Mitterteich
14.12.2018 - 16:32 Uhr

Erich Rieß ist immer für Gott in Bereitschaft

Erich Rieß ist seit 20 Jahren ehrenamtlicher Lektor in der Evangelischen Kirchengemeinde Mitterteich und Wiesau. Zu diesem Amt gehört es auch, Pfarrer Martin Schlenk beim sonntäglichen Gottesdienst zu vertreten.

Bevor Erich Rieß mit seiner Predigt ans Rednerpult tritt, überarbeitet er sorgfältig den Text, aktualisiert ihn oder lässt persönliche Worte einfließen. Bild: ubb
Bevor Erich Rieß mit seiner Predigt ans Rednerpult tritt, überarbeitet er sorgfältig den Text, aktualisiert ihn oder lässt persönliche Worte einfließen.

Zu diesem Amt gehört es auch, Pfarrer Martin Schlenk beim sonntäglichen Gottesdienst zu vertreten. Auch ein Pfarrer hat Anspruch auf Urlaub oder kann einmal krank werden. Eine Vertretung muss gefunden werden. Anders als bei den Katholiken gibt es in der evangelischen Kirche die Möglichkeit, für den Gottesdienst Laien einzuberufen. Einer dieser Lektoren in Mitterteich und Wiesau ist Erich Rieß.

Der 59-jährige Mitterteicher übernimmt bei Bedarf die Gottesdienste im Wechsel mit zwei weiteren Lektoren, Katja König und Hans Fuchs. Dann steht Erich Rieß am Sonntag in der Kirche am Altar an Pfarrers Stelle. Ist der 9-Uhr-Gottesdienst in Mitterteich vorbei, fährt Rieß nach Wiesau, wo er um 10 Uhr den gleichen Ablauf für die dortigen Gläubigen wiederholt. "Oder umgekehrt. Wir wechseln regelmäßig die Uhrzeiten", erzählt er.

Erich Rieß ist in diese Aufgabe hineingewachsen. Dieser für einen Laien eher unübliche "Gottes-Dienst" gehört zu seinem Leben. Auf die Frage, wie lange er das macht, muss der Mitarbeiter am Finanzamt Waldsassen nachdenken. "Etwa 20 Jahre", schätzt er. Er sei auch vorher immer in die Kirche gegangen, "weil mir das viel bringt fürs Leben". Der Glaube sei ihm immer wichtig gewesen, das habe auch mit Dankbarkeit zu tun. Und er könne daraus Kraft schöpfen.

Der damalige Pfarrer Berthold hat Rieß für das Amt gewonnen. Er musste ihn nicht lange überreden, das Amt des Lektors zu übernehmen. Als gläubiger Christ nahm er diesen Auftrag gern an. Zwar sei es auch Zeitaufwand und Disziplin, aber: "Man bekommt auch etwas zurück." Rieß hält in diesen Gottesdiensten am Pult auch die Predigt. Selbst schreiben muss er sie nicht. Dafür gebe es Vorlagen vom Gottesdienst-Institut Nürnberg im Internetportal zum Herunterladen. Zwingend müsse er sich aber nicht daran halten. "Wir haben die Freiheit, gestalterisch einzugreifen", erklärt Rieß.

Für die Vorbreitung nimmt er sich viel Zeit. Drei Wochen vorher schaut er sich die vorgeschlagenen Texte an. "Ich lese sie mindestens fünf Mal", erzählt er. Rieß lässt Sorgfalt walten. Sagt ihm der Vorschlag nicht zu, sucht er eine neue Predigt, die seiner Meinung nach für die Kirchengemeinde besser geeignet ist. Oder aber er lässt in den Vorschlag des Gottesdienst-Instituts seine persönlichen Ergänzungen einfließen. "Das können aktuelle Geschehnisse sein oder ich hatte ein persönliches Erlebnis, das thematisch aufbereitet werden kann." Politik lässt Rieß außen vor, die gehöre nicht in die Kirche, findet er.

Wichtig ist ihm, dass die Gläubigen das Gehörte auch mit nach Hause nehmen können. Außer der Predigt muss Rieß auch die Kirchenlieder auswählen und per E-Mail an den Mesner weiterreichen. Und er spricht sich mit dem Kollegen ab, der die liturgische Lesung macht. Beim der Musikauswahl nimmt Rieß gerne bekannte Kirchenlieder oder moderne Versionen. "Werden im Konzept unbekannte Lieder vorgeschlagen, tausche ich sie aus. Es bringt nichts, wenn sie keiner singen kann", erzählt Rieß, der immer im dunklen Anzug am Altar steht. Zwar könnte er als "Dienstkleidung" auch einen Lektoren-Talar tragen, aber er habe sich für den Anzug entschieden.

Was nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gehört, sind Kommunion, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Die bleiben Pfarrer Schlenk vorbehalten. Missen möchte Rieß das Amt nicht: "Ich nehme in diesen Stunden für mich selbst viel Segensreiches mit ", verrät der Lektor.

 
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