Mehlmeisel
15.12.2024 - 10:14 Uhr
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Soldaten und Reservisten erinnern an Flugzeugabsturz in Mehlmeisel vor 80 Jahren

Am Morgen des 25. November 1944 kreist über Mehlmeisel ein Militärflugzeug. Es ist auf der Suche nach dem Flugplatz in Unterlind. Die schlechten Wetterverhältnisse aber erschweren die Sicht. Das Unglück nimmt seinen Lauf.

Bayreuther Haus, knapp einen Kilometer hinter dem Wildpark: Leichter Raureif liegt auf den Bäumen, die Sonne spitzt durch die Kronen – Idylle pur. Das ist die eine Seite. Die andere: Erinnerungen an das Grauen des Zweiten Weltkriegs, das erschauern lässt. Vor 80 Jahren, am 25. November, ist in diesem Waldstück ein Militärflugzeug abgestürzt. Der Pilot kam ums Leben. Zwei weitere Besatzungsmitglieder retteten sich durch Fallschirmabsprung, ein Soldat im Ortsteil Richardsfeld, der andere in der Nähe des Klausenhauses.

Heimatforscher Bernhard Prechtl und Josef Schinner (beide verstorben) erzählten immer wieder von dem Unglück. Schinner hat damals mitgeholfen, das Flugzeug zu bergen und es später mit seinem Vater mit dem Ochsengespann zum Waldrand geschleppt, wo es auf ein Militärfahrzeug verladen wurde. Das Flugzeug sei in den Morgenstunden lange über Mehlmeisel gekreist und habe nicht mehr den Weg aus dem Talkessel gefunden. Der Flugzeugführer habe seine Maschine damals über das bewohnte Waldhaus hinweggesteuert und sei dort in den Hochwald gestürzt. Der Verunglückte, Hauptmann Friedrich Mang, wurde einige Tage im Feuerwehrhaus in Mehlmeisel aufgebahrt. Die Feuerwehr stellte eine Ehrenwache. Das Flugzeug war einige Tage vom Volkssturm bewacht worden.

Absturz wegen Vereisung

Oberstabsfeldwebel a. D. Arthur Kilgert ließ das Unglück keine Ruhe. Er recherchierte am Boden, in Archiven und im Internet: Das Flugzeug hatte seinerzeit unter extrem schlechten Wetterbedingungen – es war Hochwasser, die Naab war über die Ufer getreten – den auf der Militärkarte eingezeichneten Flugplatz am Hammerfeld (Unterlind) gesucht. Der Flugplatz sei zwar geplant und deshalb schon auf Karten eingezeichnet gewesen, wurde aber letztendlich nicht mehr gebaut. Nach Kilgerts Erkenntnissen stürzte das Flugzeug aber nicht wie ursprünglich angenommen ab, weil ihm das Benzin ausging, sondern wegen Vereisung – so auch die offizielle Eintragung in den Akten. Dem Wissen eines aufmerksamen Lesers der damaligen Zeitungsberichte ist es zu verdanken, dass auch der Flugzeugtyp feststand: Es war eine Junkers JU 88, ein zweimotoriges Flugzeug, das vor allem als Bomber, aber auch als Aufklärer sowie als Nachtjäger gegen englische Bomberflotten über Deutschland eingesetzt war.

Schon vor 20 Jahren hatte Arthur Kilgert mit Hermann Lehnert von der Reservistenkameradschaft Unterlind mit einem Metalldetektor und viel Geduld auf dem Waldstück nach Flugzeugtrümmern gesucht und wurde fündig. Unter anderem waren auch das Gurtschloss des Piloten und alle Propellerspitzen gefunden worden, womit der Absturzort genau definiert werden konnte. Zur gleichen Zeit hatte Kilgert erfolgreich nach den Namen und Verwandten des Verunglückten geforscht.

Ehefrau schwanger

Der Tragik kam eine weitere hinzu: Die Ehefrau von Friedrich Mang war hochschwanger und ist einige Monate nach dem Absturz gestorben. Zwei Enkel und einen Neffen machte Kilgert ausfindig, die er – so war sein Wunsch – in Mehlmeisel erstmals zusammenführte zur Enthüllung des Mahnmals im November 2005, die mit einer berührenden, schlichten Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Waldhaus verbunden war. Viele Wanderer besuchen den Gedenkstein heute noch, der auf einem 700 Meter langen, markierten Weg vom Waldhaus/Wildpark aus zu erreichen ist.

Die Gemeinde sowie die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Mehlmeisel haben dieses Mahnmal aufgestellt und es sich, wie Initiator Arthur Kilgert betont, zur Aufgabe gemacht, es zu pflegen. Vor wenigen Wochen haben der gemeindliche Bauhof, die Feuerwehren Mehlmeisel und Unterlind sowie die Kameradschaft den denkwürdigen Ort wieder hergerichtet. Die Umfriedung besteht aus Original-155-Millimeter-Granaten des ehemaligen Panzerartilleriebataillons 125 aus Bayreuth.

Feier zum Jahrestag

Für Arthur Kilgert ist es ein Anliegen, den in Mehlmeisel zu Tode gekommenen und den in der Ortschaft beheimatet gewesenen Soldaten in der Kriegergedächtniskapelle ein Gedenken zu bewahren. Deshalb haben auf seine Initiative hin Mitglieder des Soldaten- und Kameradschaftsvereins Unterlind mit ihrem Vorsitzenden Uwe Sticht und der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Mehlmeisel, geleitet von Gerald Bauer, mit Dirk Mewes, Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Unter- und Mittelfranken, am 25. November – dem Unglückstag vor 80 Jahren – in einer kleinen berührenden Feier in der Kapelle eine Tafel mit Informationen über den verunglückten Piloten Hauptmann Friedrich Mang aufgestellt. Es wird nicht die letzte Gedenktafel bleiben, sagt Arthur Kilgert, um vor dem Vergessen zu bewahren und Erinnerungen wachzuhalten.

Die Inschrift der Gedenktafel lautet: „Zum Gedenken an den Flugzeugführer Hptm. Fritz Mang, II. Gruppe Nachtjagdgeschwader 101. Nur wer vergessen ist, ist wirklich tot! Möge sein und ihr Tod Mahnung für uns alle sein. Am 25.11.1944 stürzte in den Morgenstunden in der Nähe des ‚Waldhauses‘ ein Flugzeug ab. Die offizielle Eintragung in der GQM-Verlustliste, in der nur die tatsächlichen Verluste aufgeführt sind, lautet: Absturz einer JU 88 G-1, Werknummer: 714 909, Flugzeugführer Fritz Mang, gefallen; 1. Staffel Nachtjagdgeschwader 101. Grund: Vereisung. Ort: Mehlmeisel/Bayreuth. Bruch 100%. Die beiden anderen Soldaten, die mit an Bord waren (Bordfunker und Bordmechaniker), konnten sich mit dem Fallschirm retten.“ Weiter ist in Anlehnung an ein Zitat aus Schillers Gedicht „Der Spaziergang“ an der Gedenktafel zu lesen: „Wanderer wenn Du nach Hause kommst, sag du hast uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl!“

Info:

Flugzeug Junkers JU 88

  • zweimotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke (JFM)
  • Produktion von 1939 bis 1945 in großer Stückzahl
  • eines der Standard-Kampfflugzeuge der Luftwaffe des Deutschen Reiches
  • ursprünglich schneller Horizontal- und Sturzkampfbomber
  • durch Modifikationen Einsatz auch als Fernbomber, Torpedobomber, Minenleger, See- oder Fernaufklärer, zur Wetterbeobachtung, als Zerstörer, Nachtjäger, Panzerjäger oder als Tiefangriffsflugzeug
  • eines der größten Rüstungsprogramme des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg mit 14.882 gebauten Maschinen

Quelle: Wikipedia

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