26.02.2021 - 11:14 Uhr
MitterteichOberpfalz

Hoffen auf baldigen Neustart: Männergesangvereine Mitterteich und Konnersreuth in der Warteschleife

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Keine öffentlichen Auftritte, keine Proben: Die Corona-Pandemie hat Chöre aller Art verstummen lassen. Die sonst so aktiven Männergesangvereine Mitterteich und Konnersreuth geben Einblicke in die Stimmungslage und ihre Planungen.

Seinen letzten großen Auftritt hatte der Männergesangverein Mitterteich mit Chorleiter Michael Waldenmayer (Zweiter von rechts) beim Jahreskonzert 2019 in der Mehrzweckhalle.
von Josef RosnerProfil

Zu den Säulen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Mitterteich und Konnersreuth gehören die Männergesangvereine. Doch die Chöre befinden sich seit langem in der coronabedingten Zwangspause. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien blicken die Verantwortlichen der Traditionsvereine zurück und geben auch einen Ausblick.

Den Männergesangverein 1865 Mitterteich führt seit April 2019 Markus Schuller als Vorsitzender. Der 45-Jährige ist seit 30 Jahren aktiver Sänger und bereichert den Chor als erster Bass. Nebenbei ist er seit 1999 aktives Mitglied im Vokalensemble „Sing Out“. Den langanhaltenden Stillstand bedauert er sehr. „Wir haben unser Vereinsleben nahezu auf Null runtergefahren. Nichts geht mehr, tote Hose“, kommentiert er die Lage.

Seit zwei Jahren führt Markus Schuller als Vorsitzender den Männergesangverein 1865 Mitterteich.

Den letzten großen öffentlichen Auftritt für den MGV Mitterteich gab es beim Jahreskonzert 2019 in der Mehrzweckhalle, ab Mitte März 2020 musste der Probenbetrieb eingestellt werden, das Vereinsleben kam zum Erliegen. Für eine kleine Abwechslung sorgte im August der 75. Geburtstag des ehemaligen Vorsitzenden Ludwig Kraus: Er wurde an diesem Tag auch zum Ehrenvorsitzenden ernannt. „Wir haben mit einer kleinen Abordnung gratuliert“, erinnert Markus Schuller.

Proben im Museum

Ab September gab es wieder ein leichtes Aufflackern des Vereinslebens, unter Beachtung des Mindestabstands konnten insgesamt vier Singstunden im Museumscafé stattfinden. Damals habe man sogar Pläne für ein kleines Konzert in der Stadtpfarrkirche geschmiedet. Aber im Zuge der neuen Beschränkungen ab November musste dieses Vorhaben gestrichen werden. Das traditionelle Jahreskonzert hatte der Chor wegen der geringen Zahl an Proben schon zuvor abgesagt.

Als Höhepunkt der vergangenen Monate nennt Markus Schuller die gesangliche Umrahmung des Dreikönigs-Gottesdienstes am 6. Januar dieses Jahres in der Stadtpfarrkirche. „Da findet immer unser Gedenken für die verstorbenen Mitglieder statt.“ Gemeinsam mit Chorleiter Michael Waldenmayer übernahmen sechs Sänger in entsprechendem Abstand zueinander von der Empore aus die musikalische Gestaltung.

Infobriefe und Anrufe

Besonders fehle Schuller, „dass wir uns nicht mehr treffen können. Da mal ein kurzer Anruf, ein kurzes Gespräch, das war’s“. Seit Beginn des ersten Lockdowns hat der Vorsitzende drei Infobriefe an die Sänger verschickt, im Sommer, im September und zu Weihnachten. In direktem regelmäßigen Kontakt stehe er sonst nur mit einer Reihe von Vorstandsmitgliedern.

"Wir sind alle mit Feuer und Flamme Sänger. Für uns ist das Singen keinesfalls nur ein Hobby, sondern eine Berufung."

Markus Schuller, Vorsitzender den MGV Mitterteich

„Wir sind alle mit Feuer und Flamme Sänger. Für uns ist das Singen keinesfalls nur ein Hobby, sondern eine Berufung“, betont Schuller. Daher sei er optimistisch, dass alle 22 Sänger bei der Stange bleiben und der Chor singfähig bleibt. Weniger optimistisch fällt sein Blick in die fernere Zukunft aus – ein großes Problem sei der fehlende Nachwuchs. „Es fehlt bei der Jugend einfach das Interesse. Die Kultur hat da keinen hohen Stand."

Völlig offen ist derzeit, wann der Chor wieder loslegen kann. Aber selbst wenn es wieder zulässig ist, wäre es zunächst wohl schwierig mit dem gemeinsamen Singen. „Schließlich gehört der Großteil unserer Sänger altersbedingt der Risikogruppe an“, betont Markus Schuller. Jeder Sänger werde selbstverantwortlich entscheiden müssen, ob er zu den Singstunden kommt oder nicht. Dennoch ist Schuller zuversichtlich, dass der Chor ab der Jahresmitte wieder mit dem Singen starten kann. Schuller hofft, dass dann auch bald wieder Auftritte und Ständchen möglich sind. Und ein festes Ziel ist das Jahreskonzert am ersten Adventswochenende.

Rückblick auf das Jahreskonzert 2019 des MGV Mitterteich

Mitterteich

Die fehlenden Einnahmen seien für den Verein kein Problem. „Wir hatten zwar keine Einnahmen, aber auch keine Ausgaben. Finanziell belastet uns Corona nicht“, versichert Schuller und richtet bei dieser Gelegenheit einen Dank an die Stadt Mitterteich, die den MGV mit der Bereitstellung der Probenräume in der Mittelschule und im Museum hervorragend unterstütze.

Nachfolge noch offen

Der Männergesangverein „Harmonie“ Konnersreuth musste zusätzlich zum anhaltenden Stillstand den Tod von Chorleiter Josef Rosner verkraften. Der leidenschaftliche Musiker war Ende Januar verstorben – 53 Jahre lang hatte Rosner dieses Amt inne. Wer künftig den Chor leiten soll, steht noch nicht fest. Vorsitzender Kosmas Pflaum hat zwar schon eine konkrete Idee, hält sich aber bedeckt. „Ich muss mit ihm erst noch sprechen“, sagt Pflaum, der seit 1993 an der Spitze des Männergesangvereins steht.

Trauer um Chorleiter Josef Rosner

Konnersreuth

Aktiver Sänger ist Pflaum seit mehr als 40 Jahren, im 18-köpfigen Chor wirkt er als erster Bass. Ob er als Vorsitzender noch einige Jahre anhängt, ist ebenfalls offen. Heuer stehen Neuwahlen an. „Wenn sich niemand findet, werde ich wohl weitermachen müssen“, mutmaßt Pflaum.

38 Singstunden im Jahr

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte der Konnersreuther Männergesangverein im Januar 2020 beim Neujahrsempfang der Marktgemeinde. Bis Anfang März fanden dann noch die regelmäßigen Singstunden im Vereinslokal „Kouh-Lenzen“ statt, seitdem geht nichts mehr. „Normalerweise haben wir im Jahr so etwa 38 Singstunden, Corona hat unser Vereinsleben zunichte gemacht“, bedauert Pflaum. Zu den Mitgliedern hält er telefonisch Kontakt. „Wir brauchen das motivierende Gespräch miteinander“, weiß der Vorsitzende.

„Ohne Singstunden, ohne Auftritte und ohne Geselligkeit stirbt die Kultur. Das wäre dann ein armseliges Leben."

Kosmas Pflaum, Vorsitzender des MGV Konnersreuth

125 Jahre wird der Männergesangverein 2023 alt. Größere Feierlichkeiten sind derzeit nicht geplant. Den Blick richtet Kosmas Pflaum zunächst in die nähere Zukunft. Er ist zuversichtlich, dass es mit dem Männergesangverein in Konnersreuth weitergeht, und auch guter Dinge, dass alle Sänger wieder antreten, sobald Zusammenkünfte erlaubt sind. Sorgen bereitet auch dem MGV Konnersreuth der fehlende Nachwuchs. „Unser ältester Sänger ist 85 Jahre alt, unser jüngster 45. Wir brauchen dringend Nachwuchs, wie nahezu alle Chöre“, betont Pflaum und unterstreicht die Bedeutung von Chorgemeinschaften: „Ohne Singstunden, ohne Auftritte und ohne Geselligkeit stirbt die Kultur. Das wäre dann ein armseliges Leben“, so Pflaum.

Kameradschaft und Geselligkeit

Der MGV-Vorsitzende berichtet, dass Chorauftritte seit einiger Zeit wieder stärker gefragt seien: „Die Leute wollen unseren Gesang wieder hören.“ Um Nachwuchs wirbt Kosmas Pflaum auch mit dem Hinweis auf die Kameradschaft und die Geselligkeit. Die Singstunden finden normalerweise jeden Freitag ab 20 Uhr statt, im Mittelpunkt stehen traditionelles deutsches Liedgut, Volksmusik und Kirchenmusik.

Kosmas Pflaum singt seit mehr als 40 Jahren aktiv im Männergesangverein Konnersreuth, seit 28 Jahren ist er auch dessen Vorsitzender.

„Es wird höchste Zeit, dass wir wieder singen dürfen, wir brauchen den Gesang und die Geselligkeit“, betont Kosmas Pflaum abschließend. „Unsere Sänger sind voller Vorfreude, sie warten nur darauf, wieder singen zu dürfen.“ Große Hoffnungen setzt der MGV darauf, dass in diesem Sommer das beliebte und stets stark besuchte Weinfest steigen kann, das im Vorjahr ausfallen musste. Dieses soll heuer wieder über die Bühne gehen, „wenn es nur irgendwie geht“.

Im Januar 2020 beim Neujahrsempfang der Marktgemeinde hatte der Männergesangverein Konnersreuth seinen bislang letzten großen öffentlichen Auftritt - damals noch mit dem kürzlich verstorbenen Chorleiter Josef Rosner (links).

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