07.02.2020 - 16:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kontaktpflege und soziale Ausrichtung

"Ich will ein Bürgermeister zum Anfassen werden", betonte Johann Brandl am Donnerstag beim Wahlkampfauftakt der SPD Mitterteich. Der Ortsvorsitzende warb mit seiner sozialen Kompetenz und stellte seine Ziele vor.

Rund 80 Besucher waren am Donnerstagabend zum Wahlkampfauftakt der SPD Mitterteich ins Josefsheim gekommen.
von Josef RosnerProfil

Der Bürgermeisterkandidat freute sich über das Interesse an der Veranstaltung, zu der rund 80 Besucher ins Josefsheim gekommen waren, darunter auch Mitglieder benachbarter SPD-Ortsvereine. Die musikalische Gestaltung des Abends übernahm die Jugendstadtkapelle unter der Leitung von Oliver Lipfert.

Stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender Uli Roth überbrachte eingangs die Grüße des Kreisverbandes. Er gratulierte Johann Brandl zur Kandidatur und richtete auch kurz einen Blick nach Thüringen. "Nach den dortigen Vorfällen müssen wir extrem auf unsere Demokratie aufpassen."

Johann Brandl sprach von einer Aufbruchstimmung in der Stadt, die beste Chancen für ein gutes Wahlergebnis biete. Er verwies auf seine politische Erfahrung nach 18-jährigem Wirken als Stadtrat und Fraktionssprecher sowie seine zwölfjährige Zugehörigkeit zum Kreistag. Nacheinander stellte er die Kandidaten auf der SPD-Liste vor. "Wir haben eine Mannschaft aus der Mitte unserer Bevölkerung." Einen Dank richtete Brandl an alle 80 Kandidaten der vier Listen, die sich um ein Stadtratsmandat bewerben.

Alle Projekte genau betrachten

Der Bürgermeisterkandidat versprach, dass in seinem Amtszimmer jeder willkommen wäre. "Die Tür wird immer offen stehen." Uneingeschränkte Solidarität sicherte er den Rettungs- und Einsatzkräften zu, bevor er auf den Ablauf Stadtratssitzungen zu sprechen kam. Brandl kritisierte, dass der öffentliche Teil immer kürzer und der nichtöffentliche Teil immer länger werde. "Sollte ich zum Bürgermeister gewählt werden, wird sich das ändern, das verspreche ich euch."

Von Vorteil für die Stadt seien die Stabilisierungshilfen gewesen. Doch diese gebe es nicht mehr - gewährt würden nur noch Investitionshilfen, voraussichtlich auch nur noch zwei Jahre lang. "Wir müssen all unsere Projekte genau betrachten. Nicht alles wünschenswerte kann umgesetzt werden. Die Finanzpolitik wird die Stadt noch beschäftigen, der Freistaat lässt die Kommunen allein", kritisierte Brandl.

Produzierendes Gewerbe fehlt

Positiv bewertete der Bürgermeisterkandidat die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt. Brandl kündigte an, mit allen Firmen ins Gespräch kommen zu wollen. Bestätigt sieht er seine von Anfang an geäußerte Kritik am interkommunalen Gewerbegebiet in Wiesau, weil sich dort kein produzierendes Gewerbe niederlasse. Geschaffen werde müsse bezahlbarer und barrierearmer Wohnraum, Leerstände gelte es durch städtische Förderangebote zu vermeiden. Ausdrücklich verwahrte er sich gegen den Verkauf kommunaler Wohnungen an Spekulanten. "Wichtig wie nie" sei die Mitterteicher Tafel geworden, zu der die SPD stehe. Brandl bedauerte, dass die Tafel überhaupt nötig sei. Weiter forderte er eine Einrichtung zur Tages- und Nachtpflege von Senioren.

Wichtig sei ihm auch der Schulstandort Mitterteich, so der Sprecher. "Wir bekommen eine Grundschule nach neuesten pädagogischen Gesichtspunkten. Die Schule wird teuer, aber das muss es uns für unsere Kinder wert sein. Wir dürfen jetzt nicht an der Ausstattung sparen." Weiter sprach er sich für eine Kooperation der Mittelschulen Mitterteich, Waldsassen und Wiesau sowie für Ausweitung der Jugendsozialarbeit an den Schulen aus.

Für die Stadtbücherei, die für vier Jahre an den Unteren Marktplatz ausgelagert wird, aber danach wieder zentraler untergebracht werden soll, habe Brandl einen dauerhaften Standort im Auge. Näheres verriet er aber nicht. Wichtig seien ihm weiter die Sicherung der ärztlichen Grundversorgung und die weitere Aufwertung der Ortsteile. "Ich will den Orten durch neue Treffpunkte noch mehr Qualität verleihen."

Erfreut zeigte sich Johann Brandl, dass auch die Regierung der Oberpfalz vor dem Umbau des Oberen Marktplatzes ein schlüssiges Verkehrskonzept fordere - dies habe auch er schon immer verlangt. In jedem Fall müsse der Umbau barrierefrei erfolgen. Nicht ganz so gut werde wohl die Förderung ausfallen. Er gehe von 40 bis 50 Prozent aus, den Rest müsse die Stadt tragen. Er versicherte, im Falle der Wahl zum Bürgermeister mit allen Anwohnern am Oberen Markt zu sprechen. "Ich nehme mir eine Woche Zeit, gehe zu den Anliegern und höre mir ihre Meinung an. Erst dann geht es in die finale Planung."

Viel Geld werde für die Sanierung von Straßen und Gehsteigen ausgegeben werden müssen, die teilweise in einem desolaten Zustand seien. Hierzu soll eine Prioritätenliste erstellt werden. Ausdrücklich bekannte er sich zum Erhalt der Freizeiteinrichtungen: "Wir wollen keine Schließungen."

Radwege ausbauen

Kritik übte Brandl an den Planungen für den Süd-Ost-Link. "Diese Trasse bringt die Landwirte in Schwierigkeiten, das kann es nicht sein." Verantwortlich seien aber jene, die die Windkraft ausgebremst hätten. Brandl forderte einen verbesserten öffentlichen Nahverkehr und brachte ein E-Baxi ins Gespräch, gerade für Senioren. Zur Tourismusförderung wünsche sich Brandl den Ausbau von Radwegen.

Vehement warb er für den Bau einer Klärschlamm-Trocknungsanlage in Mitterteich. Nötig sei dazu ein Zusammenschluss der Kommunen Mitterteich, Waldsassen, Konnersreuth, Tirschenreuth und Wiesau. "Ich bin ein Garant für den Bau dieser Anlage", betonte Brandl.

Zum Schluss bat Brandl noch um Fragen, aber es gab keine Wortmeldungen. Nach knapp zwei Stunden endete die Veranstaltung mit dem Lied "Brüder zur Sonne zur Freiheit".

SPD-Bürgermeisterkandidat Johann Brandl.
SPD-Bürgermeisterkandidat Johann Brandl.
Rund 80 Besucher waren am Donnerstagabend zum Wahlkampfauftakt der SPD Mitterteich ins Josefsheim gekommen.
Rund 80 Besucher waren am Donnerstagabend zum Wahlkampfauftakt der SPD Mitterteich ins Josefsheim gekommen.
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