26.03.2020 - 15:56 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Virus als Treiber für digitales Lernen

Virus als Treiber für digitales Lernen

Online-Unterricht am Stiftland-Gymnasium: Schulleiter Albert Bauer zeigt die schuleigene Lernplattform „stgmoodle“, über die sich Schüler und Lehrer austauschen.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Schulamtsdirektor Rudolf Kunz telefonierte Anfang dieser Woche alle Grund-, Mittel-, und Realschulen in seinem Zuständigkeitsbereich ab, um zu hören, wie es mit dem Online-Unterricht klappt. „Ich habe bisher keine negativen Rückmeldungen erhalten“, sagt er. Von Kemnath bis Waldsassen gab es von den Schulen und Lehrern keine Kritik. „Es läuft gut.“ Die Schüler seien regelmäßig mit ihren Lehrern in Kontakt – per E-Mail, über die schuleigene Homepage oder über Lernplattformen wie „Mebis“.

Dass es zu Beginn zu Überlastungen, Ausfällen und Schwierigkeiten bei „Mebis“ kam, erklärt der Schulamtsdirektor so: „Die Lernplattform wurde vorher in diesem Umfang nicht genutzt. Die vielen Zugriffe, das war wie ein Erdrutsch.“ Klar, dass das System zunächst überlastet gewesen sei. „Mittlerweile läuft aber alles stabil.“

Schüler nicht alleine

„Die Situation ist natürlich eine besondere“, berichtet Kunz weiter. Die Eltern seien in der Verantwortung. Die Lehrer geben den Schülern viele Aufgaben zur Selbstkontrolle, unter anderem auch neuen Lernstoff, den sich die Kinder und Jugendlichen selbst beibringen müssen. „Die Schüler bekommen aber regelmäßig Feedback zu ihren Aufgaben. Sie werden nicht alleine gelassen“, betont Kunz. Die Lehrer stehen den Schülern im Home-Office per E-Mail zur Verfügung.

Kunz kann der ganzen Situation dennoch etwas Positives abgewinnen: „So schlimm es ist, aber ich denke, dass sich beide Parteien – Lehrer und Eltern – wieder mehr annähern.“ Dadurch, dass die Eltern zu Hause mehr gefordert sind, wenn die Kinder Heim-Unterricht haben, werde der Beruf des Lehrers vielleicht wieder etwas mehr wertgeschätzt.

Die Online-Plattformen zum Austausch von Aufgaben seien noch ausbaufähig. „Unsere IT-Experten prüfen gerade ein Programm, womit Lehrer ihre Schüler per Videokonferenz unterrichten können. Das ist allerdings noch in der Versuchsphase“, so Kunz.

Am Stiftland-Gymnasium funktioniert das bereits. „Es ist im Einzelfall möglich, dass die Schüler mit ihrem Lehrer über Video Fragen stellen können“, sagt Schulleiter Albert Bauer. Der Austausch von Unterrichtsmaterial und die Kommunikation mit Lehrern laufen am Stiftland-Gymnasium hauptsächlich über die schuleigene Lernplattform „stgmoodle“. „Zunächst wollten wir jede Möglichkeit der neuen Wege nutzen,“ erklärt Bauer. Allerdings habe sich schnell herausgestellt, dass der Kontakt per E-Mail recht umständlich und auch „Mebis“ gerade in den ersten Tagen oft nicht erreichbar war.

Artikel über die Schulschließung bis zu den Osterferien:

Tirschenreuth

Ein Team aus etwa fünf Lehrern, die am Stiftland-Gymnasium für EDV-Angelegenheiten und Digitalbildung zuständig sind, entwickelte deshalb die schuleigene Lernplattform, die auf „Mebis“ aufbaut. Schüler und Lehrer mussten sich auf der Plattform registrieren, um sich auszutauschen. Zusätzlich erhielten die Lehrer Videoanleitungen. „Es hat innerhalb kürzester Zeit wunderbar funktioniert, auch technisch“, spricht der Schulleiter ein Lob an das Organisationsteam und die gesamte Lehrerschaft aus.

Alle Beteiligten hätten sich sehr schnell auf der neuen Plattform zurecht gefunden. Die Lehrer stellen ihre Aufgaben auf „stgmoodle“ zur Verfügung, die die Schüler dann bearbeiten. Die fertigen Aufgaben geben die Schüler zur Korrektur zurück zum Lehrer. Die Schüler seien mit den Aufgaben nicht allein. Wenn es nötig ist, findet ein Austausch zwischen Schülern und Pädagogen statt. „Einige Lehrer sagen, sie sind sehr stark beschäftigt, mindestens so eingespannt wie im normalen Unterricht“, berichtet Bauer.

Der Schulleiter weiß, dass einige Eltern anfangs die Flut an Aufgaben kritisierten. „Wir haben sie beruhigt. Die Aufgaben können natürlich über die ganzen Wochen bis zu den Osterferien abgearbeitet werden.“ Schüler und Eltern dürften auch Prioritäten setzen, was Fächer anbelangt. Teilweise spielten auch technische Rückfragen eine Rolle. Und wie geht es weiter? Ob der Unterricht nach den Osterferien tatsächlich wieder regulär starten wird, dazu will sich Schulamtsdirektor Kunz angesichts der ständigen neuen Entwicklungen nicht äußern.

Hintergrund:

Wie zufrieden sind Schüler im Home-Office

Die NT-Reaktion sucht Schüler aus dem Landkreis Tirschenreuth, die etwas über ihren Alltag im Home-Office mit Online-Unterricht erzählen wollen. Wir wollen von euch für einen Bericht wissen, was gut läuft und was weniger gut. Vielleicht habt ihr auch Tipps für Mitschüler. Teilt eure Erfahrungen mit uns. Schreibt uns bitte eine E-Mail an die Adresse redtir[at]oberpfalzmedien[dot]de mit Vor- und Nachnamen, Klasse und Schule sowie einer Telefonnummer, unter der wir euch erreichen können.

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