18.03.2020 - 23:22 Uhr
MitterteichOberpfalz

Coronavirus: Ausgangssperre in Mitterteich verhängt

Die Zahl der Coronafälle in Mitterteich steigt weiter rasant. Das Landratsamt Tirschenreuth greift daher zu einer extremen Maßnahme: Es verhängt eine Ausgangssperre für das Stadtgebiet.

von Martin Maier Kontakt Profil

Seit Montag verschärft sich die Coronasituation im Landkreis Tirschenreuth dramatisch. Nach dem Wochenende meldete das Landratsamt einen Anstieg der Covid-19-Fälle von 10 auf 30. Dabei gab es auch den Hinweis, dass der Schwerpunkt in Mitterteich liegt. Mittlerweile sind 47 Covid-19-Fälle bestätigt (Stand: Mittwoch, 14 Uhr), davon 25 in Mitterteich.

Diese Entwicklung hat Landrat Wolfgang Lippert am Mittwoch veranlasst, für das Stadtgebiet Mitterteich eine Ausgangssperre bis einschließlich 2. April zu erlassen (Hintergrund). Das ist im Zuge der Coronakrise bisher einmalig in Bayern.

Schon bei der Sitzung des Katastrophenschutz-Stabs am Vormittag habe sich diese Entscheidung angedeutet. „Wir waren unisono der Meinung, dass wir die Maßnahmen anziehen müssen, was vor allem die Ortschaft Mitterteich betrifft“, erklärte Lippert bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochnachmittag.

Die Allgemeinverfügung als PDF

Daher habe er um 10.15 Uhr angeregt, eine Ausgangsperre zu erlassen. „Ich denke, diese ist mit Blick auf die neuen Zahlen richtig.“ Von den 47 Covid-19-Fällen im Landkreis befinden sich 15 in Krankenhäusern, davon stammen 9 aus Mitterteich. 5 Patienten werden beatmet, davon 3 aus der Kleinstadt. Der Landrat verwies darauf, dass auch Gesundheitsministerin Melanie Huml und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel (LGL) informiert wurden. Zudem hatte Lippert mit Innenminister Joachim Herrmann telefoniert. „Er hält diese Maßnahme für angemessen und richtig. Er hat uns alle Unterstützung zugesagt, die wir für notwendig halten“, so der Landrat.

Der Minister hatte sich am Mittwochabend selbst ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. „Die Entscheidung des Landrats für die Ausgangssperre halte ich für absolut richtig“, erklärte Herrmann. Am Landratsamt in Tirschenreuth tauschte er sich mit dem Katastrophenschutzstab um Landrat Lippert aus. Danach ging es bis kurz vor Mitterteich zur Rettungswache. Dort informierte Bürgermeister Roland Grillmeier den Innenminister über die Sorgen der Bürger.

„Es muss konsequent gehandelt werden und das wird auch getan“, lobte Hermann das Vorgehen. Ein solcher Corona-Hotspot wie in Mitterteich sei ihm in dieser Form in Bayern sonst nicht bekannt. Bei der Frage nach einer Ausgangssperre für den ganzen Freistaat verwies Herrmann auf Ministerpräsident Markus Söder: Diese Maßnahme stehe momentan nicht auf der Tagesordnung.

Die Besorgnisse in der Bevölkerung nehmen laut dem Innenminister sicher zu. Den Ernst der Lage würden immer mehr Bürger erkennen. Corona sei nicht vergleichbar mit Ebola, Pest oder Cholera. Jeder müsse einen Beitrag leisten, andere nicht unnötig zu gefährden. „Das muss unser Verhalten prägen.“ Mit Blick auf die bisher getroffen Maßnahmen in Bayern, sagte Hermann: „Wir tun heute schon vieles, was ich noch vor zwei Monaten für unvorstellbar gehalten hätte.“

Die Ausgangssperre in Mitterteich wird die Polizei überwachen. Dazu zeigt sie laut Lippert eine verstärkte Präsenz durch mobile Streifen. „Wir sind der Lage angepasst vor Ort“, erklärte der Waldsassener PI-Chef Roland Heldwein auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Dies richte sich danach, wie sehr die Bevölkerung die Verfügung einhalte. „Wer sich nicht daran hält, begeht eine Straftat“, machte Heldwein deutlich. Im Raum stehen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Die Bürger würden noch einmal durch Lautsprecherdurchsagen und Handzettel auf die Ausgangssperre hingewiesen.

Einen Grund für die verstärkte Verbreitung des Coronavirus in Mitterteich konnte Lippert nicht nennen. Er sprach von einigen Gerüchten. Seit Mittwoch verstärken zwei Epidemiologen das Gesundheitsamt. Diese würden versuchen, die Infektionsketten näher zu verfolgen. Es gehe darum, genau „den Hotspot zu ergründen, wo die Infizierungen besonders zahlreich entstanden sind“.

Zum Schluss betonte der Landrat noch einmal, dass man durch diese Maßnahmen die Ausbreitung des Virus hemmen will. „Es sind Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Es gibt aber keinen Grund zur Panik.“

Hintergrund:

Die Allgemeinverfügung

Das Landratsamt Tirschenreuth hat auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes für das Stadtgebiet von Mitterteich bis einschließlich 2. April eine Ausgangssperre verfügt. Das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund wird untersagt. Ausgenommen von dem Verbot sind die Ortsteile Großbüchlberg, Großensterz, Gulg, Hammermühle, Kleinbüchlberg, Kleinsterz, Oberteich, Pechofen, Pleußen, Steinmühle.

Zudem ausgenommen von dem Verbot sind:

1. Hin- und Rückweg zur jeweiligen Arbeitsstätte mit Bescheinigung des Arbeitgebers (bei der Schott AG ist das beispielsweise der Werksausweis)

2. Einkäufe für den Bedarf des täglichen Lebens innerhalb des Stadtgebiets Mitterteich

3. Besuche von Arztpraxen, Sanitätshäusern, Optikern, Hörgeräteakustikern und Gesundheitspraxen (z. B. Physiotherapie-Einrichtungen)

4. Apothekenbesuche innerhalb des Stadtgebiets Mitterteich

5. Besuche von Filialen der Deutschen Post

6. Tanken an Tankstellen

7. Geldabheben bei Banken

8. Hilfeleistungen für Bedürftige

9. Feuerwehrkräfte und Rettungskräfte auf dem Weg zum Stützpunkt oder Einsatzort

10. Notwendiger Lieferverkehr

11. Abgabe von Briefwahlunterlagen

12. Unabdingbare Versorgungen von Haustieren

In begründeten Fällen kann beim Landratsamt Tirschenreuth eine Ausnahme beantragt werden. Wenn jemand nicht weiß, wie er sich verhalten soll, kann er sich an die Bürgerhotline, Telefon 09631/88244, wenden.

Im Blickpunkt:

„Nina“-Warnapp

Jürgen Meyer, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz, verwies explizit auf die „Nina“-Warnapp. Diese könne sich jeder Bürger herunterladen. Diese App liefere alle wichtigen und aktuellen Informationen rund um Corona für die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und die Stadt Weiden. Mit Blick auf den "Hotspot Mitterteich" sagte Meyer gegenüber Oberpfalz-Medien: "Es ist mindestens fünf, wenn nicht eine Minute vor zwölf."

Reaktion:

Schock für Bürgermeister

„Der Landrat hat mich heute Nachmittag informiert, dass der Krisenstab vorhat, eine Ausgangssperre zu organisieren“, sagte Bürgermeister Roland Grillmeier auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien am Mittwochabend. Als er den Anruf erhielt, war es erst einmal ein Schock für ihn.

„Nach den Ereignissen der vergangenen Tage kann ich es aber nachvollziehen und werde diese Entscheidung auch mittragen.“ Grillmeier bittet die Bürger Ruhe zu bewahren und in dieser Situation zusammenzuhalten. „Arbeiten und Einkaufen geht ja noch nach wie vor. Die Aktion soll auf die Ernsthaftigkeit der Lage hinweisen“, erklärte er.

Es sei wichtig, dass die Bürger ihre sozialen Kontakte einschränken und eben nicht in umliegende Orte fahren. Grillmeier vermutet, dass Mitterteich nicht der einzige Ort bleiben wird, wo eine Ausgangssperre verhängt wird. Für ihn ist es bislang nicht nachvollziehbar, wie sich die Krankheit so schnell verbreiten konnte. Bezüglich des Gerüchts, das Mitterteicher Starkbierfestes sei ein Ausgangspunkt, sagt er: „Von den Infizierten kenne ich bislang nur einen Fall, der positiv getestet wurde, und auf dem Starkbierfest war.“ Er bestätigt, dass die Covid-19-Fälle quer durch alle Gesellschaftsschichten gehen. „Es ist nicht nachvollziehbar, wo es genau herkommt.“ Ihm sei es wichtig, dass sich die Bürger nun an die Ausgangssperre halten und diese akzeptieren, sonst könne es für den Einzelnen zu erheblichen Konsequenzen führen. (lue)

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informiert

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Kommentare

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Christoph Driesner

Ich dachte ja immer der Herr Grillmeier hätte den mittleren Dienst auf dem Finanzamt absolviert, aber er ist anscheinend auch Virologe, weil trotz der Meinung der Experten, dass das Starkbierfest der Auslöser der Infektionen war wiederspricht der Herr Grillmeier dem aufs Heftigste.
Zitat:

"Mir ist bisher ein einziger Fall bekannt von einer jungen Dame, die auf diesem Starkbierfest war."
Na hoffentlich ist er der nicht zu nahe gekommen :)

Einer mit Verantwortung der hätte gesagt, naja, da werde ich dann halt von ein paar Leuten weniger gewählt und ein paar sind sauer auf mich, aber aus Sicherheitsgründen sagen wir das mal ab.
Und dann lässt er sich noch in einer Pose wie der grosse Feldherr vor der Schlacht in der Zeitung mit der Polizei ablichten und tut so als würde er jetzt Mitterteich retten.
Aber dann den Leuten gleich mit der Polizei und Gefängnis drohen wenn sie mal an die frische Luft gehen anstatt mal aufzuklären und mit Vernunft zu argumentieren.
Hier noch ein Bild vom Herrn Grillmeier, der wurde ja auf dem Fest zum Ehrenschirmherrn ernannt, ich gratuliere:
https://www.onetz.de/oberpfalz/konnersreuth/starkbier-stimmungsmusik-id2986664.html

und auf ex, Herr Grillmeier.

Immerhin kennt jetzt jeder den Landkreis Tirschenreuth, weil sogar in den heute Nachrichten wurde er als Infektionsherd erwähnt.

21.03.2020
Peter Moller

...Na ja da hält der Mitterteicher Bürgermeister noch vor nicht langen Tagen eine Corona Party (Starkbierfest) im großen Still ab. Ich frag mich ob man nur kompl. Verantwortungs los war?

Zu diesen Zeitpunkt waren die Medien mit Warnungen und die staatl. Vorgaben doch schon klar, keine Großveranstaltungen! Und diese Corona Starkbier Party war für Mitterteich eine Großveranstaltung (wenn auch keine 1000 Personen).

Es stellt sich für mich die Frage ob man diese fragliche Party woll mit dem Hintergrund der zuvorstehenden Landratswahl genemigt bzw. nicht abgesagt hat, um nochmals die Möglichkeit zu haben sich Stimmen zu erkaufen ... !?

...shame on you "Mr. President"

...wieviel Sterbende hat man für diese Corona Party in Kauf genommen? Oder waren da die Mitterteicher Führer mit zu wenig Verstand ausgestattet? Wenn das so ist, tretten Sie von deinen neuen Job zurück "Mr.President"

... Ich selber habe vor 2 Wochen im Krankenhaus sehen müßen wie mehre alte Leute an Lungenentzündung (vermutl. nicht durch die neue Seuche..) sterben mußten.

...Ich hoffe für Sie, das nicht Ihr Groß-/Vater oder Mutter/Oma bei den Sterben dabei sein muß, und das alles für eine politische Werbeveranstaltung
... shame on you Mr President !

...Corona Party = bewusst eine Ansteckung herbeizuführen, aktuell bei dummen Jugentlichen in... Jugentlich sollen ja mit Corona kein Problem haben, das die Idioten das Virus nach Hause tragen ... da reicht das Hirn scheins nicht...

19.03.2020
Christoph Driesner

Ich finde dieses Krisenmanagement wirft doch einige Fragen auf:
1. Wie kann es sein dass das Starkbierfest noch stattfand? Wer war für die Genehmigung verantwortlich und warum wurde es vom Bürgermeister Grillmeier nicht abgesagt? Kurz vor der Kommunalwahl?...
2. Woher will der Herr Grillmeier denn jetzt so genau wissen dass sich auf dem Starkbierfest niemand angesteckt hat? Er persönlich kennt nur einen der sich dort angesteckt hat, aha? Eine sehr wissenschaftliche Aussage. Das klingt mir doch sehr nach Versagen seinerseits. Wenn er einen Infizierten persönlich kennt, hat er selber einen Test gemacht um sicher zu sein sich nicht angesteckt zu haben?
"Er bestätigt, dass die Covid-19-Fälle quer durch alle Gesellschaftsschichten gehen." ja eben Herr Grillmeier, auf dem Starkbierfest sind ja auch alle Gesellschaftsschichten vertreten.
3. Bei den Ausgangssperren die in Frankreich und Belgien im ganzen Land wohlgemerkt verhängt wurden ist das Ausüben sportlicher Aktivitäten als Einzelperson im Freien ausdrücklich von der Ausgangssperre ausgenommen bzw. sogar erwünscht da das permanente Zuhauserumsitzen auch nicht gerade gut für die Allgemeingesundheit ist.
Wie stellt sich denn der Herr Lippert das vor wielange die Leute daheim sitzen sollen? Bin gespannt wann sich der Erste aufhängt.
4. Und wieso hat der Herr Lippert nicht generell dafür gesorgt, dass im ganzen Landkreis Veranstaltungen wie das Starkbierfest nicht mehr stattfanden?

19.03.2020