Von Nils Ganzmann
Das Bayernwerk investiert eine Rekordsumme in das Stromnetz der Oberpfalz. Allein in diesem Jahr beträgt das Budget für alle Bauprojekte rund 280 Millionen Euro. „Es gibt einen enormen Zuwachs bei den Einspeisern“, erklärte André Zorger bei einem Pressegespräch im Zentrallager in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf). Photovoltaikanlagen sorgen laut dem Leiter des Kommunalmanagements besonders an sonnigen Tagen für einen Energieüberschuss. „Wir sind ein wetterabhängiges Großkraftwerk“, erklärt Zorger und fügt hinzu: „Wenn die Sonne scheint, speisen wir in das überregionale Netz ein, und in der Nacht ist es genau umgekehrt.“
Bislang konnte der Ausbau der Oberpfälzer Stromnetze nicht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien mithalten. Wie stark die bestehenden Netze bereits ausgelastet sind, zeigt das Beispiel des Solarparks Forsthof in Luhe-Wildenau. Die Anlage gehört mit knapp 20 Megawatt-Peak zu den leistungsstärksten Solarparks der Region – zumindest theoretisch. Im vergangenen Jahr musste der Solarpark an mehr als 300 Tagen mindestens einmal heruntergeregelt werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Insgesamt entspricht das mehr als 150 ganzen Tagen, an denen ein Teil der erzeugten Sonnenenergie ungenutzt blieb.
„Wir müssen unsere Kapazitäten erweitern“, fasst Peter Ketterl, Leiter Technik Ostbayern, die aktuelle Situation zusammen. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt auf den drei Kundencentern Parsberg, Schwandorf und Weiden. Für jedes dieser Versorgungsgebiete plant das Bayernwerk ein Budget von rund 90 Millionen Euro. Neben zahlreichen kleineren Maßnahmen stehen dabei vor allem neue Hochspannungsleitungen, Umspannwerke und leistungsfähigere Erdkabel im Fokus.
Neues Umspannwerk in Mitterteich
Zu den größten Einzelprojekten zählt der Ausbau in Mitterteich. Dort entsteht ab kommendem Jahr direkt neben dem bestehenden Standort ein neues Umspannwerk. „Wir müssen auch das Hochspannungsnetz ausbauen, um den Strom überregional verteilen zu können“, erklärte Aaron Gottardi, Pressesprecher für Hochspannung und Umspannwerke. Nach Angaben des Bayernwerks kostet allein dieser Neubau rund 17 Millionen Euro. Das neue Umspannwerk soll 2030 in Betrieb gehen. Zusätzlich wird das modernisierte Schalthaus in Bärnau über zwei jeweils zwölf Kilometer lange Kabel mit dem Umspannwerk Tirschenreuth verbunden. Außerdem entsteht eine weitere Leitung in Richtung Stein. Mehrere Freileitungen sollen dabei durch Erdkabel ersetzt werden. Für diese Maßnahmen investiert das Bayernwerk weitere neun Millionen Euro. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und frühestens Ende 2029 abgeschlossen werden.
Neue Leitungen zwischen Regensburg und Schwandorf
Auch im Landkreis Regensburg plant das Bayernwerk eines der größten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre. Zwischen Regensburg und Schwandorf entsteht eine neue Hochspannungsleitung mit Anbindung an die Umspannwerke Ponholz und Schwandorf. Anschließend wird die bestehende Freileitung zurückgebaut. Die Investitionssumme liegt bei rund 34 Millionen Euro. Der Baustart ist allerdings erst für Herbst 2028 vorgesehen. Parallel modernisiert der Netzbetreiber die Hochspannungsverbindung zwischen Regensburg und Straubing. Auf einer Strecke von 18 Kilometern werden elf bestehende Masten durch leistungsfähigere Modelle ersetzt. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Das Investitionsvolumen beträgt rund 12 Millionen Euro.
Ausbau in Amberg-Sulzbach und Neustadt/WN
Das Schalthaus in Gebenbach wird über neue Erdkabel mit dem Umspannwerk Rosenberg verbunden. Zusätzlich erneuert das Bayernwerk Leitungen zwischen Hahnbach und Frohnberg und ersetzt eine Maststation durch eine digitale Ortsnetzstation. Die Investitionssumme beträgt rund 6,5 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und voraussichtlich erst Ende 2028 abgeschlossen werden.
Auch Weiherhammer bekommt ein leistungsfähigeres Stromnetz. Eine rund 1,8 Kilometer lange Freileitung, die größtenteils durch ein Waldgebiet verläuft, wird durch ein Erdkabel ersetzt. Zudem bindet der Netzbetreiber eine zusätzliche Kundenstation ein und tauscht eine alte Turmstation gegen eine digitale Ortsnetzstation aus. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die bisherigen Strommasten und Freileitungen verschwinden. Die Kosten liegen bei rund 450.000 Euro. Die Maßnahmen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Weitere Projekte in der Oberpfalz
Neben den Großprojekten investiert das Bayernwerk auch in die Digitalisierung der regionalen Stromnetze. In mehreren Gemeinden werden ältere Turm- und Maststationen durch digitale Ortsnetzstationen ersetzt. Diese erfassen in Echtzeit, wie viel Strom vor Ort erzeugt oder verbraucht wird, und helfen dabei, die Netze bei hoher Einspeisung gezielter zu steuern.
Die Maßnahmen laufen unter anderem in Schwandorf, Bruck, Deining, Mantlach und Reichenbach. Zudem werden bestehende Freileitungen zurückgebaut, neue Erdkabel verlegt und zusätzliche Verteilanlagen geschaffen.
















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