Mehlmeisel
23.02.2026 - 17:07 Uhr
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KAB Mehlmeisel beleuchtet Dorfgeschichte während Nationalsozialismus

Die KAB Mehlmeisel nimmt immer wieder kontroverse Themen in den Blick. Der nächste Termin steht im Zeichen der dunklen Geschichte: "Mehlmeisel in der Zeit des Nationalsozialismus" ist das Thema eines Vortrags von Heimatforscher Josef Wiche.

Heimatforscher Josef Wiche (links) und KAB-Vorsitzender Wolfgang Glaser bereiten das Thema gemeinsam vor. Bild: gis
Heimatforscher Josef Wiche (links) und KAB-Vorsitzender Wolfgang Glaser bereiten das Thema gemeinsam vor.

Die KAB Mehlmeisel mit ihrem Vorsitzenden Wolfgang Glaser scheut sich nicht, in Politik und Gesellschaft mitzumischen, sich einzubringen und Themen anzusprechen, die den Menschen unter den Nägeln brennen. Das zeigt sich einmal mehr am Donnerstag, 26. Februar, um 19 Uhr bei „einem sehr wichtigen, ernsten und durchaus schwierigen Thema “, so der Veranstalter, wozu alle Interessierten eingeladen sind. Über „Mehlmeisel in der Zeit des Nationalsozialismus“ referiert der versierte Heimatforscher und Chronist Josef Wiche im Pfarrheim. Der Verein hatte ihn in der Vergangenheit schon mehrmals eingeladen, um viel Heimatgeschichtliches von der Vergangenheit bis zur Gegenwart zu erfahren.

Gegenüber Oberpfalz-Medien geben Josef Wiche und Wolfgang Glaser einen Einblick in die wesentlichen Punkte des Themas. „Schon immer gab es bei Zeitzeugen die Scheu, über die schlimmen zwölf Jahre vor 1945 zu sprechen. Manche Mitbürger blieben zurückhaltend, weil ihre Vorfahren den Nationalsozialismus im Dorf aktiv unterstützt haben“, berichtet Josef Wiche. „ Andere waren verbittert, weil ihre Familie zu denjenigen gehörte, die ausgegrenzt wurden und leidvolle Erfahrungen machen mussten.“ So sei es besser gewesen, das Unrecht zu vergessen und ruhen zu lassen, und man habe einen Schlussstrich gezogen, der sich etwa 70 Jahre bewährt habe.

"Eskalierender Terror"

„Als überzeugter Demokrat“ möchte Josef Wiche beim Vortrag vergegenwärtigen, was im Dorf passierte, als rechtsextreme Ideologie Einzug hielt: „Denn unmittelbar nach der Machtergreifung zeigte sich die faschistische Willkürherrschaft. Wer nicht Parteimitglied war, wurde aus politischen Posten entfernt, im Gemeinderat waren bis Mitte 1933 nur noch NSDAP-Mitglieder vertreten, der frei gewählte Bürgermeister wurde abgesetzt. Zu allem Übel kooperierte die Gendarmeriestation mit der örtlichen Sturmabteilung", zählt Josef Wiche auf. So sei ab 1933 jeder Aufmüpfige mit der gefürchteten „Schutzhaft“ bedroht worden, die ohne Richter und ohne Prozess jeden im Dorf habe treffen können, der sich unvorsichtig äußerte. "Was folgte, war jährlich eskalierender Terror.“

„Die KAB möchte mit dem Aufgreifen des heiklen Themas nicht den guten Ruf des heutigen Mehlmeisel schmälern“, betont Wolfgang Glaser. „Unser Dorf war damals nicht schlechter als andere Gemeinden, aber leider auch nicht besser.“ Noch weniger möchte man die damaligen Parteiführer namentlich verunglimpfen. „Wir werden beim Vortrag ganz bewusst nicht auf dörfliche Funktionäre und Täter mit dem Finger zeigen, das steht uns nicht zu. Unser Fokus bleibt bei den Opfern. Sie haben es verdient, dass man sie nicht vergisst.“

Weiter als Sterbekassenverein

Dabei war die KAB, damals noch „Katholischer Männer- und Arbeiterverein Mehlmeisel“, selbst ein Opfer: Sie wurde von der NSDAP stillgelegt. Als letzte öffentliche Tätigkeit konnte der Ortsverband am 15. Juni 1933 noch die traditionelle Fronleichnamsprozession organisieren. Mutige Männer retteten damals die heute noch vorhandene Fahne des Vereins, indem sie sie vor den Nazis versteckten. Trotz ruhender Vereinstätigkeit konnte die KAB als Sterbekassenverein weitergeführt werden. Grund genug für den Vorsitzenden, an diese unsägliche Zeit zu erinnern.

„Ich nehme die KAB Mehlmeisel seit langer Zeit als sehr couragiert wahr, wenn es darum geht, zeitgenössische soziale Fragen zu beleuchten“, sagt Josef Wiche. Er ist Wolfgang Glaser dankbar, dass dieser den Mut habe, das heikle Thema des Rechtsradikalismus in Mehlmeisel aufzugreifen. „Die KAB will die Erinnerung an die Geschichte wachhalten, um mit wachem Auge die heutige Zeit zu betrachten“, erläutert der Vorsitzende und betont: „Das ist nicht zuletzt bei der verbalen Hetze und den Herabwürdigungen, die in unserer Zeit immer hoffähiger werden, eine Aufgabe, die der KAB als Bewegung für soziale Gerechtigkeit gut zu Gesicht steht.“

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