18.11.2021 - 11:24 Uhr
MitterteichOberpfalz

Neue Ausstellung im Museum Mitterteich zeigt "Weihnachten im Ersten Weltkrieg"

Bomben und Zeppeline als Christbaumschmuck: Was heute unvorstellbar erscheint, war vor über 100 Jahren der Stolz in deutschen Wohnstuben. Eine Schau in den Räumen des Museums vermittelt einen Eindruck davon.

Im Museum Mitterteich beginnt am Samstag die Ausstellung „Der Krieg begann im Kinderzimmer“. Der 28-jährige Tobias Damberger aus Ebnath (im Bild mit dem Spielzeug "Dicke Berta" vor einer Vitrine) zeigt seine Sammlung.
von Josef RosnerProfil

Im Museum in Mitterteich ist ab diesen Samstag die Sonderausstellung „Der Krieg begann im Kinderzimmer – Weihnachten im Ersten Weltkrieg“ zu sehen. Gezeigt werden rund 240 Exponate aus der Privatsammlung von Tobias Damberger aus Ebnath. Der 28-jährige schreibt derzeit seine Doktorarbeit in Geschichte und will in zweieinhalb Jahren damit fertig sein.

Schon im Alter von sechs Jahren, so Damberger, sei er von der Sammlerleidenschaft seines Vater Arno angesteckt worden; dieser habe mit den Sammeln von Kriegsspielzeug schon vor 40 Jahren begonnen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Kriegsspielzeuge, wie es die Kinder damals gebrauchten. Erworben hatte diese der Sammler bei Auktionen, im Internet und auf Flohmärkten. Die Exponate waren schon wiederholt öffentlich gezeigt worden, mitunter auch in der Region – etwa in Wunsiedel, Kemnath und Weiden.

"Hurra-Patriotismus"

Damberger erzählt vom "Hurra-Patriotismus" beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914. Bis Weihnachten spätestens, so die Annahme, wäre der Krieg zu Ende und die Soldaten würden wieder bei ihren Familien sein.

Doch es kam anders, worauf Betriebe Alltagsgegenstände in patriotischer Form herstellten. Somit konnten die Angehörigen etwa Liebesgaben in Form von nützlichen Gebrauchsgegenständen, Lebensmitteln, Kleidung und Feldpostspielen fürs Weihnachtsfest zu ihren Lieben an die Front senden.

Aber auch daheim wurde der Weihnachtsbaum in gut bürgerlichen Familien mit patriotischem Schmuck behängt – in Form von Bomben, Zeppelinen oder Weihnachtskugeln mit dem Portrait des Kaisers und seiner Heeresleitung. Der Patriotismus und die Militarisierung ging selbst an den Kindern nicht vorbei: Auf den Wunschzetteln der Kinder stand die Soldatenausrüstung für das Kriegsspiel an erster Stelle, und die Spielzeugindustrie lieferte dafür Uniformen, Pickelhauben, Säbel und vieles mehr in vielen unterschiedlichen Ausführungen und Preislagen. Mit dem Kriegsspiel wurde so der reale Krieg ins Kinderzimmer projiziert.

Bilderbücher zeigen Kriegseinsatz

Daneben gab es nach den Worten von Damberger zahlreiche patriotische Gesellschaftsspiele, die besonders zu Beginn des Ersten Weltkrieges die großen Erfolge des deutschen Heeres zelebrierten. Bilderbücher für die Jüngsten zeigen den Soldatenalltag und den Kriegseinsatz.

Mit Baukästen konnten Festungen errichtet werden, um sie danach durch den Beschuss mit Kanonen aus Blech oder Holz wieder dem Erdboden gleich zu machen, ganz nach dem Vorbild der Väter und Großväter im wirklichen Krieg.

Im Museum Mitterteich gibt es seit einigen Wochen eine Besonderheit

Mitterteich
Hintergrund:

„Der Krieg begann im Kinderzimmer – Weihnachten im Ersten Weltkrieg“

  • Geöffnet ist die Ausstellung im Museum Mitterteich ab Samstag, 20. November; sie dauert bis 9. Januar 2022.
  • 15 Vitrinen stehen in den Räumen. Sie sind zugänglich von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr, am Samstag von 9 bis 12 Uhr und am Sonntag von 14 bis 17 Uhr.
  • Der Beginn der Ausstellung war überraschend um eine Woche vorverlegt worden.
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