Und warum ausgerechnet Bananen?

Michael Werner: Ich möchte das größte Bananenbild aller Zeiten malen, damit einen Kunstweltrekord der Superlative aufstellen und zeitgleich unsere Leistungsgesellschaft portraitieren. Natürlich gibt es schon zahlreiche Bananenbilder zum Beispiel von der Pop-Art Ikone Andy Warhol, von Banksy oder dem Bananensprayer Baumgärtel. Meine Aktion findet im Rahmen des Berliner Festivals „48-Stunden-Neukölln“ statt. Dort hat der Bananensprayer Baumgärtel viele Galerien mit Bananen markiert und sogar ein Hotelzimmer voller Bananen gemalt. Aber ich finde, das ist noch zu wenig für die Ewigkeit. Mein Bananenbild wird in völlig neue Dimensionen vordringen und entspricht genau dem Thema des Berliner Kunstfestivals „Neue Echtheit“. Mehr ist mehr, basta.

ONETZ: Wie sieht es mit dem Projekt aus, wenn es regnet oder stürmt?

Michael Werner: Gegen Wind sichere ich den Malgrund mit Eisenstangen, die unsichtbar unter die dicke Papierbahn geklebt werden. Beim „Festival Mitte Europa“ hat mir vor ein paar Jahren eine Windböe Platten mit aufgemalten Elchen weggeweht. Fliegende blaue Elche, das war gefährlich und darf sich bei den Bananen nicht wiederholen. Ich kann in Berlin die Papierbahn auch sehr schnell zusammenrollen und in Sicherheit bringen. Wenn aber das Wetter total verrückt spielt, dann muss ich passen. Es gibt keine Garantie, dass der Rekord zustande kommt. Das wird auch bei bestem Wetter kein Zuckerschlecken, sondern ein Ritt auf der Rasierklinge. Die Bananen sind bis zu 1,50 Meter groß, da muss ich malen bis zum Umfallen.

ONETZ: Sie gelten als „Kunstweltrekordler“. Was treibt Sie an?

Michael Werner: Ich beobachte uns Menschen, wie wir uns in allen Lebensbereichen mit anderen messen wollen und uns gegenseitig überbieten. Das übernehme ich als Künstler in meine Arbeitsweise. Überall regiert das Motto „höher, schneller, besser“. Wie in der Politik, der Wirtschaft, im Fußballverein üblich, so suche ich im Kunstsektor den Vergleich mit der Szene. Und natürlich macht es Riesenspaß Kunstikonen zu übertreffen, mehr Coca-Cola-Flaschen als Andy Warhol zu malen, Robert Rauschenbergs Autoreifendruck zu verlängern oder eben das größte Bananenbild aller Zeiten zu malen. Indem ich Künstler übertreffe, entsteht ganz nebenbei eine stimmige Aussage über unsere Welt.

ONETZ: Gibt es schon einen neuen Kunstweltrekord, den Sie im Sinn haben?

Michael Werner: Viele namhafte Kunststars liefern zurzeit gigantische Projekte ab. Das sind alles Steilvorlagen für mich. Wenn Robert Longo auf der Art Basel 40 000 Schusspatronen zu einer glitzernden Kugel formt, auf der gleichen Messe der afrikanische Künstler Ibrahim Mahama hunderte Schuhputzerschachteln auftürmt, wenn der chinesische Künstler Ai Weiwei massenhaft Fahrräder zu einer Skulptur zusammenschraubt oder Damien Hirst im Münchner Brandhorst-Museum tausende Tabletten in eine Glasvitrine stellt, dann rattert es in meinem Gehirn. Falls übrigens ein Leser plant 8000 Eichen zu pflanzen, soll er sich bitte zuerst mit mir in Verbindung setzen.

Weitere Informationen

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp