01.10.2020 - 12:54 Uhr
MitterteichOberpfalz

Aus Mitterteich fließt reichlich Nachschub für Apfelsaft-Hausbars

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Eine gute Presse gehört beim Obst- und Gartenbauverein Mitterteich zur Grundausstattung. Die Obstpresse läuft in diesen Wochen auf Hochtouren und verlangt ganzen Einsatz von rund 40 Helfern.

Peter Jacobey schiebt die Äpfel nach, dann geht's schneller.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der Morgennebel hängt noch in den Bäumen, wenn nahe des Kreislehrgartens gegen acht Uhr hektische Betriebsamkeit beginnt. Nur wenige Meter von der Vorzeige-Anlage des Landkreises entfernt haben Männer und Frauen aus dem Mitterteicher Obst- und Gartenverein bereits Stunden vorher die Tore eines Schuppens geöffnet, wo die Mosterei verborgen liegt.

Die Obstpresse wird nur einmal im Jahr aktiviert, wenn im Spätsommer die Bäume ihr Obst nicht mehr tragen wollen und damit beginnen, es abzuwerfen. "Wir modernisieren jedes Jahr wieder", beschreibt Marion Puchta die große Anlage, die nahezu selbstständig läuft. Die Vereinsvorsitzende trägt gerade fünf Kisten mit Birnen zum Sammelplatz. Keine Maschine läuft ohne den Einsatz von Menschen. Jeweils im Vierer-Team werden die Vereinsmitglieder nun jeden Samstagvormittag und -nachmittag bis November vor Ort sein.

Zentnerweise Äpfel, rotbackig, gelb oder grün-säuerlich, stehen vor der Mosterei. "Wir pressen auch Quitten, Weintrauben und Birnen", zählt Puchta auf. Die Aroniabeeren der Familie Jacobey, ebenfalls Vereinsmitglieder, werden an diesem Morgen zuerst durch die Mosterei geschickt. "Danach haben wir erst einmal unsere vereinseigenen Äpfel gepresst. Wegen der Farbe, weil sonst die nächste Ware gefärbt wäre", erklärt Hedwig Jacobey.

Hedwig und Peter Jacobey bauen Aroniabeeren im größeren Stil an

Mitterteich

Ihr Mann Peter ist heute meistens mit der neuesten Investition beschäftigt, die wegen der Corona-Pandemie erforderlich war. Denn auch beim Obstpressen ist ein Verein gefordert, die Abstands- und Hygienemaßnahmen strikt einzuhalten. Marion Puchta bringt zum Beweis ein auf Papier gedrucktes Hygienekonzept. Besagtes Förderband war bisher nicht nötig. "Die Leute haben ihr Obst direkt reingebracht", erklärt Hedwig Jacobey. Ein Landwirt konnte aushelfen, das Förderband ist geliehen.

Draußen stehen nur wenige Leute an. Auch das ist eine Folge der Pandemie. Da erfahrungsgemäß viele Leute frühmorgens ihre Früchte bringen, wurden die Mitterteicher - um Andrang zu vermeiden - gebeten, das Obst abzuliefern und erst einmal dazulassen. Mit Namenszetteln gekennzeichnet können sie ihren Saft später abholen. Das Konzept bewährt sich gut.

Nur Kunden, die von weiter her kommen, stehen an. Brigitte und Heinrich Kraus aus Marktredwitz haben den Kofferraum voll mit Steigen saftiger Äpfel. 40 Liter, schätzt Heinrich Kraus, ergeben sich daraus. "Damit kommen wir gut über den Winter. Wir trinken jeden Tag ein Gläschen", freut sich seine Frau. Welche Apfelsorte sie haben, wissen die beiden nicht. "Der Baum ist alt", lachen sie.

Aus Iglersreuth bei Bärnau sind Ute und Gerald Bauer gekommen. Das Ehepaar vom Birkholmhof hat diesmal etwa 150 Kilogramm dabei. Nicht jedes Jahr sei ein gutes Apfeljahr, erinnern sich die Bauers und auch die Vereinsmitglieder an 2019, als nahezu gar nichts geerntet werden konnte. Aber 2018, erzählt Marion Puchta vom bisherigen Rekordjahr, habe der Verein sage und schreibe 74 000 Liter Saft gepresst. Heuer schätzt die erfahrene Vorsitzende die Gesamtausbeute auf etwa die Hälfe. "30 000 Liter könnten es werden." Sie freut sich über die große Resonanz auf das Angebot der Mosterei. "Die Leute kommen aus allen Himmelsrichtungen", sagt sie und erzählt von einem Obstbaumbesitzer aus Tschechien, der sechs Zentner gebracht hat. Natürlich sind auch Kleinmengen willkommen. "Wenn es nicht bei einem Einkaufskorb bleibt. Das wird dann leider nichts", bedauert Puchta.

Peter Jacobey schiebt eben mit großer Kraftanstrengung das Förderband an, es steckt fest. Das geht, sollte aber kein Dauerzustand bleiben. Er holt schnell Werkzeug, damit alles wieder reibungslos funktioniert. Derweil tragen Günther Stauber und Alfred Knossalla die Körbe per Hand in die Mosterei, wo die jungen Mitstreiter, Maximilian Puchta und Maximilian Dietz, die Technik überwachen und die Kunststofftüten mit dem heißen, klebrigen Saft füllen. Dazu gibt es einen faltbaren Karton und einen Ausgießer an der Tüte, schon ist die Apfelsaftbar für Zuhause fertig.

Steht niemand mehr an, werden die abgelieferten Obstkisten aus Mitterteich abgearbeitet. Gut 40 Vereinsleute sind ehrenamtlich bis Anfang November damit beschäftigt, regionales Obst in Säfte zu verwandeln. Der süß-herbe Apfelduft aus der Mosterei, den der Wind manches Mal bis in die nahen Wohnsiedlungen weht, wird noch eine ganze Weile den herbstlichen Eindruck der Landregion bereichern.

Hintergrund:

Pasteurisiert oder als Rohsaft

Wer noch Obst übrig hat, kann sich auf der Homepage (www.ogv-mitterteich.de/obstpresse) über die Modalitäten informieren.

  • Anmeldung bei Alfred Hecht, Telefon 0160/98773887, Montag bis Donnerstag, jeweils 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr
  • Obst nur in Gebinden bis 25 Kilo anliefern
  • Eigenes Obst wird fertig pasteurisiert in Fünf-Liter-Beuteln abgefüllt oder kann als Rohsaft wieder mitgenommen werden
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