07.08.2020 - 12:19 Uhr
MitterteichOberpfalz

Molwitz-Ausstellung in Mitterteich eröffnet

Zwei Ausstellungen, ein Künstler: Für Herbert Molwitz wurde in zwei Museen in Mitterteich und Tirschenreuth viel Platz geschaffen. In Mitterteich lautet das Motto „Von der Schönheit der Silberdistel“.

Vor der übergroß dargestellten Silberdistel stellten sich zur Eröffnung zusammen (von links) Dr. Dietmar Borchert, Historiker Manfred Knedlik, Bürgermeister Stefan Grillmeier, Beate Mundhenk, Nichte von Herbert Molwitz, Dr. Anja Mundhenk, Landrat Roland Grillmeier und Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl.

Zwei Ausstellungen zu einem Thema und zu einem Künstler das ist ein Novum in der Museumslandschaft im Landkreis Tirschenreuth. Auf diese Idee kam man deshalb, weil der Künstler, um den es geht, sowohl in Mitterteich als auch später in Tirschenreuth lebte und gearbeitet hat: Es ist der Graphiker, Radierer und Kupferstecher Herbert Molwitz.

Vor 50 Jahren starb der Künstler. Und aus diesem Anlass widmen sowohl das Museumsquartier als auch das Porzellanmuseum in Mitterteich dem Verstorbenen eine noch nie gesehene Ausstellung. In Tirschenreuth wird schwerpunktmäßig das Leben und die Arbeit des Künstlers hervorgehoben und in Mitterteich werden seine zahlreichen Werke und noch viele interessante kleine Begebenheiten gezeigt.

Außergewöhnlicher Mensch

In beiden Orten fanden am vergangenen Donnerstag die Vernissagen statt, allerdings wegen der Coronakrise unter den erschwerten Bedingungen. In Mitterteich steht die Ausstellung unter dem Motto „Von der Schönheit der Silberdistel“. Das heißt aber nicht, dass sich die Ausstellung nur auf dieses Thema beschränkt. Besucher werden überrascht sein, was dieser Ausnahmekünstler in seinem Leben alles geleistet und geschaffen hat.

Bei der Vernissage im Museumscafe begrüßte Bürgermeister Stefan Grillmeier zahlreiche geladene Gäste, darunter Landrat Roland Grillmeier, Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl mit Stephanie Süß und Herta Sölch, die Mitarbeiter im Museumsquartier, Historiker Manfred Knedlik und die Verwandten des Verstorbenen Herbert Molwitz, besonders Beate Mundhenk, geborene Molwitz. Zuvor seien wir in der „Hochschulstadt“ Tirschenreuth zur Vernissage begrüßt worden, eröffnete Stefan Grillmeier. Jetzt wolle er die Gäste in der Industriestadt Mitterteich willkommen heißen. Gleichzeitig lobte er die Idee, diese Ausstellung an beiden Orten gleichzeitig zu eröffnen. Es sei eine gelungene Premiere.

Zum Künstler Herbert Molwitz meinte der Bürgermeister, er sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen, sowohl als Mensch als auch als Künstler. Man kannte ihn mit Hut, Mantel über dem Arm und mit Künstlermappe. Das „Kleine, scheinbar Unbedeutende“ am Wegesrand faszinierte ihn und ließ ihn nicht los. Die Darstellung der Silberdistel habe ihn bekannt gemacht. Eindrucksvoll habe er die Landschaft der Oberpfalz dokumentiert. Grillmeier bedankte sich bei allen Leihgebern, welche die Ausstellung unterstützt hätten sowie beim Museumsförderverein. Sein Dank galt auch den Erben der Familie Molwitz für die bereitwilligen Genehmigungen zur Ausstellung, die Unterstützung und die Leihgaben.

50. Todestag des Künstlers Herbert Molwitz

Mitterteich

Landrat Roland Grillmeier freute sich dass die Ausstellung in beiden Städten stattfinde. Dies sei ein doppelter Gewinn. Die Werke von Molwitz seien in Mitterteich fast in jedem Haushalt zu finden. Auch die Stadt besitze zahlreiche Bilder. Bleibe zu hoffen, dass die Ausstellungen viele Besucher auch von auswärts bekommen.

Historiker Manfred Knedlik, auch Mitglied des Arbeitskreises Heimatpflege, ließ das Leben und Wirken des Verstorben Revue passieren. Früh sei der gebürtige Thüringer dem Charme der oberpfälzischen Landschaft erlegen. Mit Skizzenbuch, Stift, Klappstuhl und Zeichenplatte sei er durchs Land gezogen. Für sein „heimatverbundenes Gesamtschaffen“ verlieh ihm der Oberpfälzer Kulturbund 1962 den Nordgaupreis für bildende Kunst. Erstaunlich und bemerkenswert von Molwitz sei die Vielfalt an Bildtypen, Bildmotiven und Formen. Als Beispiel nannte der Historiker seine beliebten literarischen Neujahrsgrüße zum Jahreswechsel.

Radierung einer Wetterfichte

Kennzeichnend, so Knedlik weiter, sei für den Künstler das kleine, unscheinbare Gewächs am Wegesrand, der knorrige Stamm bei seiner Wanderung gewesen. Wie stark er das empfunden habe, drückte er bei seiner Radierung einer Wetterfichte aus „und dennoch“. Dieser Spruch sei später am Eingang seines Hauses in Tirschenreuth zu lesen gewesen. Das zeige Selbstvertrauen, Energie und Willenskraft.

Herbert Molwitz, auch „Meister Mol“, wie er einmal genannt wurde, sei einer immer schmäler werdenden Öffentlichkeit als der Grafiker der Oberpfalz bekannt als Schöpfer von Pflanzen- und Baumdarstellungen, von Orts- und Landschaftspanoramen – und dennoch gelte es, den unbekannten Molwitz zu entdecken. Zahlreiche Beispiele gebe es in beiden Gedächtnisausstellungen. „Ich wünsche Ihnen viel Entdeckerfreude“, schloss Knedlik seinen Vortrag.

Dr. Beate Mundhenk, eine der Erben des Verstorbenen, bedankte sich für alle Unterstützung, die sie in den vergangenen Wochen erfahren habe. Im Haus aufzuräumen sei für sie wie eine Zeitreise gewesen. Anschließen lud Bürgermeister Grillmeier zur Eröffnung in den Ausstellungsraum ein.

Historiker Manfred Knedlik bei seinem Vortrag.
Der Graphiker hatte auch hintergründigen Humor, wie es sich in diesem Bild eindrucksvoll zeigt.
Die Vielfalt der dargestellten Disteln wird neben zahlreichen weiteren unbekannten Werken in der Mitterteicher Ausstellung gezeigt.
Einmalig ist es, dass Molwitz Kacheln für einen Kachelofen für eine befreundete Familie gestaltet hat. 300 Mark verlangte der Künstler damals für seine Arbeit.
Öffnungszeiten:

Das Museum Mitterteich zeigt schwerpunktmäßig zahlreiche Werke von Herbert Molwitz, das Museumsquartier in Tirschenreuth befasst sich damit, wie der bekannte Künstler hier einst lebte und arbeitete. Für die Öffentlichkeit sind die Präsentationen in beiden Orten vom 7. August bis zum 27. September zugänglich. Die Öffnungszeiten in Mitterteich: Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr, Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Die Öffnungszeiten in Tirschenreuth: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.