29.06.2018 - 15:54 Uhr

Mehr Studienplätze für Lehrer

Angesichts steigender Geburtenzahlen will die Staatsregierung mehr Grundschullehrer ausbilden. Für das Lehramt an Grundschulen solle es 700 weitere Studienplätze geben.

Die Grundschulen bekommen mehr Lehrer. Petra Hartl
Die Grundschulen bekommen mehr Lehrer.

(jum) Kultusminister Bernd Sibler will die Lehrerknappheit an Bayerns Grundschulen langfristig mit der Schaffung zusätzlicher Studienplätze für Lehramtsanwärter bekämpfen. Im Bildungsausschuss des Landtags kündigte er für die bayerischen Universitäten 65 neue Stellen an, mit denen insgesamt 700 Studienplätze errichtet werden sollen. "Wir wollen mit langfristiger Politik sicherstellen, dass ausreichend neue Lehrkräfte nachkommen", erklärte Sibler. Zudem soll der an einigen Hochschulen gültige Numerus Clausus für das Lehramtsstudium abgesenkt oder gar abgeschafft werden.

Für pädagogische Verbesserungen und eine ausreichende Unterrichtsversorgung an allen Schularten werden laut Sibler bereits mit Beginn des nächsten Schuljahres 500 neue Planstellen geschaffen. 100 davon betreffen so genannte "multiprofessionelle Teams" aus pädagogischen und psychologischen Berufen, die die Lehrkräfte bei ihrer Arbeit unterstützen und bei der Bewältigung vor allem sozialer Probleme entlasten sollen. Sibler betonte, für ihn stünden die Pädagogik und das Abstellen auf die persönlichen Bedürfnisse von Lehrern und Schülern im Mittelpunkt der Politik. Wissensvermittlung sowie die Bildung von Herz und Charakter seien gleichwertige Ziele.

Vor diesem Hintergrund erklärte der Minister, dass bei der weiteren Digitalisierung des Schulalltags die Technik nur eine dienende Rolle haben dürfe und sich der Pädagogik unterordnen müsse. "Ich will gar nicht, dass jede Stunde mit Laptop und Computer gearbeitet wird", sagte er. Digitale Medien sollten den Unterricht ergänzen, die Lehrkraft müsse "weiterhin Chef im Ring" sein. Bei der zum kommenden Schuljahr beginnenden Umstellung auf das neunjährige Gymnasium (G9)sei man im Zeitplan, berichtete Sibler. Die Stundentafel für die Klassen 5 bis 11 stünden. Für die Reform der Oberstufe, die ab 2025 greifen werde, habe er kürzlich das Dialogverfahren gestartet.

Die Opposition begrüßte zahlreiche Ankündigungen Siblers. "Bei vielen Punkten kann ich sagen: Endlich kommt es", erklärte der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll. Beim G9 vermisste er jedoch die Einführung moderner pädagogischer Ansätze. "Da haben wir Stillstand und fahren im alten Trott weiter", bemängelte Güll. Thomas Gehring (Grüne) bezweifelte, dass die neuen Deutschlernklassen der passende Weg zur Integration von Migrantenkindern sei. Er habe Sorge, dass damit erfolgreiche integrative Modelle auf der Strecke blieben, in denen junge Migranten im Klassenverband durch zusätzlichen Deutschunterricht gefördert würden. Nach Ansicht von Michael Piazolo (Freie Wähler) sollte die Zukunft der gymnasialen Oberstufe vor der Landtagswahl in ihren Grundzügen geklärt sein. Er sprach sich für die Ausweitung der Fächerwahlmöglichkeiten und die Einführung mindestens eines Leistungskurses aus.


 
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