Auerbachtal über 3000 Jahre belebt

Kleine Orte stecken auch voller Geschichte und Geschichten. Zu dieser Erkenntnis kommt die Dorfgemeinschaft von Mitterauerbach bei den Arbeiten im Aiherlhof. Sie richtet in der sanierten Dreiseitanlage einen Museumsraum ein.

Maritta Lorenz, Laurenz Lorenz und Heinrich Schwarz (von links) betrachten und erklären die archäologischen Fundstücke. Vorne links eine Ofenkachel vom Aiherlhof aus dem 15. Jahrhundert.
von Irma Held Kontakt Profil

Schon lange vor den Bewohnern des denkmalgeschützten Aiherlhofes, der aus dem 18. Jahrhundert datiert, leben sowohl auf dem Grundstück als auch in Mitterauerbach Menschen. Das bezeugen Fundstücke, die in einer Vitrine im Obergeschoss des neuen Dorfgemeinschaftshauses gezeigt werden. Die Ausstellung als Außenstelle des Schwarzachtaler Heimatmuseums zu bezeichnen, dazu mag sich Laurenz Lorenz, der Fleißigste unter den Arbeitern auf dem Aiherlhof, nicht versteigen.

Er stapelt tiefer, wenn gleich die Mitterauerbacher - in Museumsfragen unerfahren - von der Neunburger Einrichtung in Person von Theo Männer unterstützt worden sind. Auf diesem Weg kehrt die Fahne die Fahne der Auerbachtaler Landsmannschaft samt Fahnenschrank wieder heim an den Auerbach. "Wir dürfen sie jetzt ausstellen." Für Heinrich Schwarz, Ortsheimatpfleger von Altfalter und archäologisch interessiert, liegen die wahren Schätze allerdings unter Glas auf blauem Grund.

Sie sind tönerne und steinerne Beweise dessen, dass das Tel schon lange vor Christi Geburt belebt war. Von 1100 bis 1000 vor Christus datieren Schwarz' Lesefunde, darunter ein Klopfstein zum Mahlen oder Öffnen von Nüssen etwa. Auch ein Schleifstein oder Steinbeil, da gehen laut Schwarz die Deutungen auseinander, bezeugt die Besiedelung in der Steinzeit. Gefunden hat das unfertige Stück Monika Schieder aus dem Nachbaranwesen des Aiherlhofes auf einem Acker. Schwarz weiß darüberhinaus von zwei uralten Wüstungen im Auerbachtal.

Jungspunde im Vergleich zu den Scherben von Heinrich Schwarz sind die Reste eines Tongefäßes die Maritta Lorenz 2013 gesichert hat. Es war damals sozusagen eine konzertierte Aktion. Schwager Laurenz erledigt mit dem Bagger Grabungarbeiten auf dem Hof und Maritta Lorenz sichtet das Aushubmaterial nach historischen Stücken. Gesammelt wird erst einmal alles in Eimer, bevor Fachleute einen Blick darauf werden.

Im humosen Boden kommt eine Ofenkachel von respektabler Größe ans Tageslicht, die im 15. Jahrhundert hergestellt wurde. "Wir haben nicht gedacht, dass der Hof so alt ist", sagen Maritta und Laurenz Lorenz. Die Zeitspanne von 1100 vor bis 1500 nach Christus ist gefüllt mit weiteren, ausgewählten Funden, darunter ein Amberger Pfennig. Dieser wird allerdings bei der Kirchensanierung 1968 entdeckt. Schwarz weist auf den Löwen auf der einen und das Signet der Amberger Münzstätte auf der anderen Seite hin. Weitere Funde liegen noch in Kisten in der Dachkammer neben dem Museumsraum.

Eine alte Schulbank samt Ranzen ist zwar nicht mehr zeitgemäß, verkörpert aber für viele Senioren noch ein Stück Kindheit. Die Mitterauerbacher wollen daran erinnern, dass im Auerbachtal unterrichtet wurde. Das Schulhaus in Unterauerbach wurde 1976 abgerissen. In Mitterauerbach wird in noch früherer Zeit im Mesnerhaus Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht. Matthias Lorenz hat eine Foto-Stellwand gestaltet, mit alten Aufnahmen von den Anwesen, Festen und Treffen der Landsmannschaft. Ein paar Gegenstände neben Schulbank und Bauernschrank samt historischer Feuerwehruniformen könnte das kleine Museum noch fassen, findet Laurenz Lorenz. . Zu besichtigen ist es an diesem Wochenende, wenn dem sanierten Aiherlhof zu Ehren kirchlich und weltlich gefeiert wird. Danach können Gruppen auf Anfrage in der Geschichte stöbern.

Nach vielen Jahren schweißtreibender Arbeit wird dieses Wochenende auf dem Aiherlhof gefeiert.
Festwochenende:

Segnung und viel Musik

Das Festprogramm für die Eröffnung des Aiherlhofes sieht so aus: Heute, Samstag, ab 19 Uhr Festabend mit Bieranstich und der Band „Bayerwald-Rebellen“. Sonntag, 16. Juni, 9 Uhr Gottesdienst in der Mitterauerbacher Filialkirche mit anschließender kirchlicher Segnung des Dreiseithofes mit Feuerwehrgerätehaus; Festakt; Mittagstisch. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Blaskapelle Auerbachtal. 14 Uhr „Tag der offenen Tür“ mit Kaffee und Kuchen. Die Stadtkapelle Neunburg spielt zur Unterhaltung. Ab 19 Uhr Festbetrieb mit der Band „Barbari Bavarii“; um 22 Uhr beginnt der Festausklang mit DJ Fenkerl.

Die Fahne der Auerbachtaler Landsmannschaft war bisher im Schwarzachtaler Heimatmuseum in Neunburg vorm Wald verwahrt. Jetzt ist sie in Mitterauerbach ausgestellt.
Landsmannschaft :

Historisches gesucht

Die Dorfgemeinschaft Mitterauerbach sucht Fahnen, Banner, Fotografien und Unterlagen zur Landsmannschaft Auerbachtal in München. Geplant ist, darüber auch ein Buch verfassen. Wer über die Landsmannschaft etwas weiß beziehungsweise noch Gegenstände besitzt, wendet sich an Laurenz Lorenz unter der Telefonnummer 0 96 75 / 511.

Die historischen Zeugen der Besiedelung
Dieser Kreuzstein ist der einzige, zumindest noch erhaltene, im Landkreis.
Schweppermann im Auerbachtal:

Kommt der Kreuzstein von ihm?

Jetzt könnte es fast noch sein, dass der berühmte Seyfried Schweppermann vor mehreren Jahrhunderten bei Mitterauerbach eine Geliebte hatte. Matthias Lorenz erzählt dazu eine Geschichte. Die jungen Mitterauerbacher spielen Volleyball als ein Fremder die Dorfjugend nach einem alten, großen Stein fragt. Matthias Lorenz fällt sofort der Kreuzstein in der Friedhofsmauer ein. Dieser einzige Kreuzstein im Landkreis stand vor 100 Jahren vor dem jetzt sanierten Aiherlhof und wurde später in die Mauer eingesetzt. Er könnte aber über 700 Jahre alt sein. Der Fremde lässt Matthias Lorenz wissen, dass Schweppermann sich wohl in der Jugendzeit in eine junge Frau verguckt hat, die vermutlich auf dem Ramberg lebte. Von dieser Burg bei Hammerberg (Stadt Neunburg vorm Wald) geib es nur wenig gesicherte Daten. Der Ramberg ist heute als Bodendenkmal eingestuft. Die Böhmen fallen in die Oberpfalz ein und schleifen Ramberg. Mit dem Stein soll Schweppermann seiner Jugendliebe ein Denkmal gesetzt haben. Er stellt ihn nicht vor dem Aiherlhof auf, aber in Mitterauerbach auf. Der Unbekannte, der nach dem Stein fragte, war Matthias Lorenz zufolge Buchautor Thomas Zenkner. Er hat den historischen Roman „Seyfried Schweppermann – Ein Held im Mittelalter“ veröffentlicht.

Im Bauernschrank aus dem 19. Jahrhundert hängen Feuerwehruniformen von anno dazumal.
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