07.02.2020 - 17:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Naturfreundehaus erhitzt weiter die Gemüter

Der Zwist um das Naturfreundehaus kam erneut im Stadtrat zur Sprache. Der Bürgermeister wehrte sich gegen den Vorwurf aus den Reihen der Naturfreunde, Vorgänge verzögert zu haben. Kritische Worte gab es aus allen Fraktionen.

Die Vorgänge um das Naturfreundehaus führten nun zu einer längeren Diskussion im Stadtrat.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Der Tagesordnungspunkt war eigentlich für den nichtöffentlichen Teil der jüngsten Sitzung vorgesehen. Bürgermeister Roland Grillmeier wollte jedoch eine öffentliche Behandlung, nachdem er bei der Jahresversammlung der Naturfreunde zum Teil scharf kritisiert worden war. Zwar hatte Grillmeier darauf bereits in Form einer Stellungnahme reagiert, aber er wolle noch einige Dinge ergänzen, wie er sagte.

Hier geht's zum Artikel über die Jahresversammlung der Naturfreunde Mitterteich

Mitterteich

"Niemand hat die Leistungen der Naturfreunde schmälern wollen", betonte Grillmeier. Diese habe er stets herausgestellt, auch die touristische Bedeutung des Naturfreundehauses. "Aber die Stadt hat auch eine Verpflichtung gegenüber den Bürgern, wenn so viel Geld ausgegeben werden soll für ein 70 Jahre altes Gebäude", so Grillmeier.

Beschwerde unberechtigt

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Naturfreunde der Verwaltung eine gute Arbeit bescheinigt hätten - diese habe aber das ausgeführt, was der Stadtrat beschlossen habe. Zur Aussage von Naturfreunde-Mitglied Hans Lugert bei der Versammlung, dass bei einem Gutachten in der Regel 20 Prozent des ermittelten Werts abgezogen werden könnten, sagte Grillmeier: "Wir können das Ganze heute beenden, wenn der Stadtrat das so beschließt." Grillmeier machte deutlich, dass diese Entscheidung er alleine nicht treffen könne. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde, wie sie gegen ihn angedroht wurde, müssten die Naturfreunde also an den ganzen Stadtrat und die Verwaltung richten. Grillmeier bemängelte weiter, dass der von den Naturfreunden beauftragte Gutachter ein Sachverständiger für das Fliesenleger-Handwerk sei. "Das hatte man uns nicht gesagt", so der Bürgermeister. Der jetzt von der Stadt beauftragte Sachverständige sei dagegen ein Fachmann für Immobilien.

Wegen des Vorwurfs der zeitlichen Verzögerung hatte Grillmeier den zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung, Harald Seitz, zur Sitzung eingeladen. Dieser schilderte die Vorgänge der Reihe nach und verwies auf den Rückzieher des ersten Gutachters sowie terminliche Schwierigkeiten, wofür die Stadt aber nicht verantwortlich sei. Seitz gab zu bedenken, dass der alternative Weg über den Gutachter-Ausschuss des Landkreises bis zu acht Monate gedauert hätte.

"Aufgeheizte Stimmung"

Josef Schwägerl (CSU) berichtete von einer "von Anfang an aufgeheizten Stimmung" und erinnerte an einen Ortstermin im März 2019. Er stelle sich auch die Frage, welche Rolle hier der Landesverband der Naturfreunde spiele. Bernhard Thoma (Freie Wähler) bestätigte diese Eindrücke: "Mit den Leuten aus Mitterteich hat man gut reden können, aber der Landesverband-Vertreter hat hoch gepokert." Schwägerl und Thoma erklärten, sie hätten vorab nicht gewusst, dass der Gutachter der Naturfreunde ein Sachverständiger für das Fliesenleger-Handwerk sei. "Sonst hätten wir uns darauf nicht eingelassen", versicherte Schwägerl. Zudem sei der Gutachter wohl auch selbst ein Mitglied der Naturfreunde.

Schwägerl verwies auch auf die begrenzten Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes. "Das kann man nicht einfach in ein Wohnhaus umbauen." Entsprechend umsichtig müsse man mit den Steuergeldern umgehen. "Ich verstehe die Hetze nicht, die gegen den Bürgermeister betrieben wird", so Schwägerl.

Johann Brandl (SPD) erklärte, dass er bei dem Termin im März nicht mit dabei gewesen sei und er Details erst im Juli im Bauausschuss erfahren habe. "Ich kann das nicht beurteilen", so Brandl zu dem im Gutachten der Naturfreunde genannten Wert von 94 000 Euro. "Aber die stellvertretende Fraktionssprecherin war doch dabei", so Bürgermeister Grillmeier zu dem Ortstermin im März. Angelika Müller (SPD), selbst Mitglied der Naturfreunde, bestätigte dies und erinnerte später in der Diskussion daran, dass die Pläne der Naturfreunde schon seit 2017 bekannt gewesen seien. Bürgermeister Grillmeier erklärte dazu, dass die Stadt ohne einen Beschluss des Vereins aber keinen Handlungsauftrag gehabt habe. "Das war meine klare Botschaft."

Dem Gutachter Druck machen

Angelika Müller führte weiter aus, dass der Verein zu einer gütlichen Einigung bereit gewesen sei, aber dann keinen Gesprächstermin bekommen habe. Roland Grillmeier sagte dazu, dass man über das Angebot der Stadt zunächst allein mit den Mitterteicher Naturfreunden habe reden wollen - und nicht im Beisein eines Landesverbandes-Vertreters. "Es ist in unser aller Interesse, dass wir eine Lösung finden", stellte Grillmeier klar.

Bernhard Thoma warb dafür, das Ergebnis des Gegengutachtens abzuwarten und dann nach einem Kompromiss zu suchen. Johann Brandl regte an, dem von der Stadt beauftragten Sachverständigen Druck zu machen, so dass er das Gutachten möglichst bald fertig stellt.

Roland Grillmeier informierte am Ende, dass der Kreisbaumeister gefragt wäre, falls auch nach der Vorlage des neuen Gutachtens keine Einigung erzielt werden könnte.

Die Vorgänge um das Naturfreundehaus führten nun zu einer längeren Diskussion im Stadtrat.
Nachgefragt:

In der Stadtratssitzung wurde mehrfach betont, dass der von den Naturfreunden beauftragte Gutachter ein Sachverständiger für das Fliesenleger-Handwerk sei. Erich Tilp, Zweiter Vorsitzender der Naturfreunde Mitterteich, erklärte auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien, dass er dies nicht sicher wisse. "Uns war wichtig, dass es sich um einen staatlich vereidigten Gutachter handelt." Dass dieser selbst auch Mitglied im Landesverband der Naturfreunde sein soll, so eine weitere Aussage in der Sitzung, hält Tilp durchaus für möglich. Einen Konflikt sehe er darin nicht automatisch. "Dadurch etwas zu insinuieren, finde ich nicht in Ordnung." Tilp ergänzte, dass in dem Gutachten bisher keine fachlichen Fehler bemängelt worden seien, sondern allein die Höhe des Gebäudewerts. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien unterstrich Tilp auch, dass die Naturfreunde weiterhin größtes Interesse an einer gütlichen Einigung mit der Stadt hätten.

Hintergrund:

Im Februar 2019 fassten die Naturfreunde Mitterteich den Beschluss, den Erbpachtvertrag über das Naturfreundehaus mit der Stadt aus dem Jahr 1953 nicht mehr zu verlängern. Als Gründe wurden das Fehlen ausreichender ehrenamtlicher Helfer sowie sinkende Übernachtungszahlen und hohe Betriebskosten genannt. Und so fiel das Gebäude zum 1. April 2019 an die Stadt zurück. Noch offen ist die Bezahlung der Ablösesumme, weil über deren Höhe Uneinigkeit herrscht. Die Naturfreunde hatten über den Landesverband ein Gutachten erstellen lassen, das im Juli 2019 vorlag. Der festgestellte Gebäudewert von 94 000 Euro erschien dem Stadtrat aber als zu hoch und dem Verein wurden im Gegenzug 25 000 Euro angeboten. Nach der Ablehnung dieses Angebots durch die Naturfreunde beschloss der Stadtrat im September 2019, ein Gegengutachten in Auftrag zu geben. Wegen eines zwischenzeitlichen Gutachter-Wechsels und der laut Stadt hohen Auslastung der Fachbüros fand die Bewertung des Hauses erst im Januar statt, das Ergebnis liegt noch nicht vor.

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