16.03.2020 - 18:45 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

20 neue Coronavirus-Fälle: Schwerpunkt in Mitterteich

Das Coronavirus stellt den Landkreis vor eine nie dagewesene Situation. Die Lage ist ernst: Die Zahl der Infizierten steigt, die Hamsterkäufe nehmen zu und vermehrt schließen Arztpraxen. Ist die Grundversorgung vor Ort noch gewährleistet?

Der Schwerpunkt der bestätigten Coronavirus-Fälle im Landkreis Tirschenreuth befindet sich aktuell im Raum Mitterteich. Rund die Hälfte der Infizierten lebe dort.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Die Ausbreitung des Coronavirus schreitet im Landkreis voran, Maßnahmen und Verordnungen der bayerischen Regierung schränken das öffentliche Leben von Tag zu Tag mehr ein. Laut dem Landratsamt gibt es seit Montag 30 Fälle, davon sind 20 neu am Wochenende hinzugekommen. Der Schwerpunkt mit den Infizierten befindet sich nach einer aktuellen Pressemitteilung im Raum Mitterteich. Hier lebt rund die Hälfte der bestätigten Fälle. "Es werden hiermit alle Bürger dringend aufgefordert, unnötige Kontakte zu vermeiden, damit die Ausbreitung verlangsamt werden kann", heißt es.

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Neue Hotline-Nummer

Das Gesundheitsamt in Tirschenreuth hat nun auch eine weitere Hotline-Nummer eingerichtet. Die Mitarbeiter sind neben der bisherigen Nummer 09631/7076-76 auch über die 09631/88-410 erreichbar. Wegen der hohen Nachfrage kann es aber zu Wartezeiten kommen. "Noch immer blockieren banale Anrufe die wichtigen Anliegen", erklärt Wolfgang Fenzl, Pressesprecher des Landratsamtes. Im Gesundheitsamt wird momentan auch das Personal aufgestockt. Zehn Mitarbeiter aus anderen Abteilungen werden gebraucht, um weitere Kontaktpersonen zu ermitteln und die Hotline zu betreuen. "Das machen wir, damit wir noch besser präventiv aufgestellt sind", so der Pressesprecher.

Im Blickpunkt:

Landratsamt: Nur noch Terminvereinbarung

Nach der Pressemitteilung des Landratsamts herrscht ab Dienstag nur noch eingeschränkter Dienstbetrieb. "Termine und Vorsprachen sind nur noch nach telefonischer Vereinbarung möglich", heißt es. Die KFZ-Zulassungsstelle ist nur noch von 7.30 bis 13 Uhr geöffnet. Termine können unter der Telefonnummer: 09631/88-246 vereinbart werden. Gleiches gilt für die Zulassungsstelle in Kemnath. Dort ist ab sofort noch von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet. Terminvereinbarung unter: 09642/707-760.

Immer wieder bekommen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts am Telefon mit, dass die Coronakrise in der Bevölkerung noch nicht richtig ernst genommen, aktuelle Maßnahmen als übertrieben wahrgenommen würden. "Jetzt haben wir noch eine Chance, die Ausbreitung einzuschränken", betont Fenzl. "Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen und unnötige Treffen vermeiden."

Wegen des Virus schließen zunehmend Arztpraxen: Neben der Hautarztpraxis von Dr. Albert Frank in Tirschenreuth und der Facharztpraxis von Dr. Wolfgang und Dr. Kurt Fortelny in Waldsassen sind nun auch die Allgemeinarztpraxis von Dr. Achim Nemsow und die Frauenarztpraxis von Dr. Ladislav Dedek in Waldsassen geschlossen. Laut Fenzl ist die ärztliche Versorgung derzeit noch gesichert. "In den Praxen wird geprüft, ob diese zumindest mit einem Vertreter weitergeführt werden können."

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BRK-Mitarbeiter in Quarantäne

Ebenfalls nimmt der Druck auf den Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes zu. "Es gibt auch bei uns immer wieder Mitarbeiter, die in Quarantäne sind", erklärt stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer Sven Lehner. Momentan handele es sich um Einzelfälle. Betroffen seien auch Mitarbeiter, die in den vom BRK betreuten Alten- und Pflegeheimen arbeiten. Bewohner seien bislang nicht betroffen.

In den vier Seniorenzentren in Kemnath (Haus Falkenstein), Plößberg (Haus Frohnwiesn) und Tirschenreuth (Haus Mühlbühl und Haus Ziegelanger) wurden bereits in den vergangenen Wochen die Hygienemaßnahmen verstärkt. Trotz der Umstände werde versucht, soviel Normalität für die Bewohner wie möglich zu schaffen. "Der Betrieb soll aufrecht erhalten bleiben."

Täglich müsse der Dienstplan beim BRK-Kreisverband neu bearbeitet werden. Es gebe auch einen Einsatzstab, der die Situation im Blick behält. Auch durch die Kinderbetreuung und die Grenzschließung fehlen Mitarbeiter. "Personen, die in Tschechien leben, brauchen länger, um zur Arbeit zu kommen", erklärt Lehner. Die Situation sei eine Herausforderung und eine Belastung für das BRK. Jedoch könne der Kreisverband aktuell noch alle zu besetzenden Stellen abdecken. "Das ist der Stand jetzt", betont Lehner.

In den Apotheken nimmt der Kundenverkehr zu. Hamsterkäufe gebe es aber noch keine. "Ich kann die Leute beruhigen: Es gibt genügend Medikamente", sagt Christian Züllich, Pressesprecher der Apotheken im Landkreis. Er sieht der Situation aktuell gelassen entgegen. "Gekauft werden meist immunstärkende Präparate. Oder Mittel für die Hausapotheke wie Kopfschmerzmittel oder Hustensaft."

Apotheken im Landkreis produzieren aktuell selbst Desinfektionsmittel. Diese werden auch an Unternehmen verkauft. Wie das geht, zeigt Mitarbeiterin Anna Probst in der Stadtapotheke in Tirschenreuth.

Obwohl es bereits vor der Corona-Pandemie Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten gab, werden nach Züllich die Auswirkungen durch den Virus - zum Beispiel bei der Produktion in China - erst gegen Ende des Jahres spürbar. "Die Kollegen im Landkreis arbeiten vorausschauend, um aus Lieferengpässen keine Versorgungsengpässe entstehen zu lassen." So werden rechtzeitig Medikamente auf Vorrat bestellt. Zudem seien Medikamente gut lieferbar. "Das wird auch so bleiben. Es gibt keinen Grund zur Panik." Die Apotheken im Landkreis produzieren inzwischen Desinfektionsmittel, um den Bedarf in der Region zu decken. So auch unter anderem die Stadtapotheke in Tirschenreuth. "Wir liefern an zwei größere Unternehmen, die das Mittel für die Belegschaft einsetzen", so Züllich.

Mitarbeiter an den Grenzen

Ab Mittwoch sollen zahlreiche Geschäfte geschlossen werden. Ausgeschlossen sind Supermärkte. Stefan Legat hat drei Edeka-Märkte in Mitterteich, Waldsassen und Kemnath. "An den bestehenden Öffnungszeiten meiner Märkte sind keine Änderungen geplant", erklärt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Denn schon jetzt seien seine Mitarbeiter an den Grenzen ihrer Belastbarkeit. "Jetzt noch einen Tag zu öffnen, würde diese Situation weiter verschärfen." Seiner Ansicht nach sei ein weiterer Verkaufstag auch nicht notwendig. "Generell ist die Versorgung der Märkte und damit unserer Kunden mit Lebensmitteln bundesweit sichergestellt." Zwar könne beobachtet werden, dass es in einigen Sortimentsbereichen, etwa bei haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln und Konserven oder auch Hygieneprodukten, zu einer erhöhten Nachfrage komme. Trotzdem könne die Belieferung der Waren über die Logistikzentren gewährleistet werden.

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