31.03.2021 - 13:21 Uhr
MitterteichOberpfalz

Brauchtumspflege in Mitterteich: Oierhiartn nur im ganz kleinen Rahmen

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Das Oierhiartn ist fester Bestandteil der Brauchtumspflege in Mitterteich. Heuer muss es schon zum zweiten Mal ausfallen. Organisator Willi Schneider schwelgt in Erinnerungen und betont, dass er nicht ganz auf das Ritual verzichten wird.

Bei schönem Wetter war beim traditionellen Oierhiartn stets viel los rund um den Stiftländer Heimatbrunnen. Für viele Mitterteicher gehört der Besuch der Veranstaltung zum Osterwochenende fest dazu. Wegen der Corona-Pandemie muss das bunte Treiben schon zum zweiten Mal ausfallen. Das Foto entstand am Ostersonntag im Jahr 2019.
von Josef RosnerProfil

Die Corona-Pandemie verhindert auch heuer das traditionelle Oierhiartn am Stiftländer Heimatbrunnen am Anger. Willi Schneider, seit fast 50 Jahren Cheforganisator der Veranstaltung, bedauert den erneuten Ausfall sehr. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien blickt er zurück und berichtet, dass er die Tradition der Eierduelle auch in diesem Jahr pflegen werde, wenn auch im ganz kleinen Rahmen.

Das Oierhiartn, wie es zuletzt zwei Jahren am Ostersonntag stieg, gibt es in Mitterteich seit Anfang der 70er Jahre. "Ich habe da nie gefehlt", betont der 78-Jährige, der bekanntlich über Veranstaltungen in Mitterteich genau Buch führt und unzählige Zeitungsartikel in seinem Archiv angesammelt hat.

Früher bei der Kirche

Vor dem Zweiten Weltkrieg fand das Oierhiartn stets bei der Stadtpfarrkirche statt. Erst nach dem Krieg wurde der Stiftländer Heimatbrunnen am Anger, der älteste Brunnen der Stadt, als neuer Schauplatz gewählt. "Früher war das Oierhiartn nichts Offizielles, eher eine ,wilde Veranstaltung'", weiß Schneider. Erst als er sich bereit erklärte, die Organisation zu übernehmen, sei es eine offizielle Veranstaltung mit geordnetem Ablauf geworden.

"Früher war das Oierhiartn nichts Offizielles, eher eine ,wilde Veranstaltung'".

Willi Schneider

Jeweils vor Ostern wird der Stiftländer Heimatbrunnen von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs mit Osterschmuck versehen. Hunderte bunte Ostereier verzieren die Krone. Zumindest dies wird auch heuer der Fall sein. Gäbe es die Pandemie nicht, würden am Nachmittag des Ostersonntags Willi Schneider und ein Vertreter der Stadt, zumeist der Bürgermeister, das Spektakel eröffnen. Danach wären die Besucher aufgerufen, sich zu duellieren. Stets gilt: Wer das Ei seines Gegners beschädigt, darf dieses als "Beute" behalten.

Häufig schlug Willi Schneider beim Eröffnungsduell dem Bürgermeister oder dessen Stellvertreter ein Schnippchen. Und der Burschenverein stellte in den vergangenen Jahren jeweils jede Menge bunte Ostereier zur Verfügung, die von den Kindern und Erwachsenen für die Eierduelle verwendet werden konnten. Nicht fehlen dürfen natürlich auch Süßigkeiten, um die kleinen Duellanten nach Niederlagen zu trösten.

Weitergabe des Brauchtums

"Vor allem für die Kinder ist es immer ein großes Fest", berichtet Schneider und freut sich, dass das Spektakel im Laufe der Jahre immer mehr Besucher angelockt hat. Durch die Teilnahme ganzer Familien sei das Brauchtum auch den jungen Mitterteichern vermittelt worden. Häufig habe am Ostersonntag strahlender Sonnenschein geherrscht, entsprechend viel sei rund um den Heimatbrunnen los gewesen, erinnert sich Schneider. Durchgeführt habe man das Oierhiartn aber bei jedem Wetter, egal ob bei Regen oder sogar Schnee.

Lachend erzählt Willi Schneider, dass früher auch noch viel mehr um den Sieg gefeilscht worden sei als heutzutage. Manche Teilnehmer seien mit ganz besonderen Eiern angetreten - zuvor aufgefüllt mit Gips oder Pech. Entsprechend eindeutig seien die Duelle ausgegangen. "Aber wir sind ihnen auf die Schliche gekommen", betont Schneider. Er ist aber überzeugt, dass auch die normalen Eier früher generell härter gewesen seien. "Wahrscheinlich weil sie alle von Freilandhühnern waren", meint er. Froh ist er jedenfalls, dass seit langem die Gaudi statt Ehrgeiz im Mittelpunkt steht.

Willi Schneider will die Tradition des Oierhiartns beim Stiftländer Heimatbrunnen so lange pflegen, wie es nur geht. Er hofft, dass es nächstes Jahr wieder mit vielen Besuchern und ohne Beschränkungen rund gehen kann am Anger. Die Vorfreude aufs Osterfest hat sich Schneider nicht nehmen lassen. "Zu Hause haben wir schön dekoriert, das muss sein." Und auf den Wettstreit mit bunten Eiern werde keinesfalls verzichtet: "Am Ostersonntag gibt es ein Eierduell mit meiner Frau Irmgard."

Willi Schneider und viele weitere Mitterteicher traf auch der Ausfall des Faschings 2021

Mitterteich
Zuletzt vor zwei Jahren duellierten sich Organisator Willi Schneider (rechts) und Stefan Grillmeier – damals noch Zweiter Bürgermeister – vor dem Osterbrunnen.
Jung und Alt treten beim Oierhiartn gegeneinander an.

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