09.08.2021 - 15:56 Uhr
MitterteichOberpfalz

Altenheime melden wieder freie Plätze und verstärkte Nachfrage nach ambulanter Pflege

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Suche nach einem Platz in einem Alten- oder Pflegeheim vergebens. Die Situation hat sich zwar verbessert, aber nicht überall.

Es ist zwar nicht wie vor Ausbruch der Pandemie, aber das Leben in den Altenheimen hat sich wieder etwas normalisiert. Viele Angehörige haben aber Angst, dass sich bei einer neuen Corona-Welle wieder vieles verschlechtert, etwa die Besuchsmöglichkeiten. Viele Senioren würden deshalb zu Hause gepflegt, was die Folge hat, dass in den Heimen wieder Plätze frei sind.
von Armin Eger Kontakt Profil

"Die Wartelisten für einen Heimplatz waren vor der Pandemie lang", sagt Sven Lehner, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes, der im Landkreis zwei Alten- und Pflegeheime in Tirschenreuth und je eins in Kemnath und Plößberg betreibt. "Es gab einfach keine Plätze im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern", blickt Lehner zurück. Die Angehörigen hätten verzweifelt angefragt. Aber die Situation habe sich geändert. "15 bis 20 Prozent unserer Heimplätze sind aktuell frei, die sich nur zögerlich wieder füllen", berichtet er. Durch die Sterberate während der Pandemie seien zwar einige Plätze freigeworden, aber einen Hauptgrund sieht Lehner darin, dass viele im Home-Office oder Kurzarbeit seien und dadurch für Familien die Pflege zu Hause einfacher geworden sei. "Die Anfrage nach der ambulanten Pflege ist gestiegen", weiß Lehner. "So lange es geht, wollen die Leute ihre Angehörigen zu Hause pflegen."

Auch dass sich die Corona-Lage wieder zuspitzen könne, sei ausschlaggebend für freie Heimplätze. "Die Leute konnten ihre Angehörigen monatelang nicht besuchen. Sie haben davor Angst, dass es wieder so kommt", sagt Lehner. Anfang des Jahres waren im Landkreis Tirschenreuth die Infektionszahlen extrem hoch. In vielen Heimen gab es Ausbrüche und Quarantäne. "Wir sind jetzt durch die Impfungen einen Schritt weiter", so der Pressesprecher im Bezug auf die befürchtete vierte Corona-Welle im Herbst. Fast alle Heimbewohner und auch das Personal seien geimpft.

Kapazitäten bei der Caritas

"Die aktuelle Belegungsquote im Juli liegt im Schnitt bei 86,2 Prozent. Waldsassen meldet 67,4. Erbendorf dagegen 95 Prozent", bestätigt Harry Landauer, Leiter Verbandspolitik und Kommunikation von der Caritas Wohnen und Pflege gGmbH. Die Caritas ist Trägerin von 20 Einrichtungen im Bistum Regensburg, fünf weitere sind in Geschäftsführung der gGmbH.

Die Auslastung der Caritas-Häuser sei generell recht gut, regionale Unterschiede hätten meist mit den Rahmenbedingungen vor Ort zu tun. In Waldsassen wurde gerade ein wenig umstrukturiert, die Zahl der Plätze verringert. Ein Grund für Leerstände allgemein sei sicher der herrschende Fachkräftemangel, schreibt Landauer auf Anfrage. Einrichtungen könnten nur in dem Umfang belegt werden, in dem die von der vorgeschriebenen Quote geforderte Anzahl an Fachkräften erreicht werde. In den Monaten der Pandemie seien Mitarbeiter ausgeschieden, Planstellen seien nicht leicht wieder zu besetzen. "Pflegefachkräfte werden ebenso wie Auszubildende händeringend gesucht", so Landauer.

Durch gute Impfquoten bei Personal und Bewohnern sei die Stimmung entspannt und bei allem Respekt vor einer möglichen vierten Welle herrsche Gelassenheit. Besonders positiv sei, so der Pressesprecher, dass in den letzten 30 Tagen kein einziger Corona-Fall zu vermelden war. Aber es bleibe der Respekt. "Die Pandemie hat uns gelehrt, dass bei Corona immer mit Überraschungen und unvorhergesehenen Entwicklungen zu rechnen ist."

Haus Phönix voll belegt

"Das Haus Phönix in Mitterteich ist voll belegt. Es gibt eine Warteliste", bestätigt Tanja Kurz aus der Abteilung Unternehmenskommunikation von Korian, dem größten privaten Anbieter von Pflege- und Betreuungsdienstleistungen mit 252 Einrichtungen deutschlandweit. Aufgrund des pandemiebedingten Aufnahmestopps konnten keine neuen Bewohner aufgenommen werden. Das habe dazu geführt, dass in einigen Einrichtungen noch Plätze verfügbar seien. Auch die Berichterstattungen zu Corona-Ausbrüchen in Senioreneinrichtungen sorgten bei Angehörigen für Verunsicherungen, genauso wie die Sorge vor einer weiteren Welle und damit wieder einer Verschärfung der Besuchsregelungen.

In allen Alten- und Pflegeheimen von Korian gebe es derzeit nur drei positiv getestete Coronafälle. Etwa 75 Prozent aller Bewohner und 73 Prozent der Mitarbeiter seien geimpft. "Solange die Gesamtbevölkerung noch keine Herdenimmunität erreicht hat, gilt es, weiterhin vorsichtig zu sein. Wir hoffen, dass die Einrichtungen durch den hohen Anteil an Impfungen von schweren Krankheitsverläufen verschont bleiben", erklärt Kurz.

"Die Belegungen in unseren Sozialteam-Senioren-Servicehäusern Neusorg, Waldershof und Fuchsmühl sind sehr gut. Verglichen mit den Vorjahresmonaten Juli und August vor Corona sind wir auf einem ähnliche hohen Auslastungsniveau", sagt Andreas Neugirg, Fachbereich "Senioren und Pflege". Grundsätzlich habe es in der Hochphase der letzten Corona-Welle eine minimal geringere durchschnittliche Belegung gegeben. Gründe seien aber nicht eine höhere Sterblichkeit, sondern eine verzögerte Belegung, da viele Angehörige in diesen Zeiten, zum Beispiel bedingt durch Home-Office, eine häusliche Pflege eher bewerkstelligen konnten oder schlicht abwarten wollten, wie sich die allgemeine Lage entwickelt.

Kein einziger Covid-Fall

Aktuell und auch schon in den vergangenen Monaten habe es in den Einrichtungen des Sozialteams keinen einzigen Fall von Covid-19 weder bei Bewohnern noch beim Personal gegeben, bestätigt Neugirg. Die Impfquote liege auf einem sehr hohen Niveau.

"Die Frage nach einer überhöhten Angst vor einer vierten Welle kann ich derzeit mit einem klaren Nein beantworten. Weder bei Angehörigen noch bei Bewohnern und Personal ist derzeit Ängstlichkeit zu spüren", sagt Neugirg. "Wichtig für uns ist, weiterhin alle derzeit gebotenen Schutz- und Hygienemaßnahmen einzuhalten und unseren Beitrag dazu zu leisten, dass die generelle Impfbereitschaft in der Bevölkerung hoch gehalten wird. Parallel ist aber auch wichtig, einen angenehmen Alltag für unsere Bewohner zu gestalten und Normalität zu leben."

Ein Platz frei im Theresianum

Der Deutsche Orden engagiert sich mit seinen Ordenswerken bundesweit mit rund 2900 Mitarbeitern in über 60 sozialen Einrichtungen, darunter das Alten- und Pflegeheim Theresianum in Konnersreuth. "Wir haben seit Jahren eine konstante, gute Auslastung in unseren Einrichtungen. Wie immer im Sommer verzeichnen wir derzeit vermehrt Anfragen für Kurzzeitpflegeplätze. Das Theresianum ist, bis auf einen Platz, komplett belegt", schreibt Maren Ruhstorfer von der Abteilung Unternehmenskommunikation. Viele Bewohner und Beschäftigte seien mittlerweile geimpft, insbesondere im Bereich der Pflege hätten sich Mitarbeiter für den Impfschutz entschieden. "Neue Senioren ziehen meist geimpft in unsere Einrichtungen. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, können wir unbürokratisch eine Impfung über unsere Hausärzte organisieren", so die Sprecherin des Deutschen Ordens.

"Jedem ist bewusst, dass Corona noch nicht vorbei ist und mit einer vierten Welle gerechnet werden muss. Als Angst ist dies nicht zu bezeichnen", verdeutlicht Lisa Nicolai, Direktorin des Theresianums in Konnersreuth. "Wir passen unsere Schutzkonzepte kontinuierlich der aktuellen Lage an und bereiten uns auf den Herbst vor. Die Möglichkeiten einer Auffrischimpfung werden diskutiert. Wir hoffen darauf, dass aufgrund des guten Impfstatus und der Testmöglichkeiten die Einschränkungen für unsere Bewohner nicht mehr allzu groß werden."

Steinwaldblick: Hohe Impfquote

Freie Betten werden derzeit im Haus Steinwaldblick in Wiesau nachbelegt, bestätigt Heimleiter Nico Hallmann. Die allgemeine Situation habe sich "in all unseren Einrichtungen wesentlich entspannt. Wir sind sehr froh, wieder gemeinsame Veranstaltungen für unsere Bewohner durchführen zu können".

Sicherlich hätten viele Senioren Bedenken, dass aufgrund erneuter Steigerung der Infektionszahlen Besuche in Pflegeeinrichtungen wieder eingeschränkt werden könnten. Auch die Angst vor einer Ansteckung könnte eine Rolle spielen. Die Impfquote im Haus Steinwaldblicke liege bei etwa 90 Prozent, so Hallmann. Die Angst vor einer vierten Welle sei groß: "Jedoch sind wir gut vorbereitet."

Preis für Sulzbacher: Liebevolle Pflege für kranke Frau mit Multiple Sklerose

Sulzbach-Rosenberg

„Die Wartelisten für einen Heimplatz waren vor der Pandemie lang. Es gab einfach keine Plätze im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern.“

Sven Lehner, Pressesprecher BRK-Kreisverband Tirschenreuth

Sven Lehner, Pressesprecher BRK-Kreisverband Tirschenreuth

„Die Frage nach einer überhöhten Angst vor einer vierten Welle kann ich derzeit mit einem klaren Nein beantworten.“

Andreas Neugirg, Sozialteam, Fachbereich Senioren & Pflege

Andreas Neugirg, Sozialteam, Fachbereich Senioren & Pflege

 

 

Kommentare

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Tanja Härtl

Vielen Dank für diesen sehr informativen Artikel!
Schön finde ich auch die Verlinkung am Ende des Artikels, über die man weitere Berichte zu den jeweiligen Einrichtungen finden kann.

11.08.2021