Kreisvorsitzender und Landtagskandidat Peter Wein erinnert am Montag im voll besetzten Foyer der Stadthalle an das Schicksal Eisners: Der unabhängige Sozialdemokrat (USPD) proklamierte am 7. November 1918 den Freistaat Bayern, führte das allgemeine Wahlrecht - auch für Frauen - ein. Gedankt wurde es der USPD nicht: Bei den Wahlen landet Eisners Partei bei 2,5 Prozent. Am 21. Februar 1919 wird Eisner ermordet. Von Anton Graf von Arco auf Valley, Mitglied der völkischen Thule-Gesellschaft.
"Als Einzeltäter verurteilt", greift SPD-Bezirkschef Franz Schindler die Geschichte auf, Der Graf wird 1927 begnadigt. Schindler erinnert an rechte "Einzeltäter" wie den Oktoberfestattentäter oder den Schwandorfer Brandstifter am Habermeierhaus. An den wahren Zusammenhängen habe die Justiz in 100 Jahren Freistaat allzu oft wenig Interesse gezeigt. Aber 100 Jahre Freistaat, das bedeute eben auch Aufschwung zum prosperierenden Staat, mit einer Verfassung aus der Feder des Sozialdemokraten Wilhelm Högner, die für Schindler - im Landtag Vorsitzender des Verfassungsausschusses - die schönste überhaupt ist: "Sie könnte ebenso aus der Feder eines Jusos stammen wie aus der eines Jesuiten".
"Jedes Menschenleben soll heilig sein!" heiße es in der Proklamation Eisners. "Also auch das der Gegner", betont Schindler. Eisners Traum von einer friedlichen Revolution währt nicht lange. Schon kurz nach seinem Tod brach ein blutiger Bürgerkrieg aus. Dennoch: Frauenwahlrecht, Abschaffung des Lehrerinnen-Zölibats, Volksbegehren, Volksentscheide: Das seien Werke von Sozialdemokraten, so Schindler. Wenngleich 155 Jahre SPD keine Garantie für Erfolg seien: "Ruhm schießt keine Tore", zog er Parallelen zur Fußballnationalmannschaft. Und : "61 Jahre in der Opposition in Bayern, das muss uns erst mal wer nachmachen". Aber die SPD habe immer zur Demokratie gestanden, auch unter Lebensgefahr wie bei der Machtergreifung Hitlers 1933. "Das ist 85 Jahre her, da war Hans Schuierer schon auf der Welt," wandte sich Schindler an den Schwandorfer Ehrenbürger. Reaktionäre Krafte hätten Hitler die Macht geschenkt, "eine Schande für das Parlament". Nicht für 16 SPD-Abgeordnete im Landtag, die dagegen stimmten.
Bayern driftete in der Zwischenkriegszeit nach rechts. "Die Republik scheiterte daran,dass es zu wenig Demokraten gab", sagt Schindler, und erinnert daran: "Das Nazi-Regime, das die AfD als Fliegenschiss der deutschen Geschichte bezeichnet, brachte Millionen Tote, zerbombte Städte." So seien 100 Jahre Bayern nur 88 Jahre Demokratie. Aber auch nach dem zweiten Weltkrieg seien es Sozialdemokraten gewesen, die Weichen stellten: Wilhelm Högner als Vater der Verfassung, die SPD-Bürgermeister in den großen Städten. "Die Anderen", die seien "in ihren Mauselöchern verschwunden." Allerdings traue sich der "braune Bär" wieder aus der Deckung, bis in die Mitte der Gesellschaft. Umso wichtiger sei es, für Freiheit und Demokratie einzustehen. "Wir Sozis sind nicht die besseren Menschen", sagt Schindler, und stellt klar: "Aber immer wenn es darauf angekommen ist, war die SPD auf der richtigen Seite. Auf der Seite des Friedens!" Auch deshalb sei Bayern wunderbares Land, "vielleicht noch viel mehr das Land der SPD als der CSU", bekräftigt er. "Und deshalb feiern wir."














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