17.03.2020 - 17:35 Uhr
MitterteichOberpfalz

Coronavirus: Lage in Mitterteich spitzt sich zu

Die Lage wegen des Coronavirus spitzt sich in Mitterteich zu: Das Landratsamt empfiehlt den Bürgern noch einmal explizit, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

von Martin Maier Kontakt Profil

"Es scheint so, dass sich der Coronavirus im Landkreis besonders einnistet", eröffnete Landrat Wolfgang Lippert eine kurzfristige Pressekonferenz am Landratsamt am Dienstagnachmittag. Hotspot sei die Stadt Mitterteich. Im Landkreis gibt es mittlerweile 40 bestätigte Covid-19-Fälle (Stand: Dienstag, 10.30 Uhr). Davon sind 19 in Mitterteich, 6 in Waldsassen und 4 in Tirschenreuth. "Der Krankheitsverlauf kann durchaus schwerwiegend sein", verwies Lippert darauf, dass von den 40 Patienten 7 beatmet werden. Bei den bisher Infizierten handele es sich hauptsächlich um ältere Menschen, aber es seien durchaus auch jüngere betroffen. Die Altersspanne liege zwischen 9 und 83 Jahren.

Da die Zahl der Coronafälle von Montag auf Dienstag von 30 auf 40 gestiegen ist, war es dem Landrat wichtig, die Bevölkerung noch einmal zu sensibilisieren: "Wir haben einen wirklichen Ernstfall, mit dem nicht zu spaßen ist." Der Stab des Katastrophenschutzes (Hintergrund) habe daher am Dienstagvormittag die weiteren Schritte eingeleitet.

Dazu gehört, dass die Feuerwehr am Dienstag um 17 Uhr durch Mitterteich fuhr und Lautsprecherdurchsagen machte, um die einzelnen Haushalte auf die schwierige Situation hinzuweisen. Inhalt der Ansage: Die sozialen Kontakte sollen sofort auf ein Minimum reduziert werden. "Das heißt aber nicht, dass man nicht mehr in die Arbeit geht", betonte Lippert. Zudem haben die Feuerwehren noch am Dienstag an alle Haushalte im Landkreis entsprechende Handzettel verteilt. Die Vorgehensweise sei mit der Task-Force Infektiologie am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel (LGL) abgesprochen. "Diese hat unsere Maßnahmen absolut begrüßt", sagte Lippert

Laut ihm sind im Landkreis bisher zwischen 250 und 300 Bürger unter Quarantäne. Es sei wichtig, den Prozess der Infizierungen zu verlangsamen. Nur dadurch könne die medizinische Versorgung in Zukunft aufrecht erhalten werden. "Wir haben eine sehr, sehr ernste Situation im Landkreis. Wir haben sie aber erkannt", verwies der Landrat darauf, dass man schon seit 2. März täglich alles neu bewerte.

Video von der Pressekonferenz:

Wo sich betroffene Bürger in Mitterteich (Einrichtung oder Veranstaltung) explizit infiziert haben könnten, konnte Regina Kestel, Leiterin des Katastrophenschutzes, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien nicht sagen: "Es ist sehr, sehr schwer, diese Ketten nachzuvollziehen. Wir haben Vermutungen, aber wir wissen es nicht", so die Regierungsdirektorin, die dabei noch einmal auf die Entwicklung der Coronafälle im Landkreis einging. Den ersten bestätigten Fall gab es am Dienstag, 10. März. "Das war ein 83-Jähriger, der nicht auf irgendeiner Veranstaltung war." Das immer wieder in sozialen Medien genannte Mitterteicher Starkbierfest, könne sie nicht bestätigen. "Das sind Vermutungen. Man weiß es nicht." Zum Schluss machte Lippert deutlich, dass die Hinweise nichts mit einer Ausgangssperre zu tun haben. "Wir wollen die Leute sensibilisieren. Die Bevölkerung muss den Ernst der Lage erkennen." Vollkommen falsch sei, in Panik zu verfallen.

Für die Durchsagen waren am späten Dienstagnachmittag Fabian Krämer und Stephan Thoma (Feuerwehr Wiesau) in Begleitung von Günther Sommer (Mitterteich) mit dem Fahrzeug der Einsatzleitung des Katastrophenschutz in den Straßen von Mitterteich unterwegs. Per Lautsprecher informierten sie die Bürger: "Achtung, aufgrund der Corona-Krise empfiehlt das Landratsamt Tirschenreuth dringend, soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Berufliche Verpflichtungen bleiben davon unberührt." Wie Kreisbrandrat Andreas Wührl bestätigte, fuhren auch andere Wehren durch ihre Orte und informierte über die Situation mittels Lautsprecher, beispielsweise in Fuchsmühl und Waldershof. "Wir wollen alles versuchen, damit die Bevölkerung zu Hause bleibt", erklärte Wührl. Ausnahmen seien Arbeit und Einkaufen.

Die aktuellen Coronazahlen des Landkreises Tirschenreuth (Stand: Montag, 16. März):

Tirschenreuth
Hintergrund:

Wer ist im Katastrophenschutzstab?

Der Stab des Katastrophenschutzes im Landkreis Tirschenreuth besteht nach Angaben von Regierungsdirektorin Regina Kestel aus Mitarbeitern des Landratsamts Tirschenreuth, BRK, dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr, allen drei Polizeiinspektionen des Landkreises, THW, Gesundheitsamt und Feuerwehr. Der örtliche Einsatzleiter ist Kreisbrandrat Andreas Wührl. (rti)

Im Blickpunkt:

Schott AG: "Wir haben alles im Griff"

Die Schott AG in Mitterteich weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass sie wegen des Coronavirus schon länger besondere Maßnahmen ergriffen hat. "Die Lage ist unverändert: Wir haben alles im Griff." Das Werk bestehe schon seit geraumer Zeit aus verschiedenen Zonen, damit die Mitarbeiter möglichst geschützt arbeiten können. Täglich würden mehrmals kritische Infrastrukturpunkte desinfiziert. Zudem gebe es Notfallpläne und die Werksärztin berate bei allen medizinischen Fragen. Ein ganzer Katalog von Corona-Maßnahmen sei bereits in Kraft gesetzt. "Die Ansteckungsgefahr im Werk ist derzeit wohl geringer als außerhalb", schreibt der Glaskonzern. Die Maßnahmen des Landkreises bezüglich der Stadt Mitterteich begrüße Schott daher. Natürlich stelle auch der Weg zum Werk für Mitarbeiter und Lieferanten keine Bedrohung dar. "Wir produzieren bisher störungsfrei weiter und das soll auch so bleiben", betont die Schott AG. (rti)

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Kommentare

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Peter Moller

...Na ja da hält der Mitterteicher Bürgermeister noch vor nicht langen Tagen eine Corona Party (Starkbierfest) im großen Still ab. Ich frag mich ob man nur kompl. Verantwortungs los war?

Zu diesen Zeitpunkt waren die Medien mit Warnungen und die staatl. Vorgaben doch schon klar, keine Großveranstaltungen! Und diese Corona Starkbier Party war für Mitterteich eine Großveranstaltung (wenn der eine auf den andern sitzt).

Es stellt sich für mich die Frage ob man diese fragliche Party woll mit dem Hintergrund der zuvorstehenden Landratswahl genemigt bzw. nicht abgesagt hat, um nochmals die Möglichkeit zu haben sich Stimmen zu erkaufen ... !?

...shame on you "Mr. President"

...wieviel Sterbende hat man für diese Corona Party in Kauf genommen? Oder waren da die Mitterteicher Führer mit zu wenig Verstand ausgestattet? Wenn das so ist, tretten Sie von Ihren neuen Job zurück "Mr.President"

... Ich selber habe vor 2 Wochen im Krankenhaus sehen müßen wie mehre alte Leute an Lungenentzündung (vermutl. nicht durch die neue Seuche..) sterben mußten.

...Ich hoffe für Sie, das nicht Ihr Groß-/Vater oder Mutter/Oma bei den Sterben dabei sein muß, und das alles für eine politische Werbeveranstaltung
... shame on you Mr. President !

...Corona Party = bewusst eine Ansteckung herbeizuführen, aktuell bei besonders dummen Jugentlichen in... Jugentlich sollen ja mit Corona kein Problem haben, das die Idioten das Virus nach Hause tragen ... da reicht das Hirn scheins nicht...

19.03.2020