13.08.2020 - 09:08 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Frauentag ohne Festbetrieb

Seit mehr als 300 Jahren feiern Gläubige in Unterlind am 15. August den "Hammricher Frauentag". Diesen Samstag stünde das Fest wieder auf dem Programm. Doch Corona lässt die Veranstaltung heuer etwas anders ausfallen.

Das älteste Foto vom Hammricher Frauentag, aufgenommen im Jahr 1901. Nachweislich – aber nicht im Bild zu erkennen - feierte Max Reger mit einer großen Besucherschar den Hammricher Frauentag mit.
von Gisela KuhbandnerProfil

Das 1686 im Auftrag von Johann Ernst von Altmannshausen, Bergobrist von "Gottesgab am Fichtelberg", errichtete Hammerkirchl ist eine beliebte Wallfahrtskapelle. Viele Gläubige kommen das ganze Jahr über aus der näheren und weiteren Umgebung, um ihre Sorgen und Anliegen, ihren Dank vor die Muttergottes zu tragen, Trost und Hilfe zu suchen.

Seit dem Weihetag - dem 15. August 1690 - wird alljährlich der "Hammricher Frauentag" mit dem Kirchlein als Festmittelpunkt gefeiert. "Aus weitem Umkreis sind die Gläubigen (damals) herbeigeeilt, um die feierliche Handlung mitzuerleben. Unter Anrufung der heiligen Jungfrau von Loreto vollzieht der Weihbischof Ernst Graf von Wartenberg die Weihe des Kirchleins", steht im Büchlein "Hammerkirchl", das 1986 zum 300-jährigen Bestehen der Kapelle herausgegeben wurde.

Der "Hammricher Frauentag" 2019

Mehlmeisel

Und dieses höchste und wohl auch älteste Marienfest, das seit 330 Jahren alljährlich am und rund um das Hammerkirchl gefeiert wird, muss heuer - Corona geschuldet - am Hammerkirchl ausfallen. Kirchlich - ohne Markt und Zeltbetrieb - wird der "Hammricher Frauentag" dennoch gefeiert - mit Gottesdiensten in der Pfarrkirche und einer Marienandacht.

Über 800 Besucher und mehr kommen alljährlich zum Gottesdienst am Hammerkirchl, schließen sich dem Festzug der Vereine an, bummeln später durch den Markt, feiern in der Festhalle. In früherer Zeit traf man sich laut der Festschrift zu 700 Jahre Mehlmeisel nach dem Gottesdienst zu einem Bier in den Gastwirtschaften zum Beispiel beim "Hansnickl", der, wie das Hammergut, Bänke vor das Haus gestellt hatte. Auch ein paar Händler hatten ihre Verkaufstische aufgeschlagen, woraus nach und nach die heutige "Kirwa" entstand.

Sträuße mit ausgewählten Kräutern und Blumen.

Einmal, im Jahr 1901, befand sich sogar der im benachbarten Brand geborene berühmte Komponist Max Reger nachweislich unter der großen Schar der Feiernden. Dokumentiert ist nämlich, dass er im selben Jahr mit seinem Lehrer Adalbert Lindner aus Weiden zum Fest kam, auch auf der "Reitschöl" (Karussell) ein paar Runden drehte und, viel zitiert, gesagt haben soll: "Kinder, wie ist es schön hier in Mehlmeisel."

Kinder, wie ist es schön hier in Mehlmeisel.

Komponist Max Reger

Der "Hammricher Frauentag", das Fest zu Ehren der Mutter Gottes - zum Beten, Danken, zum Schauen, Kaufen, Genießen und Leute treffen - wird alljährlich im Wechsel von den drei Unterlinder Vereinen ausgerichtet: der Feuerwehr, dem Soldaten- und Kameradschaftsverein Unterlind und dem Katholischen Burschenverein. Letzterer wäre heuer an der Reihe gewesen. Die Mitglieder bedauern die Absage aufgrund der aktuellen Situation sehr, freuen sich aber umso mehr auf das kommende Jahr, wenn sie zudem ihr 125. Jubiläum feiern.

Hintergrund:

Gottesdienste

An Mariä Himmelfahrt, Samstag, 15. August, findet um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche ein Gottesdienst statt und am 14. August um 17.30 Uhr eine Vorabendmesse. Nach uralter Tradition wird Pfarrer Ferdinand Weinberger dann auch Kräuter- und Blumenbüschel weihen. Am Festtag um 19 Uhr ist eine Marienandacht. Gegen eine kleine Spende für einen guten Zweck bietet der örtliche FGV vor den Gottesdiensten Kräuter- und Blumensträuße an.

Sträuße mit ausgewählten Kräutern und Blumen.
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