04.12.2019 - 19:10 Uhr
MitterteichOberpfalz

Heribert Hegen will Bürgermeister werden

Nach monatelangen Spekulationen herrscht nun Klarheit: Heribert Hegen tritt als Bürgermeisterkandidat an. Er und seine Mitstreiter von der neuen Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich wollen frischen Wind in die Lokalpolitik bringen.

Ein siebenköpfiges Vorstandsteam führt die neu gegründete Wählergemeinschaft „Zukunft Stadt Mitterteich“, gewählt wurden auch zwei Kassenprüferinnen. Im Bild (vorne, von links) Beisitzer Matthias Gradl, Kassenprüferin Claudia Wenisch, Vorsitzender Heribert Hegen, Beisitzerin Christine Hegen und Beisitzer Matthias Müller sowie (hinten, von links) stellvertretende Vorsitzende Marion Schaumberger, Schriftführer Andreas Duda, Schatzmeisterin Nermin Karbstein und Kassenprüferin Renate Knösch.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Eine regelrechte Aufbruchstimmung herrschte am Dienstagabend im "Treffpunkt am Anger", als 18 Gründungsmitglieder die Wählergemeinschaft "Zukunft Stadt Mitterteich" ins Leben riefen. Einstimmig wählten sie Heribert Hegen zum Vorsitzenden und Marion Schaumberger zu seiner Stellvertreterin. Beide gehörten lange Zeit der CSU an, kehrten der Partei aber den Rücken. Marion Schaumberger stand sogar einige Jahre lang an der Spitze der örtlichen Frauen-Union. Heribert Hegen freute sich über das Vertrauen und versprach: "Ich werde mein Bestmögliches geben!"

Gleich zu Beginn machte Heribert Hegen deutlich, dass er sich um das Amt des Bürgermeisters bewerben wolle. Damit ist er nach Stefan Grillmeier (CSU), Bernhard Thoma (Freie Wähler) und Johann Brandl (SPD) der vierte Bewerber um den Posten. Dazu erklärten mehrere Mitglieder der neuen Gruppierung ihre feste Absicht, für den Stadtrat zu kandidieren. Neben Marion Schaumberger waren dies Matthias Doss, Matthias Gradl, Wolfgang Karbstein, Walter Knösch, Karl Neid und Kurt Schmidt.

Immer wieder angesprochen

Ausführlich schilderte Heribert Hegen, was zu seinem Entschluss und letztlich zur Gründung der Wählergemeinschaft geführt habe. So wie er selbst seien viele Bürger schon länger unzufrieden mit der Mitterteicher Lokalpolitik. "Ich bin immer wieder angesprochen und gefragt worden, warum ich mich nicht aufstellen lasse", berichtete der 56-Jährige. Nachdem ihn bei einer Feier sogar ein Stadtratsmitglied aus den Reihen der CSU zu diesem Schritt ermuntert habe, sei seine Entscheidung endgültig gefallen.

"Der Bürgerentscheid ist nicht so umgesetzt worden wie vom Bürger gewollt", schimpfte Hegen, der vor mehr als fünf Jahren zu den Initiatoren der "Aktion Bürgerwille" zählte. Das Wirken dieser Gruppierung hatte 2015 zu einem Bürgerentscheid über die Umlage der Kosten für die Sanierung der Wasserversorgung geführt. Dabei hatten die Bürger mehrheitlich für eine 100-prozentige Umlage auf Gebühren votiert und einen Stadtratsbeschluss für eine Mischkalkulation gekippt. "Der Wasserpreis müsste heute eigentlich bei 2,07 Euro liegen", so Hegen. Aber der Preis sei künstlich unter der 2-Euro-Marke gehalten worden - und zwar durch einen einstimmigen Stadtratsbeschluss zur Erhöhung der Gebühren für die Wasserzähler. Dadurch würden die Abnehmer großer Mengen unverhältnismäßig geschont.

Weiter bemängelte Hegen, dass im Stadtrat zu viele Punkte im nichtöffentlichen Teil und damit hinter verschlossenen Türen behandelt würden. Als Beispiel für mangelnde Transparenz nannte er auch die Vorgänge um die Verlegung der Stadtbücherei. Dass so viele Beschlüsse im Stadtrat einhellig fielen und Baukosten zwischen Start und Abschluss von Projekten häufig drastisch anstiegen, sei ebenfalls zu hinterfragen. Seiner Meinung nach habe die Stadt auch schon zu viele leerstehende Häuser erworben. "Wir sind doch kein Immobilienverein!"

Wahlkampf nur in der Freizeit

Bei teuren Projekten dürfe nicht immer nur die Höhe der Förderung im Mittelpunkt stehen, so Hegen. In jedem Fall sei ja auch ein Eigenanteil zu stemmen. Kritisch bewertete Hegen etwa den geplanten millionenschweren Umbau des Oberen Marktes. Vorrangig sah er stattdessen unter anderem die Beseitigung von Straßenschäden oder die Schaffung von Barrierefreiheit in bisher nicht berücksichtigten Bereichen.

Dass die örtlichen Parteien nun ständig Betriebe besichtigten, diene nur zur Profilierung im Wahlkampf, meinte Hegen. Scharfe Kritik übte er in dieser Zusammenhang an Bürgermeister Roland Grillmeier, der wegen seiner Landratskandidatur oft abwesend sei. "Die Amtszeit endet nicht schon jetzt!" Er selbst, so Hegen, könne ja auch nur in seiner Freizeit Wahlkampf machen.

Heribert Hegen warb für Offenheit und Transparenz. "Man kann sauber über alles diskutieren." Für die Mitglieder der Wählergemeinschaft werde kein Fraktionszwang gelten, überhaupt wolle man keine klassische Partei sein. In einer Vorstellungsrunde bestätigten viele der Anwesenden Hegens Eindrücke und teilten seine Kritikpunkte. Einigkeit herrschte darüber, dass eingefahrene Strukturen aufgebrochen und die Bürger umfassender informiert werden müssten. "So kann es nicht weitergehen", hieß es mehrmals.

"Ich hoffe, dass wir noch mehr Leute finden", bemerkte Heribert Hegen zur Aufstellung der Stadtratsliste. Eine begrenzte Zahl an vernünftigen Kandidaten sei aber allemal besser "als 20 Leute, die nicht wissen, wovon sie reden und nur ihre Hand heben".

Nominierung im Kinosaal

Fest steht bereits der Termin für die Nominierungsversammlung zur Kommunalwahl: Diese findet am Sonntag, 22. Dezember, um 10 Uhr im Kinosaal der Angerlichtspiele statt. "Da können sich die Kandidaten gut präsentieren", betonte Hegen und kündigte auch noch eine Überraschung für die Besucher an.

Wahlen:

Das Vorstandsteam der Wählergemeinschaft "Zukunft Stadt Mitterteich"

Karl Neid, ein ehemaliges Mitglied der Freien Wähler Mitterteich, der 2002 sogar als deren Bürgermeisterkandidat antrat, leitete die Wahlen des Vorstandsgremiums. Neben dem Vorsitzenden Heribert Hegen und Stellvertreterin Marion Schaumberger zählen dazu Schriftführer Andreas Duda, Schatzmeisterin Nermin Karbstein und die Beisitzer Matthias Gradl, Matthias Müller und Christine Hegen. Zu Kassenprüferinnen wurden Renate Knösch und Claudia Wenisch gewählt.

Hintergrund:

100 Euro von Andreas Kempf

Erfreut berichtete Vorsitzender Heribert Hegen bei der Gründungsversammlung der Wählergemeinschaft "Zukunft Stadt Mitterteich" von einem Telefonat mit Andreas Kempf, der seit seinem Austritt aus der CSU als Parteiloser im Stadtrat sitzt: Zwar werde dieser keiner anderen Partei oder Gruppierung beitreten und auch nicht mehr kandidieren, aber er wolle die neue Wählergemeinschaft zumindest unterstützen. Konkret habe Kempf daher eine 100-Euro-Spende angekündigt - dabei handele es sich um jenen Anteil an seinen Sitzungsgeldern, den er an die CSU hätte abführen müssen. "Er hat mir bestätigt, dass ich das öffentlich machen darf", betonte Heribert Hegen. Die Mitglieder reagierten mit Applaus.

Kommentar:

Ein Gewinn für die Demokratie

Tritt er an oder nicht? Und wenn ja, was kann er ausrichten? Kaum ein anderes politisches Thema in Mitterteich hat zuletzt für ähnlich viel Gesprächsstoff gesorgt wie die mögliche Bürgermeisterkandidatur von Heribert Hegen und die Aufstellung einer parteiunabhängigen Liste. Jetzt haben er und seine Mitstreiter die sprichwörtliche Katze aus dem Sack gelassen. Damit werden die Diskussionen rund um die Kommunalwahl noch intensiver und auch das Interesse an der Lokalpolitik wird weiter zunehmen.
Wachsen dürften gleichzeitig die Sorgenfalten in den etablierten Parteien. Wer vermutet hatte, das "Projekt Hegen" sei nur heiße Luft eines Einzelgängers oder es würde bestenfalls eine "Nörgler-Truppe" auflaufen, lag falsch. Bei der Gründungsversammlung hat sich das Gegenteil gezeigt. Alt und Jung, Ur-Mitterteicher und Zugereiste, Unternehmer, Angestellte und Ruheständler haben sich weitgehend unaufgeregt mit einer gemeinsamen Zielsetzung vereint. Betont wurde auch mehrfach, dass man auf Transparenz, Ehrlichkeit und Sachlichkeit setzen wolle.
Die neue Wählergemeinschaft ist jetzt natürlich gefordert, ihre Vorstellungen zu konkretisieren und ein greifbares Programm zu formulieren. Hinzu kommt, dass aus der "Außensicht" vieles einfacher erscheint als es letztlich ist, wenn man als Mandatsträger in der Verantwortung steht. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, in die Populismus-Falle zu treten.
Ob die neue Gruppierung nachhaltig überzeugen und sich zu einer festen Kraft entwickeln kann, wird sich zeigen. Kein Zweifel besteht aber daran, dass sich die etablierten Parteien ab sofort deutlich mehr ins Zeug legen müssen als bisher. Die Kommunalwahl in Mitterteich dürfte so spannend werden wie wohl noch nie. Und egal, wie sie ausgeht: Allein schon die Gründung der Wählergemeinschaft „Zukunft Stadt Mitterteich“ ist bereits ein Gewinn für die Demokratie.

Udo Lanz

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