27.05.2020 - 12:55 Uhr
MitterteichOberpfalz

Ängste mit Strukturen bekämpfen

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Heimunterricht und Prüfungsangst: Lernen in der Coronakrise ist für Eltern und Schüler zum Kraftakt geworden. Lerncoach Jürgen Blumberg gibt Tipps.

Jürgen Blumberg hat als Versicherungskaufmann seine Kollegen im Gedächtnistraining geschult. Seither bietet der 47-jährige Mitterteicher seine Tricks gegen die grauen Zellen auch Schülern und Erwachsenen an.
von Ulla Britta BaumerProfil

Morgens um 8 Uhr in der Schlabberhose an den Computer und mit Lernen oder Arbeiten beginnen: Das spielt sich momentan in vielen Häusern und Wohnzimmern ab. Arbeiten und Unterricht von zu Hause aus ist Alltag geworden. "Falsch", sagt Jürgen Blumberg und meint damit das bequeme Jogginghosen-Outfit. Neben seinem Beruf als Versicherungskaufmann ist der Mitterteicher seit einigen Jahren auch Gedächtnistrainer und Lerncoach.

Vorsprung durch Strukturen

"Begonnen hat das im Betrieb für die Kollegen. Dann habe ich es ausgeweitet", berichtet der 47-Jährige. Inzwischen kommen Kinder, Prüflinge vor Abschlussprüfungen und auch Erwachsene zum ihm, die ihrem Gedächtnis aus unterschiedlichen Gründen auf die Sprünge helfen wollen.

"Jeder hat seine Stärken", erklärt Blumberg. Der eine, sagt er, liest einen Text und kann ihn sofort auswendig. Der andere quäle sich ein Leben lang damit, sich Dinge zu merken. Sich an seinen Stärken zu orientieren, sei äußerst hilfreich beim Lernen. Wer visuell leichter lerne, könne zum Beispiel ein schwieriges Vokabel einer Fremdsprache farbig markieren oder sich eine Geschichte dazu ausdenken. Das helfe dem Mathematiker weniger, der zum Kartensystem greift.

Lernen in Jogginghosen könne funktionieren, räumt Blumberg ein, „aber nicht oft.“ Eltern könnten sich mit ihren Kindern einen riesigen Vorsprung herausarbeiten, wenn täglichen solche Strukturen eingehalten werden. „Am besten am Vortag planen. 8 bis 9.45 Uhr lernen, bis 10 kurze Pause, die Kinder dürfen kurz ins Handy schauen, dann geht’s weiter“, rät der Mitterteicher.

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Eine große Rolle spiele der Lernort. "Die Eltern wollen das gern steuern. Die Kinder sollen in der Küche oder in ihren Zimmern lernen." Sitze der Bub plötzlich im Flur oder am Wohnzimmerfußboden, komme die elterliche Ermahnung: "So kann man doch nicht lernen!" - "Man kann", betont Blumberg. Dieser Strategiewechsel kann durchaus gut tun. Dennoch plädiert der Lerncoach auf klare Strukturen im Ablauf. "Rituale sind äußerst wichtig für geregeltes Lernen oder Arbeiten", sagt der 47-Jährige. "Wenn man normal wie vor Corona zur Arbeit fährt, hat man diese auch. Man geht zuerst ins Bad oder macht das Radio an. Dann gibt's Kaffee, bevor man ins Büro geht. Oder der Kaffee wird im Büro vor der Arbeit gekocht."

Lernen in Jogginghosen könne funktionieren, räumt Blumberg ein, "aber nicht oft." Eltern könnten sich mit ihren Kindern einen riesigen herausarbeiten, wenn täglichen solche Strukturen eingehalten werden. "Am besten am Vortag planen. 8 bis 9.45 Uhr lernen, bis 10 kurze Pause, die Kinder dürfen kurz ins Handy schauen, dann geht's weiter", rät der Mitterteicher.

Für alle Altersklassen

Blumberg macht Gedächtnistraining für alle Altersklassen, vom Sechsjährigen bis zum Senior. "Der Kopf funktioniert immer gleich", weiß er. Sudokus und Kreuzworträtsel seien gut. "Aber auf Dauer fordern sie nicht mehr." Besser sei, das Verhalten zu wechseln. Und sei es nur, den Stift mal in die andere Hand zu nehmen. Vor allem bei den Senioren, die durch die Krise ohne soziale Kontakte daheim sitzen, könne das Denkvermögen rasch nachlassen.

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Blumberg erzählt von seinem 84-jährigen Vater, dem er "laut zeichnen" angeraten habe. Dabei solle man auf ein Blatt Diagonalen zeichnen in alle Richtungen. Wer die Vorgänge laut ausspreche, aktiviere mehrere Sinne gleichzeitig: Sehen, Motorik, Hören und Sprechen. Das sei pure Konzentration. Eine einfache Übung sei das Einkaufen ohne Merkzettel. Danach könne man schauen, was man geschafft habe - "Nicht, was man nicht geschafft hat", betont Blumberg und lacht. Er lehnt Negativbeispiele rigoros ab im Hinblick auf positive Lernerlebnisse. "Negative Aussprachen sind im normalen Alltag stark verankert." Positive Mitteilungen würden laut Blumberg Wunder wirken. Ein Beispiel: "Lass das Glas nicht fallen" heißt positiv umformuliert dann "Halte das Glas fest."

Lernblockaden und Ängste

Der Lerncoach denkt besonders an die Kinder und Jugendlichen, die jetzt nach vielen Wochen Schulabstinenz Abitur schreiben oder sich für den Übertritt in eine weiterführende Schule qualifizieren müssen. "Da sind starke Ängste vorhanden." Helfen könne, sich auf die Stärken zu besinnen: "Ich habe das bisher immer gut gemacht. Also kann ich es." Er gibt auch einen Tipp für gute Laune: Sich einfach einen Bleistift für kurze Zeit zwischen die Zähne klemmen. "Das aktiviert die gleichen Nerven wie beim Lächeln. Schon ist das Gemüt fröhlich, weil der Kopf denkt, der Mensch lacht."

Jüngere Schüler könnten sich einen "Zaubertrank" machen oder um sich herum einen visuellen "Schutzschirm" gegen Prüfungsangst aufbauen. "Natürlich ist es wichtig, sich klar zu werden, was diese Angst überhaupt begründet", erklärt Blumberg.

Info:

Hilfe vom "Lernbuddy"

Wer Infos oder Hilfe vom „Lernbuddy“ Jürgen Blumberg braucht, kann ihn über seine Homepage ausfindig machen oder per E-Mail und Telefon erreichen. Kontakt: Telefon 09633/400 05 96 und per E-Mail: jb[at]dein-lernbuddy[dot]de .

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