20.09.2021 - 16:01 Uhr
Maxhütte-HaidhofOberpfalz

Freie Trauungen in der Oberpfalz immer mehr im Kommen

Einige Paare entscheiden sich im Kreis Schwandorf statt einer kirchlichen für eine freie Trauung. Warum ist das so? Wir haben mit einem Hochzeitsredner gesprochen - und nachgefragt, ob die Kirche allmählich ihren Reiz verliert.

Redner Heinz Bauernfeind aus Maxhütte-Haidhof bei einer freien Hochzeitszeremonie.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Eine Hochzeit am See, im Garten oder auf einem Schloss und das im Kreise der engsten Familienmitglieder - auch im Landkreis Schwandorf schlagen Paare diesen Weg ein, statt sich für eine kirchliche Trauung zu entscheiden. Die Gründe sind so komplex wie vielfältig: unterschiedliche oder keine Konfessionen oder einfach der Wunsch nach einer ganz persönlichen Feier neben der standesamtlichen Hochzeit.

Einer, der eine solche Trauung möglich macht und diesen Moment mit dem Brautpaar feiert, ist Hochzeitsredner Heinz Bauernfeind aus Maxhütte-Haidhof. Seine Stimme ist herzlich und ruhig, er lacht viel, wenn er von seinem Job erzählt. Seit 2014 ist Bauernfeind mittlerweile als freier Redner unterwegs, ein "Zufall" wie er schmunzelnd sagt, weil dieser berufliche Einschlag so nicht geplant war.

"Ich hatte damals die Möglichkeit, meinen eigentlichen Beruf vorzeitig zu beenden", erinnert er sich. Etwas ganz neues wollte er dann machen. Im Jahr 2011 kam für ihn schließlich der Anstoß: "Einer meiner Söhne wünschte sich mit seiner Partnerin eine freie Trauung an einem See." Die Suche nach einem Redner sei jedoch schwierig gewesen in der Region. "Damals gab es nur wenige freie Redner im Landkreis." Aus München musste jemand anreisen, um den wichtigsten Tag seines Sohnes zu begleiten.

"Für mich war das damals beeindruckend", erzählt Bauernfeind. Die Zeremonie sei sehr persönlich und intim gewesen, der Redner größtmöglich auf das Brautpaar eingegangen. "Das hat mich schon sehr berührt." Für ihn sei da klar gewesen: "Das will ich auch machen." Noch ist Bauernfeind allerdings einer von wenigen: Denn noch immer ist im Landkreis die Zahl der freien Redner mehr als überschaubar. Das gibt er auch zu. Aber: "Wir werden immer mehr, weil freie Trauungen in der Oberpfalz immer mehr im Kommen sind."

Wenige freie Redner

Diese Art der Hochzeit, so der Redner, verbreite sich für ihn merklich. "Früher war es ganz klar, dass man nach der standesamtlichen noch eine kirchliche Trauung vollzieht." Viel hatte das mit der Tradition und der damals noch starken Stellung der Kirche in der Gegend zu tun. Mittlerweile gebe es aber einen deutlichen Änderungsprozess, ist sich Bauernfeind sicher.

Wie viele Menschen sich im Landkreis Schwandorf tatsächlich für eine freie Trauung entscheiden, ob es wirklich immer mehr werden und ob es mittlerweile gar mehr freie als kirchliche Hochzeiten gibt, lässt sich anhand konkreter Zahlen bislang nicht beantworten. Die freien Hochzeitszeremonien werden, anders als kirchliche Trauungen, nirgendwo erfasst.

Konkrete Zahlen fehlen

Das bestätigt auch Elfriede Jauernig, Pfarrsekretärin in der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer. "Einen Vergleich kann man da nicht ziehen." Die Zahlen, wie viele kirchliche Trauungen in der Nabburger Kirche stattgefunden haben, hat sie nicht parat, aber so viel: "Heuer haben wir ziemlich viele Hochzeiten gehabt, ich würde sagen, die Tendenz ist seit Jahren gleichbleibend." Der örtliche Pfarrer, der für ein Gespräch bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen war, würde die Trauung "ganz persönlich" für die Paare gestalten.

Pfarrer Alfons Kaufmann aus der St. Johannes-Kirche in Oberviechtach bestätigt ebenfalls, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, die Trauung persönlich zu halten und auch in der Predigt und in der Liturgie auf die Brautleute einzugehen. "Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied macht zu einem freien Redner", sagt er. Wobei der Gottesdienst natürlich liturgischen Vorgaben folgen würde.

In diesem Jahr habe der Pfarrer sechs kirchliche Hochzeiten vorgenommen - auch hier habe sich die Corona-Pandemie niedergeschlagen. Doch er gibt zu: "Das Interesse an kirchlichen Hochzeiten ist sicher zurückgegangen in letzten Jahren." Viele Leute seien mittlerweile nicht mehr kirchlich gebunden, was einen großen Anteil an dieser Tendenz ausmache. Persönlich hat Pfarrer Kaufmann in Oberviechtach noch keine freie Trauung beobachtet, "die gibt es aber sicher in der Nähe." Er ist sich sicher, dass die meisten Leute in der Regel standesamtlich heiraten. "Das reicht den meisten auch aus als Ehebund."

Hochzeitsplanerin Renata Thaller aus Wernberg-Köblitz bestätigt: "Ich beobachte, dass kirchliche Hochzeiten sehr rückläufig sind." Mittlerweile würde sich die Hälfte "ihrer" Hochzeitspaare für freie Eheschließungen entscheiden, der Rest seien standesamtliche oder kirchliche Trauungen.

Woran liegt das? "Viele sagen mir, sie hätten mit der Institution Kirche nichts am Hut", erklärt sie. "Das hat aber nicht mal etwas mit Austritten zu tun - und vielen sind auch die Vorgaben bei kirchlichen Trauungen zu starr." Freie Trauungen seien außerdem mehr ein symbolischer Akt und daher persönlicher, sagt Thaller.

In diesem Jahr standen für Redner Heinz Bauernfeind vier Hochzeitszeremonien an, corona-bedingt ist auch die Zahl an Buchungen heuer im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen, wie er sagt. Für 2022 stehen allerdings schon über zehn Termine in seinem Kalender. "Ich mache außerdem nur so viele, wie es mir Spaß macht", sagt Bauernfeind. Sein persönliches Maximum seien bisher 15 freie Trauungen im Jahr. "So kann ich noch gut auf alle Paare eingehen und alles bestens mit ihnen abstimmen." Und mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Außerdem habe ich Kinder und Enkel - und mit denen möchte ich auch viel Zeit verbringen."

Die Heiratswilligen dürfen sich wieder trauen

Nabburg
Hochzeitsredner Heinz Bauernfeind aus Maxhütte-Haidhof
Hintergrund:

Die Anerkennung von Eheschließungen

  • Bei der freien Trau-Zeremonie handelt es sich um einen eher symbolischen Akt, der das Standesamt nicht ersetzt. Rechtsgültig verheiraten kann man sich in Deutschland nur auf dem Standesamt.
  • Auch die kirchliche Trauung alleine besitzt in Deutschland keine Rechtsgültigkeit.
  • Seit Januar 2009 darf sich ein Paar auch dann kirchlich trauen lassen, wenn es zuvor nicht standesamtlich geheiratet hat. Eine Änderung im Personenstandsgesetz hat dies möglich gemacht.
  • Während eine freie Trauung völlig individuell abläuft und konfessionell ungebunden ist, ist es bei der kirchlichen Trauung anders: Ist nur einer Mitglied der Kirche, ist bei manchen Konfessionen eine Zustimmung durch eine höhere Stelle, zum Beispiel beim Bischof, notwendig. Und bei der katholischen Kirche darf keiner der beiden Partner bereits geschieden sein.

 

 

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