Zum zehnten Mal mit dem Bulldog zur Schwarzen Madonna

Statt Weihrauch hängt Diesel-Geruch über den Wallfahrern. Jeden August tuckern Oldtimer-Bulldogs von Mitteraschau aus nach Altötting, ins "katholische Herz Bayerns". Ein spontaner Einfall am Wirtshaustisch gibt im Jahr 2010 die Starthilfe.

Zum zehnten Mal haben "Bulldog-Wallfahrer" aus Neunburg und dem Umland den Kapellenvorplatz in Altötting erreicht. Zum Jubiläum der motorisierten Pilgerfahrt hatten sich 36 Oldtimer-Traktoren auf den Weg gemacht.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Das Gespräch in der Gaststube hatte sich damals um die Regensburger Fußwallfahrt gedreht, bei der jedes Jahr um Pfingsten Tausende mitmarschieren. Am Ende stand die Idee, die seither die Triebfeder für die jährliche Ausfahrt ist: Anstatt sich zu Fuß auf den Weg zu machen, werden die knapp 160 Kilometer vor das Gnadenbild per Traktor bewältigt. Beim ersten Mal im Jahr 2010 waren es fünf Teilnehmer, die sich mit ihren nostalgischen Landmaschinen auf den Weg in den Marienwallfahrtsort gemacht hatten.

Seither hat die motorisierte Pilgerreise zur Schwarzen Madonna Jahr für Jahr mehr Zuwachs bekommen: 2014 war bereits eine 20-köpfige Gruppe gestartet, und als heuer Anfang August zum zehnten Mal in Richtung Altötting losgefahren wurde, hatte sich ein stolzer Konvoi von 36 Oldtimer-Bulldogs versammelt. Für die Organisation der Tour war erneut Johann Fischer verantwortlich. Die über 40 Fahrer und Beifahrer kamen aus einem weiten Umkreis: Aus Neunburg, Bruck, Bodenwöhr, Winklarn, Haag, Muschenried, Tiefenbach, Seebarn, Kulz und Pittersberg waren Teilnehmer nach Mitteraschau gekommen. Der älteste Bulldog-Pilger war 75 Jahre alt, der Junior im Konvoi war ein 15-Jähriger aus Winklarn.

Am frühen Morgen um 2.30 Uhr zuckelte die Gruppe mit ihren Fahrzeugen los. Bei einer Durchschnittsgeschwindkeit von 18 km/h galt es eine Strecke von 155 Kilometern zurückzulegen. Der Pilgerweg führte über Neunburg, Neukirchen-Balbini, Roding und Straubing, weiter nach Frontenhausen, Dingolfing und Gangkofen. In weiten Teilen verlief die Route auf der Strecke der jährlichen Fußwallfahrt aus Regensburg. Ab Mitterskirchen schlossen sich noch drei weitere Fahrer dem Bulldog-Korso an.

Nach 13-stündiger Fahrt schließlich erreichte die Schlepper-Abordnung aus der Oberpfalz um 15.30 Uhr den Kapellenvorplatz im oberbayerischen Marienwallfahrtsort Altötting. Hier spendete Kapuzinerpater Andreas Kaiser den Fahrern, Beifahrern und Bulldogs den Pilgersegen. Traktoren seien Maschinen zur Entschleunigung, stellte der Geistliche in seinen Worten fest. Als Taktgeber in der Landwirtschaft sorgten sie für eine langsamere Gangart. Gerade in der aktuellen schnellebigen Zeit sei "Mut zur Langsamkeit" gefragt, so der Ordensmann. Im Anschluss wurden Organisator und "Gründervater" Johann Fischer und Paul Ippisch mit einer Urkunde für die zehnte Teilnahme an der Oldtimerbulldog-Wallfahrt geehrt.

Nach der Übernachtung wurden am nächsten Morgen um 7.30 Uhr die Motoren für die Rückreise gestartet. Um 22 Uhr waren die Bulldog-Wallfahrer schließlich wieder daheim in der Oberpfalz. Der Dank der Gruppe galt Anton Steininger, der eine Spende für die Verpflegung der Teilnehmer zur Verfügung gestellt hatte.

Die motorisierten Pilger – soviel steht schon fest – werden sich auch im nächsten Jahr wieder auf den Weg machen: In der ersten oder zweiten Augustwoche, der genaue Termin muss erst noch abgesprochen werden, wollen sie mit ihren nostalgischen Fahrzeugen erneut in Richtung Altötting aufbrechen – dann zum elften Mal.

Seit Anfang an dabei: Für ihre zehnte Anreise mit dem Bulldog nach Altötting sind Paul Ippisch (links) und Organisator Johann Fischer (rechts) mit einer Urkunde geehrt worden. Pater Andreas Kaiser hatte die Wallfahrer aus der Oberpfalz begrüßt.
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