09.01.2020 - 12:25 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Echte Knochenarbeit

In grauer Vorzeit werden Eisblöcke aus Weihern gesägt, um damit Kühlkeller zu bestücken. Ein manchmal tragischer Blick ins Geschichtsbuch.

Eissägen war seinerzeit eine knochenharte Arbeit. Im Hintergrund Fichtelberg und am Horizont Ochsenkopf und Schneeberg ohne Turm. Ochsen- und Pferdegespanne sieht man im Vordergrund.
von Gisela KuhbandnerProfil

Mehlmeisel/Unterlind. (gis) Wer sich nach Feierabend ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank nimmt, wird wohl kaum nachvollziehen können, welche Knochenarbeit es früher war, den edlen Gerstensaft bis in den Sommer hinein zu kühlen – mit Eisblöcken, die aus den Weihern gesägt wurden. Motorsägen, die die Arbeit erleichtert hätten, waren noch längst nicht erfunden. Ein Foto aus dem reichen Archiv von Hobby-Heimatforscher und Chronist Josef Wiche, aufgenommen um den Ersten Weltkrieg, zeigt diese mühselige Tätigkeit am Unterlinder Hammerweiher.

„Die herausgesägten Eisblöcke wurden per Ochsen- und Pferdegespanne zum Keller der Pscherer-Bräu befördert, wo das Bier in Holzfässern reifte, transportiert und gelagert“, hat Wiche dokumentiert. „Dieser Eiskeller war bestimmt 15 Meter lang und führte wie ein Stollen tief in felsiges Gestein. Das Eis hielt sich darin "bis zur Heumahd. Angeblich war der Eiskeller das Erfolgsgeheimnis der "Schmiedl-Brauerei", wie man sie im Volksmund nannte.

Die Pscherer-Bräu arbeitete von 1883 bis 1913. Gründer und Braumeister Josef Pscherer starb 1902, sein Sohn Christoph folgte ihm 1912, was zur Schließung führte.

Den Eiskeller nutzte anschließend der "Gasthof zum Goldnen Hirschen" zum Lagern der angekauften Bierfässer“.Wie der Heimatforscher zudem berichtet und ein Stück weit auch in der von ihm und Bernhard Prechtl verfassten Häuserchronik Brand II nachzulesen ist, war das Eis-Sägen ein großes Spektakel in Unterlind und früher tummelten sich Kinder zwischen den Eisblöcken, bis im Winter 1904/05 ein Kind des Braumeisters vom Eis abrutschte und in das Wasserloch stürzte. Der Geisler Josef sprang damals beherzt hinterher und holte das ohnmächtige Kind heraus. Es überlebte und wurde wieder gesund. Alle kümmerten sich um das Kind, jedoch war Josef selbst unterkühlt und wurde todkrank. Er starb 1905, erst 51 Jahre alt. (Für Mehlmeisler: Man nannte ihn wegen seiner roten Haare "Der Roterl", seine Enkelin war die 1903 geborene "Roten-Resi".) Seit damals war es Kindern streng verboten, beim Eissägen dabei zu sein“.

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