03.05.2021 - 15:38 Uhr
MitterteichOberpfalz

Ahnenforscher im Landkreis Tirschenreuth auf Spurensuche in der Vergangenheit

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Auf Spurensuche in der Vergangenheit begeben sich Familienforscher. Ein Arbeitskreis ist seit vielen Jahren auch im Landkreis Tirschenreuth aktiv. Mithilfe ist dabei jederzeit willkommen.

Anna Megies recherchiert hier im Archiv zu Anfragen, die bei der Pfarrei Waldsassen eingegangen sind.

Von Werner Männer

"Wir sind Jäger und Sammler und archivieren bei unserer Jagd alles, was wir in irgendeiner Beziehung zu unseren Vorfahren finden können. Und lernen dabei auch noch nebenbei viele sympathische Menschen kennen!" So beschreibt Elfriede Dirschedl, Zweite Vorsitzende der Gesellschaft für Familienforschung (GFO), die Aktivitäten in diesem Forschungsbereich. Diese Gesellschaft, zu der auch ein Arbeitskreis im Landkreis Tirschenreuth zählt, feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Am 3. Juli soll eine zentrale Feier mit Ausstellung in Weiden stattfinden - inwieweit das wegen der Corona-Pandemie durchführbar sein wird, ist aber noch offen.

Die GFO ist ein ehrenamtlicher, familienkundlicher Fachverband, der 1991 gegründet wurde. Er ging aus dem Bayerischen Landesverein für Familienkunde hervor. Die Mitglieder befassen sich vorwiegend mit Familienforschung im Raum des heutigen Regierungsbezirks Oberpfalz und den angrenzenden Gebieten. In der Oberpfalz gibt es acht Arbeitskreise: Altmühl/Schwarze Laber, Amberg/Sulzbach, Neumarkt, Cham, Regensburg, Schwandorf, Weiden/Neustadt/WN und Stiftland/Tirschenreuth.

Bahnlinie nach Wiesau

Zum Jubiläum wurde ein gemeinsames Heft herausgegeben, in dem sich alle Arbeitskreise mit einem Beitrag vorstellen. So sind zum Beispiel Beiträge über die Geschichte Weidens oder über die dortige Volkszählung nachzulesen. Aus dem Bereich Amberg wird über die Aktivitäten eines Stammtisches berichtet und aus Neustadt erfährt der Leser mehr über die Geschichte der Bleikristallwerke Nachtmann. Der Schwandorfer Arbeitskreis informiert über die Mormonen in der Oberpfalz. Auch der Arbeitskreis Tirschenreuth hat einen informativen Beitrag verfasst. Darin geht um den Ausbau der Bahnlinie von Weiden nach Mitterteich in den Jahren 1863/64. Verfasserin ist die Vorsitzende des Arbeitskreises im Landkreis, Monika Beer-Helm.

In diesem aufwendig recherchierten Beitrag wird nochmals an die Anfangszeit der Eisenbahn im Stiftland erinnert. Der Bau dieser Strecke war gleichzeitig der Auftakt für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Gegend. In mehrfacher Hinsicht kam dadurch damals Geld in die Region. Ein zusätzlicher Gewinn war die gleichzeitige Erschließung von Rohstoffvorkommen. Auch die Zulieferung von Rohstoffen und der Abtransport der fertigen Produkte wurden durch die Erschließung des Bahnbaus erleichtert.

In ihrem Beitrag über den Bahnbau geht Autorin Beer-Helm auch auf die damit verbundenen Familiengeschichten ein. Der Beitrag gibt Einblicke ins Leben der Bahnarbeiter und des Personals der Ostbahn. Gleichzeitig erinnert die Familienforscherin an die italienischen Nachnamen, die in Zusammenhang mit dem Bahnbau in der Gegend aufgetaucht sind. Beispielsweise ist der Name Riolfi in Pleußen heute noch anzutreffen. Auch die Familiengeschichte des Bahnarbeiters Valentin Gennari, geboren 1844 in Civezzana, Trentino, wird beleuchtet. Zudem sorgten die italienischen Baumeister für den südländischen Baustil, der noch an vielen Bahnhofsgebäuden in der Region zu sehen ist. Diese Geschichten und viele weitere Beiträge zum Thema Bahnbau sind in dem Heft nachzulesen.

Aktivitäten eingeschränkt

Monika Beer-Helm ist gleichzeitig die Vorsitzende des Arbeitskreises Stiftland/Tirschenreuth. Seit zehn Jahren hat die Mitterteicherin dieses ehrenamtliche Amt inne. Zusammen mit Herbert Hackbarth aus Mitterteich, er ist ihr Stellvertreter, und mit Anna Megies aus Wiesau leitet sie den circa 25 Mitglieder umfassenden Verein. Das Coronavirus hat auch hier die Aktivitäten stark eingeschränkt. Deshalb werden viele Interessenten und auch die Mitglieder per Rundmails informiert. Die Stammtisch-Treffen, zu denen in der Regel zwischen 20 und 30 Personen kommen, sind seit längerem unmöglich.

22 000 Sterbebilder eingescannt

Trotz dieser Probleme geht die Arbeit im Verein weiter. So wurden im Laufe der Jahre schon mehr als 22 000 Sterbebilder eingescannt, wodurch ein beachtlicher Datenpool geschaffen wurde. Bestrebt ist die Vorsitzende außerdem, das Archiv ständig zu erweitern. Durch die umfangreiche Datei auf dem Computer ist es möglich, Familienzusammenhänge in kürzester Zeit zu erfragen. So recherchiert Anna Megies zu Anfragen, die an die Pfarreien im Stiftland gestellt wurden. Das katholische Dekanat Tirschenreuth unter Dekan Georg Flierl hat dafür die Mikrofiches bereitgestellt, auf denen die Geburts-, Heirats- und Sterbedaten der Katholiken gespeichert sind. Die Arbeitskreis-Mitglieder beantworten für die Pfarreien die zahlreichen Anfragen. Diese Anfragen kommen immer öfter auch aus dem Ausland, zum Beispiel aus den Vereinigten Staaten. In der Coronazeit hätten sich die Anfragen fast verdreifacht, wie Anna Megies berichtet.

Als weiteren Schwerpunkt sieht Vorsitzende Monika Beer-Helm die Veröffentlichung von Forschungsbeiträgen in jährlichen Heften. Die Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz gibt jedes Jahr drei Recherche-Hefte für Mitglieder heraus. Der Arbeitskreis Tirschenreuth hat bislang acht Hefte herausgegeben, von denen sechs noch bei der Vorsitzenden erhältlich sind.

Herbert Hackbarth hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Zeitungen zu digitalisieren. Beiträge über Waldsassen sind zum Großteil schon auf diese Weise gesichert und in Mitterteich läuft derzeit dieselbe Aktion. Um all das zu schaffen, vor allem um die vielen Anfragen zu bearbeiten, hat Monika Beer-Helm viele ehrenamtliche Helfer in den verschiedenen Ortschaften des Landkreises. Für die Zukunft planen die Familienforscher auch, Dorfchroniken zusammenzustellen. Auch dabei werden sie auch wieder auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen sein.

Wer sich engagieren und Mitglied im Verein werden will, ist jederzeit willkommen. Der Jahresbeitrag liegt bei 25 Euro und ist steuerlich abzugsfähig. Anfragen nimmt Vorsitzende Monika Beer-Helm per E-Mail (helm-mitterteich[at]t-online[dot]de) gerne entgegen.

Wissenswertes hat Monika Beer-Helm unter anderem zum Eisenbahn-Bau in Mitterteich veröffentlicht

Mitterteich
Monika Beer-Helm und Herbert Hackbarth sind die Vorsitzenden der Arbeitskreises Stiftland/Tirschenreuth innerhalb der Gesellschaft für Familienforschung (GFO).
Das Jubiläumsheft der Oberpfälzer Familienforscher. Es ist bei Monika Beer-Helm in Mitterteich erhältlich.
Hintergrund:

Sechs Hefte noch erhältlich

Folgende Hefte des Arbeitskreises Stiftland/Tirschenreuth zur Familienforschung sind noch erhältlich (für jeweils 8 Euro):

  • „Die Mitterteicher Tuchmacher von 1626-1843“ von Herbert Hackbarth.
  • „Die Brüder Geisel und ihre Nachfahren im Stiftland“ von Herbert Hackbarth.
  • „Die Mühlen im Seibertsbachtal“ von Oliver Lipfert.
  • „Die Mühlen der Gemeinde Mähring“ von Oliver Lipfert.
  • „Die Geschichte der aus Falkenberg stammenden Mayer-Familien“ von Franz Lindner.
  • „Mitterteicher Namennachweise aus Steuer-, Schul-, Bürger- und Sterbelisten“ von Monika Beer-Helm.

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