20.09.2019 - 15:40 Uhr
MitterteichOberpfalz

Heiteres aus Franken und dem Stiftland

Unter dem Titel „Unna Sprouch“ hat der Literarische Arbeitskreis seinen Gästen launige Geschichten im Dialekt serviert. Zahlreiche Zuhörer amüsierten sich dabei gut.

Viel Spaß hatten die Gäste beim Literarischen Abend mit den Interpreten Christl Schemm und Manfred Brunner (hinten) sowie den Liedern von Reinhard Artmann, die vom einfachen Leben erzählten.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Grüß Gott mitananda. Heid gäiht's um unna Sprouch". So begann die Mundartlesung des Literarischen Arbeitskreises im Mehrgenerationenhaus (MGH). AK-Leiter Karl Haberkorn stellte die Interpreten als fachkundige Autoren vor. Manfred Brunner aus Waldsassen vertrat die Stiftländer Seite.

Für den fränkischen Teil konnte Haberkorn einen besonderen Gast begrüßen: Christl Schemm, die Tochter des Arzberger Schriftstellers, Otto Schemm, hatte sich zur Lesung aus Büchern ihres Vaters bereiterklärt. Den musikalischen Part übernahm Reinhard Artmann am Akkordeon. Brunner machte den Auftakt mit Texten der Autorin Barbara Heinrich aus Waldsassen. Heinrich, geboren 1924, hat Alltägliches, Lustiges und Ernstes zu Papier gebracht. "Was sie sah, hat sie mit einem umfangreichen Wortschatz aufgeschrieben", erklärte Brunner. "Gai asse in Wold" handelte vom Wald als einen tröstenden Ort bei Sorgen. Liebevoll hat Heinrich aber auch banale Dinge wie die "Hullastaud'n vorm Fensta" im Jahresverlauf beschrieben. "D'Jugend is voil zu schnell dahin", war das Fazit, das sinnbildlich für das Menschenleben stand. Wesentlich ernster sind Heinrichs Überlegungen, warum der "Doud" (Tod) nicht wie die Geburt einfach akzeptiert werde.

Mit Schnoderhüpferln über Dinge, die ein Dorf braucht, damit es sich als solches bezeichnen darf, ließ Reinhard Artmann nach diesem ersten Part gute Laune aufkommen. Christl Schemm outet sich als halbe Oberpfälzerin. Sie sei in Waldsassen in die Schule gegangen, erzählte sie. Und sie habe später als Kollegin von Redakteur Werner Männer bei der Frankenpost in Tirschenreuth gearbeitet.

"Ein Gefängnis"

Am Geburtshaus ihres Vaters in Brand sei eine Gedenktafel angebracht. Darüber freue sie sich, erzählte Schemm aus dem Leben als Tochter eines Autors. Viel zum Lachen gab es über Episoden aus der Kindheit von Schemm. Im Buch "Der Internist", das Christl Schemm als zweiten Vortrag gewählt hatte, ging es ums Internat in Wunsiedel, wo Schemm das Gymnasium besuchte. "Für meinen Vater war das ein Gefängnis", erzählte die Arzbergerin, "as Hoamwaih" habe ihm gequält, "da hout's ihn nuar sou beit'lt." So sehr, dass er am "Abort" immer bitterlich "gwoint houd". Herzlich gelacht wurde bei den Geschichten über das Arzberger Original "Stieferl", der beim Weißen-Otto im Wirtshaus sein Bier nicht ausgetrunken hat und seinen Dogda (Arzt) zur Weißglut brauchte.

Weil's lesetechnisch zum Text aus Franken passte, wählte Musiker Artmann nun ein Lied über "Hallgröi". Den Refrain durften alle mitsingen. "Hallgröi ist schai, des muas ma gestöi", tönte es fröhlich im MGH. Mit Hallgröi ist der Ort Haingrün gemeint. Das Lied soll heute noch im Ort als Hymne gelten, sagte Artmann. Unter anderem dreht sich der Text um den Mond, der in den Dorfteich gefallen ist. Weil ihn keiner mehr rausbringt, beschließen die "Hallgröier", dass er drin bleibt. Damit ist "Hallgrai" das einzige Dorf mit zwei Monden. Manfred Brunner las seine eigenen Schulgeschichten vor.

In seiner Zeit, so Brunner, seien die Lehrer nicht zimperlich mit ihren Schülern umgegangen. Schuld an den Schlägen auf den Allerwertesten sei er selbst gewesen.

Kaugummi statt Gebete

Als Schulbub habe er beim Fronleichnamszug von Wiesau nach Falkenberg zweimal nicht gefolgt. In Falkenberg, wo Rast war, sei er obwohl verboten auf die Burgfelsen geklettert und der Lehrer habe ihn erwischt. Dann habe er beim Rückweg nach Wiesau statt Gebete zu sprechen Kaugummi gekaut.

Gegen die Schläge hätten auch die Eltern nichts machen können. Und er habe es nicht erzählt. "Sonst hätte es daheim noch welche gegeben." Was heute zur sofortigen Suspendierung eines Lehrers führen würde, sei gesetzlich verankert gewesen, wusste Brunner und las den Gesetzestext vor. Unterhaltsam, launig, gemütlich: Da ist das Fazit dieses Abends. Mit Applaus bedankte sich das Publikum bei den Interpreten, die ihre Sache mehr als gut gemacht haben.

Christl Schemm, die Tochter des bekannten Autors Otto Schemm, las lebhaft und spannend aus den Büchern ihres Vaters vor.
Manfred Brunner hat unter anderem seine eigenen Schulgeschichten aufgeschrieben und vorgetragen.
Aufmerksam hörten die zahlreichen Gäste den Geschichten und Erzählungen zu.
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