06.04.2020 - 16:57 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schmerzlinderung notfalls im Schlafzimmer

Der Ausbruch des Coronavirus öffnet modernen Heilmethoden Tür und Tor: Physiotherapeut Wolfgang Haas hilft jetzt seinen Patienten per Telemedizin.

Physiotherapeut Wolfgang und seine Frau, Masseurin Ruth Maria Haas, von der Stiftland-Reha Mitterteich nutzen jetzt auch die Telemedizin per Laptop für ihre Behandlungen.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wir sind hier gebrandmarkt", sagt Wolfgang Haas und meint damit die deutschlandweit einmalige Ausgangssperre wegen Sars-CoV-2. Dem Physiotherapeuten tut dies vor allem wegen der Patienten leid, die unbehandelt oder nur teilweise behandelt nun daheim sitzen.

Haas zeigt auf seine Karte, wo allein 500 Patienten aktuell in Behandlung sind. Ab sofort kann er etlichen davon nun doch helfen. Und davon hätte Haas vor einigen Wochen nicht einmal geträumt. Denn im Heilmittelbereich wurden wegen Corona Türen und Tore geöffnet für eine Weiterbehandlung ohne Ansteckungsgefahr.

Dass dies völlig unbürokratisch in Windeseile geschehen sei, kann der Physiotherapeut jetzt noch kaum glauben. "Sofern die Behandlungen aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) stattfinden können, ist dies mit vorheriger Einwilligung der Versicherten für die nachfolgend aufgeführten Heilmittel möglich." Was Haas aus einem Schreiben der Kassenverbände vom 18. März zitiert, muss für Schmerzpatienten wie ein Segen aus dem Himmel erscheinen.

Nun ist Telemedizin nichts Neues. Auch in der Praxis von Wolfgang Haas wurde es bereits angewendet, wenn auch nicht in allen Abteilungen. Haas hat sich der "Sprechstunde online" der Kassenärztlichen Vereinigung angeschlossen. Er ist für Telemedizin fachlich zertifiziert. "Da ist fast alles möglich", freut ihn die nun komplette Öffnung dieser Heilmethode.

Auch der "banale" Hexenschuss

An Technik eingesetzt werden könnten dafür Telefone, das Handy, Laptop und PCs für Videochats, zählt er auf. Sprachtherapie, Ergotherapie und Physiotherapie sei möglich. Letzteres geht von Knochenbruch-Nachbehandlungen über Bandscheibenbeschwerden bis hin zur Sportmedizin oder dem "banalen" Hexenschuss sowie Nackenschmerzen und mehr. "Ich zeige dem Patienten live am Bildschirm, welche Übungen er machen muss und begleite ihn bei der Ausführung. Damit er sie richtig macht. Oder der Patient macht seine Übungen vor meinen Augen, wie sonst in der Praxis, und ich kann korrigierend eingreifen", erklärt Haas die Vorgehensweise. Damit könne er seine Patienten weiterbehandeln, aber auch neue Fälle annehmen.

Nicht ohne Rezept

Gerade bei der Kontaktsperre speziell in Mitterteich sei das unbezahlbar. Haas betont, dass die Datenschutzbestimmungen 100-prozentig gewahrt seien. Der Patient müsse sich schriftlich einverstanden erklären. "Und es geht nicht ohne Rezept." Sind diese Voraussetzungen erfüllt, könnte sein Team mit der Arbeit beginnen. "Gern auch vom Schlafzimmerbett aus, wenn jemand nicht mehr aufstehen kann vor Schmerzen."

Haas schätzt die Neuerung sehr, auch für seine Leute, die er heimschicken musste wegen Corona. "Sie können das per Home Office machen." Damit könne Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Kein Patient, der aktuell Probleme habe, sollte sich vor einer Nachfrage zur Telemedizin bei seinem Physiotherapeut scheuen, fordert Haas all die Leidenden im Landkreis auf, sich wirklich zu melden.

Folgeschäden von Corona

Weniger erfreulich ist eine neue Patientengruppe: "Wir werden viel zu tun haben mit den Folgeschäden von Corona", sagt er und nennt speziell als Therapie die Atemgymnastik. Der Chef der Stiftland-Rehe Haas ist überzeugt, dass Telemedizin in dieser Krise bei der Patientenbehandlung viel Versäumtes auffangen könne und müsse. Dabei sieht Haas auch das Gesundheitswesen am Rande der Leistungsfähigkeit. Telemedizin ist für Wolfgang Haas schon heute eine sinnvolle Ergänzung im Heilmittelbereich. Telemedizin werde nach der Krise ihren neu gewonnenen Status nicht mehr verlieren, sagt er.

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