18.01.2019 - 13:58 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kampf um Wildbiene und Co.

34 Organisationen haben sich im Landkreis verbündet. Sie wollen gemeinsam das Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" zu einem Erfolg machen - über Parteigrenzen hinweg.

Die Aktionsbündnispartner werden in den nächsten Wochen vermehrt im Landkreis Tirschenreuth unterwegs sein: Mit Infoständen, Versammlungen, Flyern und Plakataktionen wollen sie zur Teilnahme am Volksbegehren aufrufen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Im Mehrgenerationenhaus (MGH) herrschte Aufbruchstimmung. Über 50 Anwesende lauschen Ursula Schimmel, der Geschäftsführerin vom Bund Naturschutz, und Gerald Schmid, Vorstandsmitglied der Kreis-ÖDP. Schimmel und Schmid hatten gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden der LBV-Kreisgruppe Tirschenreuth, Konrad Zier zum Aktionsbündnis gegen das Insektensterben aufgerufen.

Zahlreiche Mitstreiter

Das Interesse war enorm. Zahlreiche hochmotivierte Mitstreiter kamen. Einer davon war Siegfried Steinkohl, pensionierter Hausarzt aus Friedenfels, der Mitglied im Naturpark Steinwald, im Fichtelgebirgsverein und bei "Kulturlandschaft südlicher Steinwald" ist. "Als ich als Kind über die Wiesen lief, flogen Rebhühner hoch. Und ich habe Schmetterlinge gesammelt. Viele Arten davon gibt es nicht mehr", sagt er. Josef Schmidt, Regionalsprecher Oberpfalz des Bioland-Verbands erzählte von blühenden Arnikawiesen. "Aber die sind verschwunden, in nur knapp 30 Jahren weg." Wer daran schuld ist, darüber will der 35-jährige Erbendorfer nicht urteilen. "Ich bin nur sauer auf die, die immer noch glauben, dass es so weitergehen kann und immer noch leugnen, dass wir ein Problem haben", sagt er.

Hintergründe aufgezeigt

Die Bündnis-Sprecher, Ursula Schimmel, Konrad Zier, Angela Frank (ÖDP) und Heidrun Schelzke-Deubzer (B90/Die Grünen) informierten über die Hintergründe des Volksbegehrens. Dies verlange Änderungen im Bayerischen Naturschutzgesetz. Die Sprecher zeichneten ein düsteres Bild der Auswirkungen des Insektensterbens.

"Die Folgen sind dramatisch: Jungvögel verhungern in ihren Nestern, Fische schnappen vergeblich nach Mücken, Fledermäuse und Frösche finden kein Futter mehr." Und mit den Insekten seien bereits viele Vögel verschwunden. "Allein zwischen 1980 und 2010 haben wir in Europa 300 Millionen Vögel verloren. Seither hat sich deren Verschwinden noch beschleunigt", so die Sprecher.

Kernforderungen des Volksbegehrens seien mehr Lebensräume für Tiere, wie ungenutzte Randstreifen an Bächen, mehr Blumenwiesen, weniger Flächenverbrauch, ökologische Landwirtschaft und mehr. Über Parteigrenzen hinweg finden sich Mitstreiter. Von der ÖDP Bayern ins Leben gerufen, sind im Landkreis Tirschenreuth nun auch die SPD, die Freien Wähler und die Grünen Bündnispartner. Von der Kirche engagiert sich die KAB. "Wir sind die Lobby für die Wildbienen", sagte Kreisvorsitzender Johann Schön vom Kreisimkerverband. Die kleine Schwester der Honigbiene brauche den Schutz. Johann Schön sorgt sich um eine dauerhafte Versorgung der Bienen mit Pollen.

"Ganz schlimm"

Die 58-jährige Maria Brand aus Mitterteich hat in der Tageszeitung "Der Neue Tag" von der Gründung gelesen. "Ich finde das Artensterben ganz schlimm", sagte sie und sicherte ihre Mithilfe zu. Brand vermisste übrigens die Anwesenheit der Gartenbauvereine. Als Vertreter der "Sektion Karlsbad" des Deutschen Alpenvereins nahm Gottfried Haas aus Tirschenreuth, der Umweltbeauftragter des Vereins für die Oberpfalz ist, den Abend zum Anlass, sich über das Volksbegehren zu informieren.

Er hatte ein Schreiben dabei, in dem der Alpenverein seine Mitglieder zur aktiven Teilnahme am Volksbegehren aufruft. Hintergrund

Das Volksbegehren:

Eintragung im Rathaus

Zum Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ kann man von 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern seine Unterschrift leisten. Die Kommunen sind dazu angehalten, dafür auch an einem Wochenendtag geöffnet zu haben. Erforderlich sind in Bayern eine Million Unterschriften. Das Aktionsbündnis „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ will mit Plakatierungen, Flyern und Infoständen, mit Öffentlichkeitsarbeit über die Medien und den Einsatz von Social Media die Bevölkerung zur Teilnahme aufrufen.

Hintergrund:

Die Bündnispartner

Bündnispartner der Aktion sind die BI gegen Atommüll im Grenzland, Bio Bauer, Bioland, der Kreisverband Bündns90/Die Grünen, die Kreisgruppe Tirschenreuth des Bund Naturschutz, der Fichtelgebirgsverein, der Fischereiverein 1987 Neusorg., der Frauen- und Mütterverein Friedenfels, der Kreisverband der Freien Wähler, der Bioladen Frohnatur, die Regionalgruppe Tirschenreuth Global Marshall-Plan, die Imkervereine Waldsassen, Erbendorf sowie Waldershof und Umgebung, der KAB-Kreisverband Stiftland, der Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald, der LBV Tirschenreuth, der Verein NahKulTour, die Naturfreunde Mitterteich, der Naturpark Steinwald, der ÖDP-Kreisverband Neustadt-Weiden-Tirschenreuth, Solawi Stoapfalz, der SPD-Ortsverein Tirschenreuth, die Steinwaldia, „Stella’s FeinKöstlich“, die Umweltstation Waldsassen, der Verband Wohneigentum Friedenfels, der SPD-Kreisverband Tirschenreuth, der Imkerkreisverband Tirschenreuth, VSL, der Andra-Danu-Verlag Hermannsreuth, die Imkergruppe der Mittelschule Waldsassen, der Ameisenschutzverein und der Deutsche Alpenverein.

Die Initiatoren hoffen, dass sich noch viele weitere Gruppen einbringen. Wer sich informieren möchte, kann dies über die vier Aktionssprecher Ursula Schimmel vom BN (E-Mail tirschenreuth[at]bund-naturschutz[dot]de), Konrad Zier vom LBV (E-Mail tirschenreuth[at]lbv[dot]de), Heidrun Schelzke-Deubzer von Bündnis 90/Die Grünen (E-Mail kv-tir[at]gruenetir[dot]de) oder Angela Frank von der ÖDP (angela.frank[at]biomail[dot]de) tun.

Sprecherin Angela Frank verteilte Plakate an die Aktivisten.
Zahlreiche Anwesende hörten sich das Anliegen der Bündnisgründer an. Der Großteil davon schloss sich ihnen dann auch als aktive Bündnispartner an.
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