19.07.2019 - 13:19 Uhr
MitterteichOberpfalz

Spurensuche im Stiftland

Schon im Mittelalter war der Hunger nach Neuigkeiten und Merkwürdigkeiten groß. Historiker Manfred Knedlik stellte in Mitterteich eine Reihe von Sensationsmeldungen und Reisebeschreibungen über das Stiftland in den letzten 500 Jahren vor.

Manfred Knedlik bei seinem Vortrag im Café des Mehrgenerationenhauses.
von Josef RosnerProfil

Rund 25 Zuhörer waren der Einladung des Literarischen Arbeitskreises ins Mehrgenerationenhaus gefolgt. Zum Thema des Abends, einer literarischen Spurensuche im Stiftland, referierte neben Manfred Knedlik auch Hans Günther Lauth. Für musikalische Unterhaltung sorgte das Duo Cornelia Gurdan und Hubert Gleißner.

Karl Haberkorn hieß Besucher, Referenten und Musiker im Namen des Literarischen Arbeitskreises willkommen. Der frühere Bürgermeister und Landrat freute sich, dass der gebürtige Mitterteicher Manfred Knedlik wieder einmal in seine Heimatstadt gekommen sei und von sich hören lasse. Unter den Gästen waren auch einige Zuhörer aus der Klosterstadt Waldsassen, allen voran Heimatpfleger Robert Treml und Gerwigkreis-Vorsitzender Manfred Brunner.

Manfred Knedlik betonte, dass die neuesten Meldungen zunächst mündlich, dann handschriftlich und später in gedruckter Form weiter verbreitet wurden. Schon Anfang des 16. Jahrhunderts gab es gedruckte Bildnachrichten, die damals sehr schnell sehr populär geworden seien. "Damals entstand schon eine frühe Form der Zeitung, deren Entwicklung als periodisch erscheinendes Druckmedium aber erst mit Beginn des 17. Jahrhunderte einsetzte", so Knedlik. So soll sich im Januar 1573 in Tirschenreuth angeblich eine blutige Gewalttat ereignet haben, die sich zu einem kleinen Medienereignis entwickelt habe. Die Nachricht hat sich sogar bis nach Hof verbreitet, wo ein illustrierter Einblattdruck herausgegeben wurde. "Damals wie heute ließ die schaurige Tat ein größeres Leserinteresse erwarten als ganz profane Nachrichten", erklärte Knedlik.

Reizworte in Schlagzeilen

Damals sei der Appell an Eltern und Obrigkeit ergangen, rechtzeitig eine strenge Erziehung walten zu lassen, um solche Verbrechen zu verhindern. Schon damals hätten Reizworte wie "jämmerlich" oder "erbärmlich" die Schlagzeilen und das Interesse gesteigert. Ein weiteres Thema seines Vortrags war die Deutung von Wappen. 1585 erschien in Regensburg die erste Sammlung Oberpfälzer Stadt- und Marktwappen in Buchform. Abgebildet waren darin die Wappen der Städte Kemnath, Bärnau und Tirschenreuth sowie der Märkte Falkenberg, Mitterteich, Waldershof, Waldeck und Erbendorf. Verfasser war der Pfarrer und Dichter Paul Zeidler aus Schwarzhofen bei Neunburg vorm Wald. In den Wappen war deutlich die stiftische Herrschaft von Mitterteich und Falkenberg zu erkennen, das Wappen zierte ein Abtstab. An den Wappeninhalten sei abgeleitet worden, dass die Bürger zu Treue, Gehorsam und Ehrfurcht gegenüber der Obrigkeit aufgerufen waren, aber auch zu Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein. Keinen Zweifel habe es damals am göttlichen Ursprung der weltlichen Herrschaft gegeben. Knedlik sah in der Deutung der Wappen auch einen Entwurf eines Tugend- und Wertesystems im bürgerschaftlichen Raum.

Einen weiteren Schwerpunkt des Abends bildeten literarische Reisen, vor allem jene von Johann Wolfgang von Goethe. "Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen", lautet ein Zitat Goethes. In Reiseberichten, die im 18. Jahrhundert stetig zunahmen, finden sich Wahrnehmungen, historische Notizen und topographische Angaben. Oft sind auch kritische Berichte zu politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Zuständen zu lesen.

Bewunderung für Kloster

Oft auf Reisen war wohl auch Johann Michael Füssel, der später evangelischer Pfarrer in Gefrees wurde. Er habe mit seinen Reiseberichten einen Beitrag zur besseren Kenntnis des Vaterlandes leisten wollen. Über die Bibliothek in Waldsassen schrieb Füssel: "Man hat es hier nicht nötig, um ein Buch zu finden, erst stundenlang auf Leitern herum zu steigen. Von der neuen deutschen Literatur ist wenig bis nichts vorhanden. Die Werke der Protestanten, besonders theologischen Inhalts, sind entweder versteckt, oder werden gar nicht angeschafft." Füssel riet damals: "Da das Kloster seines großen Reichtums und seiner Prachtliebe wegen so berühmt ist, sollte es mehr auf die neue Literatur und auf die Geistesprodukte unkatholischer Gelehrter zurückgreifen." Auch Goethe war im Stiftland unterwegs und schrieb Erinnerungen nieder. Er bezeichnete das Kloster Waldsassen als ein "köstlich Besitztum", das in einem "ringsum fruchtbaren Wiesengrunde" liege. Daran so Knedlik, lasse sich seine Bewunderung dafür erkennen.

Karl Haberkorn (links) hieß die Zuhörer bei der Veranstaltung des Literarischen Arbeitskreises willkommen.
Manfred Knedlik (rechts) und Hans Günther Lauth hatten allerhand Wissenswertes zu berichten.

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