11.03.2021 - 14:51 Uhr
MitterteichOberpfalz

Blasmusiker aus Mitterteich und Konnersreuth vermissen das gemeinsame Spielen

Wann sind wieder gemeinsame Proben und Auftritte möglich? Auch nach Monaten des Stillstands gibt es für Musiker keine Antwort auf diese Frage. Die Stadtkapelle Mitterteich und die Blaskapelle Konnersreuth geben Einblicke in ihre Lage.

Im September vergangenen Jahres gab die Blaskapelle Konnersreuth eine öffentliche Probe vor dem Resl-Haus.
von Josef RosnerProfil

Oliver Lipfert, musikalischer Leiter der Stadtkapelle Mitterteich, und Armin Scharnagl, Dirigent der Konnersreuther Blaskapelle, sind sich einig: „Unsere Musiker wollen endlich wieder zu den Instrumenten greifen.“ Seit Beginn des zweiten Lockdowns sind die Kapellen erneut zum Warten verurteilt, nachdem das Vereinsleben über den Sommer zumindest in eingeschränkter Weise wieder angelaufen war. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien gehen sie näher auf die Situation in den Vereinen ein.

Keine Jubiläumsfeierlichkeiten

Seit 2005 leitet Oliver Lipfert die Mitterteicher Stadtkapelle, die 1950 wiedergegründet wurde. Eigentlich hätte die Stadtkapelle 2020 ihr 70-jähriges Bestehen gebührend feiern wollen, doch der Großteil der Planungen fiel wegen der Corona-Pandemie ins Wasser. Vorgesehen waren eine große Serenade, ein Böhmischer Abend, die Teilnahme am Mitterteicher Bürgerfest und eine Vielzahl anderer kleinerer Termine. Am Ende konnten nur Auftritte in kleiner Besetzung stattfinden, etwa bei Gottesdiensten.

Einen besonderen Höhepunkt bildete die Jubiläumsfahrt nach Berlin mit Auftritten auf der „Grünen Woche“ in der Bayern-Halle, am Brandenburger Tor und im Sony-Center. Vor einem größeren heimischen Publikum hat sich die Stadtkapelle zuletzt beim Mitterteicher Gaudiwurm 2020 präsentiert.

Die Teilnahme am Gaudiwurm im Februar 2020 war einer der letzten öffentlichen Auftritte der Stadtkapelle Mitterteich.

Proben im Freien

Im vergangenen Jahr kamen immerhin 27 Proben zustande, die letzte gab es am 19. Oktober. „Seitdem herrscht Stillstand“, bedauert Lipfert. Hilfreich sei der warme Sommer gewesen. „Wir haben im Freien auf dem Gelände des städtischen Kinderhauses geübt“, berichtet Lipfert und richtet deshalb ein Dankeschön an die Stadt als Eigentümer. Bis in den Herbst hinein wurde dann noch einige Male im Saal des Josefsheim geprobt, natürlich unter Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Oliver Lipfert ist seit 2005 musikalischer Leiter der Stadtkapelle Mitterteich.

Zu seinen aktuell rund 20 Musikern hält Lipfert Kontakt per Whatsapp, E-Mail und Telefon. Ihm ist bewusst, dass mangels Proben die Sicherheit und die Konzentration beim Spielen nachlassen. „Ich hoffe, dass wir demnächst wieder mit Einzelproben beginnen können und ich hoffe, dass unsere Musiker zu Hause auch mal alleine üben.“

Videos zum Üben daheim

Zur Jugend-Stadtkapelle zählen derzeit 15 Nachwuchsmusiker, hinzu kommen zwölf Kinder in der Blockflötengruppe, die von Christa Hinz geleitet wird. „Sobald es möglich ist, wollen wir mit den Kindern wieder üben und auch öffentlich spielen“, betont sie. Mit den Kindern probt sie online, auch Videos hat sie zum Üben erstellt.

"Wir haben auch noch keinerlei Verträge unterschrieben. Es wird wieder schwierig werden, weil ja auch schon viele Feste abgesagt wurden."

Oliver Lipfert, Leiter der Stadtkapelle Mitterteich

Wegen der coronabedingten Unsicherheiten habe Oliver Lipfert bisher nur wenige Anfragen für Auftritte bekommen. „Wir haben auch noch keinerlei Verträge unterschrieben. Es wird wieder schwierig werden, weil ja auch schon viele Feste abgesagt wurden.“ Dennoch lassen sich Oliver Lipfert, der seit seinem siebten Lebensjahr Trompete spielt, und seine Musiker-Truppe nicht unterkriegen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bald wieder loslegen dürfen“, so Lipfert vorausblickend. „Ich habe noch von keinem gehört, dass er aufhören will. Alle wollen, dass wir wieder gemeinsam musizieren und auftreten.“

Armin Scharnagl, der Dirigent der Blaskapelle Konnersreuth, startete ebenfalls mit der Trompete seine musikalische Ausbildung – als Elfjähriger bei Hans Queitsch. Die Blaskapelle war 2002 unter dem Dach des Musikvereins Konnersreuth als Jugendblaskapelle gegründet worden – und seit diesem Zeitpunkt liegt die Leitung bei Armin Scharnagl. Aktuell gehören zur Blaskapelle 33 Musiker, hinzu kommen noch sechs Nachwuchsmusiker in der Ausbildung.

Armin Scharnagl ist Dirigent der Blaskapelle Konnersreuth.

Den letzten öffentlichen Auftritt hatte die Blaskapelle Anfang September 2020 in Form einer öffentlichen Probe am Therese-Neumann-Platz. Ausfallen musste im vergangenen Jahr unter anderem die traditionelle Serenade, zu der stets Zuhörer aus der ganzen Region nach Konnersreuth gekommen waren. Erstmals in der Geschichte des Musikvereins hatte heuer auch das traditionelle Dreikönigskonzert in der Pfarrkirche ausfallen müssen.

Trennwände im Probenraum

„Wir konnten keine Festzüge spielen, keine Ständchen, rein gar nichts ging“, bedauert Armin Scharnagl im Rückblick. Zumindest gab es im vergangenen Jahr noch 17 gemeinsame Proben, zwei davon öffentlich. „Wir haben uns immer an die Vorgaben des Nordbayerischen Musikbundes gehalten. So haben wir uns sogar Trennwände für unseren Probenraum angeschafft“, informiert Scharnagl. Trotzdem begann im November die nächste Zwangspause.

"Eine Blaskapelle funktioniert nur durch gemeinsames Musizieren, das geht online nicht."

Armin Scharnagl, Leiter der Blaskapelle Konnersreuth

Investiert hat der Verein im vergangenen Jahr in ein neues Outfit für die Musiker. Einnahmen blieben jedoch aus. „Mit den Einnahmen bei unseren Auftritten finanzieren wir die Ausrüstung, Noten und Instrumente“, erklärt Armin Scharnagl. Um mit den Musikern in Kontakt zu bleiben, nutzt der Blaskapellen-Leiter ebenfalls die modernen Medien. „Wir wollen wieder mit den Proben beginnen, sobald es möglich ist. Eine Blaskapelle funktioniert nur durch gemeinsames Musizieren, das geht online nicht“, macht Scharnagl deutlich.

Scharnagl räumt ein, dass die Aussichten auf positive Veränderungen derzeit alles andere als rosig seien. „Ich hoffe aber schon, dass wir nach Ostern loslegen können.“ Überzeugt ist Scharnagl auch, dass das Interesse an der Musik nicht nachgelassen habe. „Blasmusik wird auch künftig gefragt sein.“ Die Menschen bräuchten Musik und Kultur: „Das gehört einfach zum gesellschaftlichen Leben dazu.“

Ehrgeiziges Ziel

Trotz aller Umstände und unabhängig von der bereits erfolgten Absage des Bürgerfestes hat sich die Blaskapelle ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie will am Samstag, 26. Juni, am Therese-Neumann-Platz wieder eine Serenade gestalten. Als besondere Gäste sind dazu auch die Musiker von der Zollkapelle Nürnberg eingeladen. Ein weiterer Höhepunkt im Kalender soll die Primiz des Konnersreuthers Bastian Neumann werden, mit entsprechender musikalischer Gestaltung. Armin Scharnagl abschließend: „Ich hoffe, dass alles wie geplant stattfinden kann.“

So ist die Situation bei den Männergesangvereinen Mitterteich und Konnersreuth

Mitterteich
Ein Publikumsmagnet war in Konnersreuth stets die Serenade mit der Blaskapelle - zuletzt gab es diese Veranstaltung im Sommer 2019. Heuer ist für den 26. Juni eine Neuauflage geplant.
Die Stadtkapelle Mitterteich beim Neujahrsempfang der Stadt im Jahr 2019.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.