19.09.2019 - 09:38 Uhr
MitterteichOberpfalz

Jetzt schon an Weihnachten denken

Die Mitterteicher Schnitzer fiebern ihrer Krippenausstellung entgegen, die nur alle fünf Jahre stattfindet. Jeden Dienstagabend trifft sich die Gruppe in ihrem Raum im Museum.

von Josef RosnerProfil

"Du brauchst für eine handgeschnitzte Figur, je nach Aufwand und Größe, so zwischen 12 bis 30 Stunden", sagt Rainer Gottas. "Für ein Schaf braucht ein geübter Schnitzer zwischen drei und vier Stunden", ergänzt Peter F. Dotzauer, der Leiter der 20 Mitterteicher Schnitzer. Nach fünfjähriger Pause laden die Schnitzer heuer zur großen Krippenausstellung "Folgt dem Stern nach Bethlehem" vom 30. November bis 6. Januar ins Museum in Mitterteich ein. Das letzte Mal kamen über zweitausend Besucher in die Krippenausstellung.

Gezeigt werden die Arbeiten der Mitterteicher Schnitzer, alles Unikate und von eigener Hand hergestellt. Schnitzen hat in Mitterteich Tradition. Vor 30 Jahren wurde die Gruppe gegründet. Seitdem finden alle fünf Jahre große Krippenausstellungen statt. In diesem Jahr ist es die siebte. "Bei uns ist jede Figur anders, individuell", erklärt Peter F. Dotzauer, der gemeinsam mit Rainer Gottas Krippenfreunde und Schnitzer leitet. Gearbeitet wird jeden Dienstag von 19 bis 21 Uhr im Schnitzraum im Obergeschoss des Museums. Wer mitmachen will, darf einfach vorbeikommen. "Unsere alten Hasen geben gerne auch Tipps und Ratschläge." Mit dabei ist auch der künstlerische Leiter der Schnitzer, der Friedenfelser Christoph Daubner. "Von ihm haben wir am meisten gelernt", sagen beide übereinstimmend.

Eine Krippe umfasst zwischen 10 und 50 Figuren. Sie wird nie ganz fertig werden. "Alle Figuren werden von uns mit eigener Hand geschnitzt, dazu brauchen wir keine Rohlinge", so Peter Dotzauer. Verwendet wird vor allem Lindenholz und Zirbenholz. Alle geschnitzten Figuren bleiben unbehandelt und naturbelassen. Dotzauer ist Mitglied der ersten Stunde bei den Krippenschnitzern. Auf die Krippenausstellung fiebern die Schnitzer lange hin. Rainer Gottas, gebürtiger Niedersachse, ist seit zehn Jahren bei den Schnitzern und von seinem Hobby total gefangen. Gottas betreut auch die Homepage der Schnitzer auf www.krippenschnitzer.cabanova.com. Das Besondere der Mitterteicher Krippen ist die Krippenmaus, die in allen Krippen der Schnitzer auftaucht. Peter Dotzauer ist faszinierte von der Arbeit mit dem Holz: "Es ist einfach wunderschön, wie aus einem Stück Holz etwas ,Lebendiges' geschaffen wird." Rainer Gottas bekräftigt: "Ich kann mit einem Stück Holz etwas anfangen, bis ich das fertige Ergebnis vor mir habe." Begeistert ist Gottas von Olivenholz, das er mehr und mehr verwendet. Das Holz wird von der Schnitzgruppe gemeinsam gekauft. "Wir arbeiten alle ehrenamtlich und bekommen nichts. Die Figuren bleiben größtenteils auch im Privatbesitz des Schnitzers. Das Ergebnis kann bei der Mitterteicher Krippenausstellung bestaunt werden", so die Organisatoren. Doch die Schnitzer arbeiten nicht nur im Museum, auch bei zahlreichen repräsentativen Auftritten der Stadt Mitterteich sind sie dabei, so zum Beispiel bei der Touristikmesse am Nürnberger Hauptmarkt.

Diözesanbischof Rudolf Voderholzer hat sein Kommen zur Eröffnung der Krippenausstellung am Donnerstag, 28. November, angekündigt - eine Ehre für die Schnitzer.

Informationen erteilen Peter F. Dotzauer (Telefon 09633/2322), Rainer Gottas (Telefon 09633/650) oder die Touristinfo der Stadt (Telefon 09633/89123). Vor fünf Jahren besuchten über zweitausend Besucher die Krippenausstellung.

Hintergrund:

Tipps für Schnitzanfänger

Das Holz muss trocken und abgelagert sein. Frisches Holz führt im fertigen Werkstück nach dem Trocknen zu Rissen. Zum Schnitzen ist weiches Holz ideal, wie Linde, Kiefer oder Ahorn.

Wichtig ist ein gut beleuchteter Arbeitsplatz und – besonders für Schnitzanfänger – die Möglichkeit das Stück einzuspannen. Dafür eignet sich auch ein normaler Schraubstock. Auch Schnitzaufsätze werden angeboten.

Schnitzmesser gibt es flach, rund sowie in V- und U-Form. Die Breiten variieren zwischen einem halben Millimeter und 80 Millimeter.

Die Messer sollten immer scharf sein. Die Arbeit mit stumpfen Schneiden braucht mehr Kraft und wird nicht sauber.

Mit einem einfachen Werkstück kann man anfangs seine Fähigkeiten testen. Anfänger wagen sich am besten an ein Tier oder eine Pflanze, eine Schale oder einen Teller.

Immer vom Körper weg schnitzen. (dt)

Hintergrund:

Die Krippenmaus von Mitterteich

"Es war zur Ausstellung 1999 im Vortragsraum der Mehrzweckhalle", erzählt Peter F. Dotzauer. "Hier wurde unter anderem auch eine Kastenkrippe von Hans Stingl aufgestellt. Das Kuriose an dieser Krippe war, dass der Stall mit Kornähren gedeckt war. Zur Dekoration der Ausstellung holte ich vom Heserbauer einige Strohballen. Da während der Ausstellung zwei Besucher ohne große Worte direkt auf das geschnitzte Abendmahl von Christoph Daubner zugingen und sich ausschließlich dafür interessierten, entschlossen wir uns, für den Rest der Ausstellung Nachtwachen einzuführen, um unsere Kostbarkeiten zu schützen. Bei einer dieser Nachtwachen waren Josef Göhl und ich anwesend. Während unserer Zoiglbrotzeit bemerkten wir, dass in der Kastenkrippe etwas umgefallen war. So legten wir uns auf die Lauer und sahen eine kleine Spitzmaus, die hier ihr Unwesen trieb. Sie knabberte die Kornähren ab und fühlte sich sichtlich wohl. Nachdem die Ausstellung beendet war, wurden auch die Strohballen wieder zum Heserbauer gebracht. Ich bemerkt, dass beim Hinstellen die kleine Maus wieder aus dem Ballen herauskam und das Weite suchte. So entstand bei uns in Mitterteich die Legende von der „Krippenmaus“, die auch jetzt noch in jeder Krippe bei uns zu sehen ist."

Die ganze Geschichte kann im Mitterteicher Krippenbuch nachgelesen werden.

Aktuell und Wissenswert

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