09.08.2020 - 14:49 Uhr
MitterteichOberpfalz

Mosaikstein in der wertvollen Arbeit der Stiftland-Werkstätten in Mitterteich

Ardijan Gash spricht kaum, malt aber für sein Leben gerne und arbeitet viel an seinen Bildern. Das kreative Schaffen wird nur durch Pausen und am Arbeitsende unterbrochen. Jetzt gewann der 23-Jährige aus Tirschenreuth einen Kunstpreis.

Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Stefan Grillmeier (rechts) an Ardijan Gash, hier mit seiner Mutter Shemsija.
von Josef RosnerProfil

165 Teilnehmer beteiligten sich mit 575 Arbeiten an einem Wettbewerb um den Kunstpreis für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz. Den Hauptpreis gewann der 23-jährige Tirschenreuther Ardijan Gash. Geboren in Kosovo kam er mit zwei Jahren nach Deutschland, seit 2017 besucht er die Werkstätten der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) St. Elisabeth in Mitterteich.

Bei der Preisverleihung am Donnerstag im Speisesaal wurde der mit 1000 Euro dotierte Preis übergeben. Einrichtungsleiter Karl G. Kick nannte die Feierstunde im Hause eine große Freude für die Einrichtung. Normalerweise findet die Siegerehrung im großen Rahmen in Regensburg statt, dies war heuer wegen Corona nicht möglich. „Dennoch haben wir versucht, für diese tolle Ehrung einen würdigen Rahmen zu finden“, sagte Kick.

Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Zur Feier war auch KJF-Direktor Michael Eibl gekommen. "Der Kunst-Preis für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz ist aus der Kunstszene in Ostbayern nicht mehr wegzudenken.“ Es sei der KJF und dem Kunst- und Gewerbeverein Regensburg sowie dem kürzlich verstorbenen Künstler Alfred Böschl zu verdanken, dass Künstler mit Behinderung mit ihrem kreativen Potenzial in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Michael Eibl freute sich, dass auch die Familie des Preisträgers gekommen war. Ausdrücklich dankte er den Stiftlandwerkstätten für ihre Arbeit in diesen schweren Zeiten: „Was hier geleistet wird, ist einfach unglaublich.“ Eibl sprach von einem großartigen Miteinander vor Ort. „Wir haben schon viel erreicht. Jetzt müssen wir die Zukunft stemmen.“ Zum Wettbewerb sagte er: „Echte Kunst ist etwas Faszinierendes.“ Der Sprecher berichtete von großartigen Werken der Künstler.

Fester Platz in der Kunstszene

„Viele Besucher wären die richtige Anerkennung für die Künstler und deren Kunstwerke“. Die Arbeiten sind derzeit online auf der Homepage der Galerie St. Klara unter www.galerie-st-klara.de zu sehen. Eibl würdigte insbesondere die Verdienste des verstorbenen Alfred Böschl, der noch kurz vor seinem Tod in der Jury über die eingereichten Kunstwerke diskutierte.

Dem ehemaligen Vorsitzenden des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg ist es zu verdanken, dass Künstler mit geistiger Beeinträchtigung einen festen Platz in der Kunstszene haben. Nach seinem Tod wurden Katalog und Online-Ausstellung Alfred Böschl gewidmet. Michael Eibl gratulierte Ardijan Gash und übergab den Gewinn an den Tirschenreuther.

Bürgermeister Stefan Grillmeier überbrachte die Glückwünsche der Stadt und gratulierte Ardijan Gash zu diesem ganz besonderen Preis. Die kunstvolle Arbeit des Siegers nannte er beeindruckend. Der Rathauschef sprach von einem weiteren Mosaiksteinchen in der wertvollen Arbeit der Stiftlandwerkstätten. Stefan Grillmeier lud den Künstler und auch die Werkstätten dazu ein, ihre Werke in einer Ausstellung im Museum Mitterteich zu präsentieren. „Wir unterstützen die Stiftlandwerkstätten weiter gerne“, verwies der Bürgermeister auf Praktika und Übernahme in die städtische Belegschaft. Für Ardijan Gash hatte der Bürgermeister ein kleines Präsent und einen Eis-Gutschein mitgebracht.

Die Verantwortlichen der Stiftland-Werkstätten St. Elisabeth in Mitterteich zeichnen regelmäßig langjährige Mitarbeiter aus

Mitterteich
Hintergrund:

Die Arbeitsweise von Ardijan Gash

Zuerst trägt der Künstler Ardijan Gash mit breitem Pinsel gemischte Acrylfarben als Hintergrund auf das Papier. Dann folgt ein konzentrierter, meditativer Prozess, in dem mit Farbstiften Figuren und Strukturen über die Grundfarben gezeichnet werden, die in unterschiedlicher Dichte mehr oder weniger große Teile der Bildfläche beanspruchen. Die gezeichneten Strukturen stehen zueinander und zum farbigen Hintergrund in einem spannungsvollen Verhältnis. Sie bilden förmlich einen Text ohne Worte, den der Betrachter unwillkürlich zu erforschen und zu lesen beginnt.

Ardijan Gash ist der erste Preisträger des diesjährigen Kunstwettbewerbs für Menschen mit geistiger Behinderung der Bezirke Oberpfalz und Niederbayern. Jetzt wurde dem Gewinner der Preis im Rahmen einer Feierstunde überreicht. Von links Bürgermeister Stefan Grillmeier, Einrichtungsleiter Dr. Karl G. Kick, Vater Imer, Sieger Ardijan und Mutter Shemsija Gash, KJF-Direktor Michael Eibl und Günther Lange (Zentrum Bayern Familie und Soziales).
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