19.02.2019 - 12:25 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Mehlmeiseler Meilenstein

"Vom Winterschlaf zum Wintersport. Vom Kuhdorf zum Skizentrum", kommentierten die Zeitungen der Region vor 50 Jahren die Einweihung des Klausenlifts. Motor des Großprojekts war der damalige Bürgermeister Richard Fischer.

von Gisela KuhbandnerProfil

In nur viermonatiger Bauzeit, was jeden normalen Rahmen sprengte, war das Projekt fertiggestellt. Mit einer Riesenraupe von 500 PS und 100 Zentnern Eigengewicht wurde das Waldgelände vollkommen einplaniert. Am 22. November 1968 war bereits Richtfest "der Bergstation", dem späteren Bayreuther Haus (Hintergrund).

Der Betrieb wurde am 28. Dezember eröffnet und die Anlage am 19. Januar 1969 von Pfarrer Wolfgang Traßl gesegnet (aus der Sammlung von Hobby-Heimatforscher Josef Wiche). Der erste Lift ist immer noch in Betrieb. "Es gibt sogar noch Ersatzteile", weiß Altbürgermeister Günter Pöllmann, während dessen Amtszeit Teile der Elektronik erneuert wurden. Doch längst ist aus dem Grundstock ein attraktives Wintersportzentrum geworden mit zusätzlichem Doppellift, gepflegter Piste und moderner Beschneiungsanlage, ein touristisches Highlight der Gemeinde und ein Eldorado für alle Skifahrer und Snowboarder. "Und die Investitionen gehen weiter", wie Bürgermeister Franz Tauber betont. Die ersten, die der Lift damals testweise nach oben zog, waren der heutige Gemeinderat und CSU-Vorsitzender Günther Daubner sowie der heutige Gemeindemitarbeiter Peter Lautenbacher. "Das ist gar nicht so einfach gewesen", erinnert sich Daubner. In der Nacht hatte es frisch geschneit und es gab überhaupt keine Spur.

Hoffnung auf Geld

"Aber es war für uns Buben dennoch ein sehr schönes Gefühl, den Hang ab jetzt nicht mehr hochstapfen zu müssen. Denn Ski gefahren sind wir hier bereits in den Jahren zuvor, als man von einem Lift noch träumte. Auch beim Vorbereiten des Geländes halfen wir mit", erzählt der Gemeinderat. "Wir Schulkinder haben am Hang Steine geklaubt." Zudem packte jeder Gemeinderat damals pflichtbewusst mit an: "Mit Bügel anlegen oder Karten zwicken", weiß Günter Pöllmann noch. Er selbst hat nämlich damals seinen Vater Hermann vertreten, der beruflich sehr eingespannt war.

Beim Bau und später während des Betriebs waren vor allem Alfred Lehnert, Werner Daubner und Günter Fröhlich Mitarbeiter der ersten Stunde und fast rund um die Uhr im Einsatz. "Zuerst mussten die Skifahrer ihre Spuren selber ziehen. Erst Anfang der 1970er Jahre kaufte die Gemeinde eine kleine Pistenraupe", erzählt Fröhlich.

Die Hoffnung, viel Geld zu machen, war groß, der Optimismus berechtigt. So war man überzeugt, mit dieser Investition Anschluss an den Fremdenverkehrs-Strom zu finden, denn "schöne Landschaft, gute Luft und ein prall gefüllte Teller tun's nicht mehr, um Mehlmeisels Attraktivität zu steigern", schrieb Richard Fischer damals im gemeindlichen "Heimaterzähler".

Angetrieben durch die Initiative des ehemaligen Kemnather Landrats Valentin Kuhbandner und seine Förderungszusicherung, ging der Gemeinderat trotz Bedenken an diese große Aufgabe heran und wagte mit einem Kostenaufwand von 680 000 Mark einen finanziellen Kraftakt - nicht einfach, weil es 1968 so gut wie keine Zuschüsse gab und nur etwa 50 Prozent der Kosten als zinsverbilligte Darlehen zur Verfügung standen. "Lediglich die Tatsache, dass die Gemeinde fast alle Arbeiten in eigener Regie und nach eigenen Planungen ausführte, war die Voraussetzung für ein erfolgreiches Gelingen", schreibt Fischer zehn Jahre später.

"Blechlawinen quälten sich in diesem Bilderbuchwinter die Liftstraße hinauf", berichtet Konrektor a. D. Richard Schreiber in der Chronik "Geschichtliches aus dem Gemeindeleben". Und an Ostern war noch voller Skibetrieb. Noch 1969 wurde die Piste verbreitert und mit dem Bau des Skilifts II begonnen. Doch der Euphorie folgt bald die Ernüchterung: mit einem schneelosen Winter 1971/72, in dem sich bei wochenlangem sonnigen Frostwetter die Vögel auf den Liftbügeln tummelten. Nach einigen guten Jahren bereitete der Winter 1974/75, in dem der Schnee nur zur Zeit der Sonntagsfahrverbote fiel, erneut Kopfzerbrechen.

Internationale Rennen

Da erfuhr die Gemeinde von einem Experiment des "Schneezauberers" Gausportwart Hans Fröhler aus Weiden in Mitterhöll und ließ sich von ihm das Schneien vorführen. Nachdem man sich von dem einwandfreien Funktionieren überzeugt hatte, wurde 1977 eine künstliche Beschneiungsanlage angeschafft, um Risiken bei den Wintereinnahmen zu vermeiden - so wie es auch heute noch dank moderner Schneekanonen der Fall ist. Die Anlage war auch Voraussetzung für die damaligen FIS-Rennen - das erste vor 40 Jahren - und internationalen Slalomrennen mit Skisportlern der Weltrangliste und anderen prominenten Gästen.

"Dem Licht folgte der Schatten: Die Zuschauerkulissen waren eher bescheiden. Die Veranstaltungen belasteten den laufenden Skibetrieb. Und bei späteren Rennen musste die Gemeinde für diverse Kosten aufkommen, was nicht beizubehalten war", wie die Chronik berichtet. Fischer bilanzierte für die ersten Jahre Einnahmen in Millionen-Höhe. Bürgern, die die hohen Investitionen kritisiert hatten, hielt er entgegen, dass allein in dieser Zeit etwa 350 000 Mark an Aushilfslöhnen an die Gemeindebürger ausbezahlt wurden.

Info:

"Bayreuther Haus"

Die Bergstation tauft Bürgermeister Fischer auf den Namen „Bayreuther Haus“. „Gerade während der Einweihung schleppte der Schilift den 200 000sten Skifahrer nach oben.“ Den Namen „Bayreuther Haus“ prägte Bürgermeister Fischer, denn die Bergstation liegt auf dem Gebiet des Landkreises Bayreuth. Bei der Einweihung fand er eine weitere Gedankenbrücke: Bayreuth sei durch Richard Wagner eine Stadt der Musik. Mehlmeisel sei ein Dorf der Musikanten, denn es habe Franzl Pscherer und einen tüchtigen Gesangverein. Die Taufe der Bergstation mit einer Flasche Sekt vollzog Gerda Wild, Gattin des Bayreuther Oberbürgermeisters Hans Walter Wild. Bis zum Abschluss der Wintersaison bewältigt der Lift etwa 500 000 Schleppfahrten. In der Wintersaison 1968/69 läuft der Lift an 65 Fahrtagen. (Aus der Sammlung von J. Wiche.)

Info:

Lieber Gott, ...

1987 ersetzte die Gemeinde den alten Schlepplift auf der rechten Seite durch einen Doppellift. Schnee-Armut veranlasste den damaligen Bürgermeister Hans Lehnert, dem Herrgott eine Nachricht zu schicken: „Gemeinde errichtete Doppel-Lift und benötigt dringend Schnee – stop – erwarten Zusendung in Kürze – stop – werden uns durch Nächstenliebe erkenntlich zeigen – stop.“ (Aus dem Heimaterzähler vom Januar 1989).

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