12.09.2018 - 13:11 Uhr
MitterteichOberpfalz

Doppelstunde mit Schulminister

Gleich am ersten Schultag machen viele Lehrkräfte Überstunden. Bei einer abendlichen Runde mit dem Kultusminister stellen sie kritische Fragen. Bernd Sibler scheut sich nicht vor klaren Antworten.

Minister Bernd Sibler schaut sich bei Metallbau Forster um.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Er lasse eigentlich ungern verbal die "Hosenträger schnalzen", sagt der bayerische Kultusminister beim "Bildungsblitzlicht", wie die CSU den Termin im Museumscafé getauft hat. Doch das Licht bayerischer Bildungspolitik will der gelernte Gymnasiallehrer, der vor seinem Einstieg in die Politik drei Jahre unterrichtet hat, nicht unter den Scheffel stellen: "Wir sind gut. Aber wir möchten immer noch ein Stück besser werden."

Noch einige große Klassen

Die Moderation der 90 Minuten übernahm Realschullehrerin Tanja Renner aus Schlammersdorf, CSU-Listenkandidatin für den Landtag. Über 50 Besucher, darunter viel Lehrpersonal aller Schularten, waren gekommen. Der Minister betonte, für kleinere Klassen sei in Bayern "schon richtig was getan" worden. Auf einen kritischen Einwand, der auf mehr als 25 Kinder in der Klasse hinwies, bestätigte Sibler, dass das noch fünf Prozent aller Klassen betreffe. Aber der Trend sei positiv, auch im Schulamtsbezirk Tirschenreuth liege die Klassenstärke im Schnitt bei 20.

Weil die Zahl der Abc-Schützen landesweit steige, schaffe man mehr Studienplätze für Grundschullehrer: "Vor allem in Oberbayern, wo der Bedarf am größten ist." Ein Thema, das immer wieder hochkochte, war der Einsatz von Lehrern aus der Oberpfalz in Ballungsregionen. Der Kritik trat der Kultusminister entgegen: "Lehrer müssen dahin, wo die Schüler sind, solange Sechsjährige keinen Führerschein haben."

Hohe Ehe-Quote

Die Zahl der Rückversetzung verheirateter Lehrer mit Kindern sei deutlich gestiegen. Dem Vorschlag, auch für Unverheiratete den Korridor zu vergrößern, räumte Sibler bei der ungewöhnlich hohen Ehe-Quote von Lehrern aus der Oberpfalz keine Chance ein: "47 Prozent der Referendare sind verheiratet." Dass es echte Härtefälle gebe, etwa bei der Pflege von Familienangehörigen in der Heimat, verkannte er nicht.

Bei der digitalen Ausstattung der Klassenzimmer gehe es nicht um schlichte Technikbegeisterung, sondern auch um Entwicklungskonzepte: "Die Dinger machen ja was mit uns", spielte Sibler auf die neuen Medien an. Der Staat bezuschusse nicht nur die Anschaffung von Hard- und Software, sondern wolle auch mehr Unterstützung für die Systembetreuung an den Schulen.

Die ungleiche Bezahlung und Belastung wurde angesprochen, wenn etwa ein verbeamteter Lehrer mit Biologie und Sport wenig Korrekturaufwand habe im Vergleich zum angestellten Kollegen, der Deutsch und Englisch unterrichte. Hier verwies Sibler auf den Ausgleich durch die Stundenzahl: "Ob das gerecht ist, darüber kann man immer streiten." Bayern habe mit 92 Prozent die höchste Beamtenquote aller Bundesländer bei Lehrkräften. Das Thema "befristete Verträge ohne Bezahlung in der Ferienzeit" betreffe nur einige hundert Lehrkräfte, meist mit Halbjahresvertrag, führte Sibler arbeitsrechtliche Argumente an. Befristungen gebe es hauptsächlich an Realschulen, weil dort oft viele Jahre die Planstellen von Schwangeren freigehalten würden. "Wir versuchen hier, zu helfen und erfahrene Leute zu verbeamten, auch wenn die Noten das nicht hergeben." Aber bei diesem komplexen Thema seien arbeitsrechtlich saubere Ansätze gefragt: "Sonst heißt es wieder, schaut euch die Idioten im Kultusministerium an, was die da wieder gemacht haben", meinte Sibler mit einem Augenzwinkern.

Kampf um die Köpfe

Die Zahl der Schulabsolventen werde noch einige Jahre sinken, der Kampf um die Köpfe sei rauer geworden, fasste der Politiker zusammen. Der Lehrstellenmarkt habe sich komplett gedreht. Hier brach der Redner eine Lanze für das duale System: "Im Bereich beruflicher Bildung sind wir exzellent aufgestellt."

Minister Bernd Sibler schaut sich bei Metallbau Forster um.

Minister Bernd Sibler schaut sich bei Metallbau Forster um.

Minister Bernd Sibler schaut sich bei Metallbau Forster um.

Mit einem Löwen aus Metall überrascht Firmenchef Christian Forster (Zweiter von links) Minister Bernd Sibler.

Metalllöwen überreichen Christian und Christina Forster an Bernd Sibler (rechts) und Landtagsabgeordneten Tobias Reiß (rechts). Bürgermeister Roland Grillmeier (Zweiter von rechts) freut sich über den ministeriellen Besuch.

Minister Bernd Sibler stellte sich im Museumscafe der Diskussion über Schul- und Bildungspolitik.

Minister Bernd Sibler stellte sich im Museumscafe der Diskussion über Schul- und Bildungspolitik.

Minister Sibler besucht den Landkreis.

Minister Sibler besucht den Landkreis.

Info:

Metallbau Forster baut neue Halle im Birkigt

Die gute Nachricht kam gerade recht zum Besuch eines Ministers: Metallbau Forster expandiert weiter am Standort Mitterteich und baut im Industriegebiet Birkigt eine neue Halle für Logistik und Produktion. Vom entsprechenden Bauantrag, am Vortag vom Stadtrat genehmigt, berichtete Firmenchef Christian Forster (links), als er eine Delegation um Kultusminister Bernd Sibler (Zweiter von rechts) durch die Hallen an der Tirschenreuther Straße führte. Der Neubau soll gegenüber der Blechtechnik-Produktionsstätte an der Carl-Zeiss-Straße entstehen. Der Traditionsbetrieb stellt mit derzeit 155 Mitarbeitern in Mitterteich und Reichenbach Fenster, Fassaden, Brandschutztüren und Blechbauteile her. Bei der Betriebsbesichtigung mit Kommunalpolitikern und Lehrkräften, die an der anschließenden Bildungsdiskussion mit dem Minister teilnahmen, machte Christian Forster ein weiteres Mal auf den Fachkräftemangel im Handwerk aufmerksam: "Wer einen Lehrling für uns hat oder Interesse an einer Betriebsführung, kein Problem, einfach melden!"

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