13.07.2018 - 12:12 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Wenn der Knoten platzt

Lara Pscherer aus Mehlmeisel Beste in der Hauptschule - Handicap überwunden

Jetzt genießt sie die letzten entspannten Schultage und dann: „Endlich Ferien!“
von Gisela KuhbandnerProfil

(gis)

Mit der Traumnote von 1,3 hat Lara Pscherer den besten qualifizierenden Hauptschulabschluss an der Mittelschule in Kemnath gemacht. „Gute Noten hatte ich schon während meiner gesamten Schulzeit, war aber dann doch überrascht, die Beste von etwa 50 Mitschülerinnen und Mitschülern zu sein“ erzählt die 15jährige Mehlmeiselerin. Fast wäre es sogar noch eine 1,2 oder gar eine 1,1 geworden, „denn ich Deutsch stand ich auf der Note 1,54, was aber dann letztendlich doch nicht zum Einser gereicht hat.“

„Wir sind eine Gruppe von acht ehrgeizigen Freundinnen, die miteinander lernen und sich gegenseitig helfen, wenn Not an Frau ist“ freut sich Lara über diesen wohl nicht alltäglichen Zusammenhalt und plaudert auch ein wenig aus ihrem persönlichen „Nähkästchen“. Ich hör´gerne Musik, lese viel, meist englische Bücher, sehe mir englische Filme an“, was sich natürlich auch in ihrer Englisch-Note, einem glatten Einser, bemerkbar machte. Außerdem mag sie Mathe und Kunst.

Die sympathische Schülerin hat bereits große Pläne und weiß, was sie will: „Im nächsten Jahr die Schule mit der Mittleren Reife abschließen, dann an die FOS in Marktredwitz gehen und nach dem Abschluss „etwas Kreatives machen“. „Medien-Designerin“ wäre mein Traumberuf“ verrät Lara, die noch zwei Schwestern hat, unserer Zeitung.

Als Lara etwa vier Jahre alt war, fiel ihrer Mutter auf, dass sie zu wenig und Wörter undeutlich (aus-)sprach. „Eine verzögerte Sprachentwicklung“ diagnostizierte auch der konsultierte Kinderarzt.

Daraufhin besuchte Monika Pscherer mit ihrer Tochter bis zur Einschulung zweimal wöchentlich eine Logopädin, was bereits hilfreich war. Den fachlichen Rat, dass Lara statt der Grundschule in Mehlmeisel die Markgrafenschule (Sprachheilschule) in Bayreuth besuchen soll, die übrigens denselben Lehrplan hat, wie die Regelschule, nahm Monika Pscherer sofort an. „Natürlich hatte ich kurz Bedenken“, gibt sie zu, wenn man beispielsweise einen Förderantrag ausfüllen muss und von einem „von Behinderung bedrohtem Kind“ die Rede ist“, obwohl eine verzögerte Sprachentwicklung gar nichts mit Intelligenz zu tun hat.

Die Sprachheilschule, lobt Laras Mutter in den höchsten Tönen und erzählt, wie gut die Kinder dort aufgehoben sind, in der Schule am Vormittag und – wenn man will - in der Tagesstätte am Nachmittag. „Die Klassen sind klein. „Die Pädagogen gehen auf jedes einzelne Kind ein, fördern es ganz individuell.“ Und Lara schwärmt natürlich auch vom Schwimmen gehen am Nachmittag, vom Eis-Essen und Herumtollen mit Freunden, die sie dort bald gefunden hatte.

Sie wurde täglich von zuhause abgeholt und am Abend wieder heimgebracht.

„Die Schule war ein totaler Glücksfall für meine Tochter“ sagt Monika Pscherer und empfiehlt Eltern, unbedingt diese Chance zu nutzen, wenn bei ihrem Kind ähnliche Probleme, wie bei Lara auftreten, auch „wenn man dabei über den eigenen Schatten springen muss, weiß sie aus Erfahrung: „Es lohnt sich“! Lara ist wohl das beste Beispiel dafür. Nach dem Abschluss der Sprachheilschule besuchte das Mädchen die 5. und 6. Ganztagsklasse an der Mittelschule in Kemnath und sprang in der siebten Klasse auf den M-Zweig auf.

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