19.07.2020 - 10:37 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Einblicke in ein Gastschuljahr

Ein Jahr nannten die tschechischen Schülerinnen Vendula und Tereza Mehlmeisel ihr zu Hause. Dabei gab es neben Corona nur einen einzigen weiteren Wermutstropfen.

Für ein Jahr waren Martin Prechtl, Vendula, Tereza und Irene Prechtl (von links) eine Familie. Die beiden tschechischen Gastschülerinnen haben sich hervorragend integriert.
von Gisela KuhbandnerProfil

Tereza holt ein Glas aus dem Küchenschrank und schenkt sich Traubensaft ein. Vendula setzt sich dazu – mit Flöckchen und Frieda, zwei kleinen schnurrenden Kätzchen im Arm. Ein entspannter, ja schon fast idyllischer Abend mit den Gasteltern Irene und Martin Prechtl in der gemütlichen Küche und später im üppig blühenden Garten, geeignet zum Plaudern über dies und das und jetzt über die vergangenen Monate.

Im Rahmen eines Gastschuljahres der Euregio Egrensis besuchten die Mädchen die 10. Klasse des Luisenburg-Gymnasiums in Wunsiedel und wohnten während dieser Zeit bei ihren Gasteltern. Die Vertiefung der Sprachkenntnisse, die Kultur und Tradition jenseits der Grenzen kennenzulernen und den Alltag zu leben in der Gastfamilie sind Aufgaben und Ziele des Projekts.

Gasteltern beim Elternsprechtag

Dass es ein überaus gutes Miteinander war, ist schon nach kurzer Zeit spürbar. Bereits nach wenigen Wochen nannten die beiden Tschechinnen das Haus in der Schafgasse „daheim“. „Bereichernd, spannend, aber auch aufregend war es für uns“, sagt Irene Prechtl. „Unter anderem gingen wir zu Elternsprechtagen und mussten auch unsere Schulkenntnisse wieder aktivieren, um mitreden zu können. Nur mit dem Tschechisch lernen haperte es, schon bei der Zungen brechenden Aussprache“, geben die Gasteltern zu.

Umso weiter kamen aber Tereza und Vendula in der deutschen Sprache, wenn auch noch ein paar Vokabeln nicht ganz geläufig sind. „Wie heißt wieder das Ende der kleinen Katze?“, fragt Teresa, die sich das schwierige Wort nicht merken kann. „Katzenschwänzchen“, sagt Irene und alle vier lachen herzerfrischend.

Zu Beginn ihres Gastschuljahres stellten wir die beiden Schülerinnen vor:

Mehlmeisel

Überhaupt spielen Katzen hier eine wichtige Rolle. „Die zwei kleinen schlafen immer bei mir im Zimmer“, verrät Vendula, die aus der historischen Stadt Kladruby stammt. Sie will vielleicht noch ein Jahr bleiben, wenn es genehmigt wird. „Dann nehmen wir wieder eine weitere Gastschülerin dazu. Zu zweit ist einfach vieles leichter für sie“, ist sich Martin Prechtl sicher.

Einen – zumindest kleinen - Strich durch die Rechnung hat ihnen natürlich Corona gemacht. Die Mädchen waren von Februar/März bis Mitte/Ende Juni zuhause in Tschechien, hatten da tschechisch-deutsches Homeschooling. Viel lieber aber wären sie zur Schule gegangen. So blieb ihnen nur, Kontakt zu halten über Handys, E-Mails, Skype oder Whatsapp.

Tereza und Vendula, beide sind längst im Dorf integriert, hatten auch bald Freundinnen und Freunde gefunden, mit denen sie sich trafen. Die Gasteltern kümmerten sich sehr um die Mädchen. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagen die beiden und betonen, „dass wir auf manche Dinge einen ganz anderen Blickwinkel bekommen haben“. Sie besuchten mit den zwei jungen Frauen interessante Städte und Plätze, zeigten ihnen die Umgebung und unternahmen Wanderungen. Auch Gegenbesuche fanden schon statt.

Voll im Ort integriert

Tereza, die aus Prag kommt, war zudem bei den örtlichen Schützen integriert. „Fleißig, fröhlich und begabt“, bestätigte ihr Schützenmeister und Jugendtrainer Hans-Jürgen Hautmann. Und Pfarrgemeinderatssprecher Johannes Schinner staunte über das Orgel-Talent von Vendula, als er ihr beim Üben in der Pfarrkirche zuhörte. „Überaus begabt und ausdauernd“, sagte er. Die Mädchen besuchten Zumba-, Pilates-Kurse und viele weitere sportliche und traditionelle Veranstaltungen wie den Taubenmarkt, Aufführungen der „Mehlmeiseleler Dorfkomödie“ oder das Fichtelberger Oktoberfest, erlebten den Alltag, Land und Leute in Mehlmeisel.

Ein Wermutstropfen im Freudenbecher allerdings war der fehlende Schnee: „Wir hatten uns so auf das Skifahren gefreut“, bedauern beide. „Aber wir kommen ja wieder“, versprechen Tereza und Vendula. So fällt auch der Abschied leichter, bei dem sicher ein paar Tränen fließen werden.

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